Ludwigshafen Leisten, was die Stadt nicht kann

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Friesenheim. Wenn die Umbauarbeiten am Kinderhaus am Ebertpark fertig sind, spielen bei schönem Wetter 180 Kinder im Außengelände. Zwar stemmt die Stadt die Renovierung. Doch für einen extra Spielbereich für Krippenkinder etwa ist kein Geld da. Auch aus diesem Grund gründeten rund 15 engagierte Eltern, fast der gesamte Elternausschuss, im vergangenen Jahr einen Förderverein. Dass es dazu kam, daran sei schlussendlich die BASF schuld, berichten Jenny Hoock und Signe Unverricht. Zum 150-jährigen Firmenbestehen spendete das Chemieunternehmen für 150 soziale Projekte jeweils 5000 Euro. Geld, dass die Eltern gut gebrauchen konnten. „Weil wir ja dafür ein legales Konto gebraucht haben, war die Motivation da, die Vereinsgründung anzugehen“, sagt Hoock. Schließlich dürfen größere Mengen Geld nicht einfach so gesammelt werden. Und eine Finanzierung über den normalen Haushalt ist nicht möglich. Lediglich Bau, Betrieb und Unterhalt der Kindertagesstätten wird nach Angaben der Stadt darüber finanziert. Gerade deshalb sei die Stadt froh über das Engagement der Eltern, erklärt Sprecherin Simone Müller. In ingesamt sieben von 33 städtischen Kindergärten ist derzeit ein Förderverein aktiv. Bis die Satzung stand, die Gemeinnützigkeit anerkannt war, waren jedoch einige Hürden zu nehmen, erinnern sich Hoock und Unverricht. „Wir sind da schon ein bisschen hemdsärmelig reingegangen“, sagt die Vorsitzende Unverricht. Zumindest brachte Hoock bereits ein paar Kenntnisse mit, da sie schon einmal die Geschäftsführung eines Vereins innehatte. Blauäugig seien im Rückblick die Überlegungen gewesen, was mit den 5000 Euro der BASF alles gestemmt werden könne, sagen beide. Ein angestrebter Barfußpfad mit Sinnesparcours war zu hoch gegriffen gewesen. Letztendlich habe es nur für ein Spielhaus gereicht, das beim Sommerfest am 3. Juni eingeweiht wird. „Wir konnten den Untergrund in Eigenleistung herrichten, das war ein toller Arbeitseinsatz, zu dem auch Eltern gekommen sind, die man sonst nicht so sieht“, sagt Hoock. Die Grasnarbe wurde abgetragen, der Untergrund für den Beton vorbereitet. Das Spielhaus habe allerdings in Absprache mit der Stadt eine Spezialfirma aufstellen müssen, inklusive Tüv-Abnahme. „Wenn sonst etwas passiert, haftet die Stadt“, sagt Unverricht. Immerhin sind schon Baumstümpfe, Reste der Rodungsarbeiten in Zusammenhang mit dem Kita-Ausbau, gesetzt. Jetzt sollen noch Hecken dazukommen, oder eine andere Umgrenzung. Die kosten 2000 bis 3000 Euro, schätzen Hoock und Unverricht. Geld erwirtschaftet der Verein etwa durch die Bewirtung beim Sommerfest. Im Advent boten die Eltern auf dem Weihnachtstreff auf dem Otto-Buckel-Platz in Friesenheim Bastelaktionen an und verkauften Punsch, vor Weihnachten schrieben die Mitglieder des Fördervereins 50 Firmen in Friesenheim an und baten um Unterstützung. „Es war ernüchternd, wir haben 50 Euro bekommen“, sagt Hoock. Trotzdem lassen sich die Eltern nicht entmutigen, haben immer neue Ideen, wie den Kuchenverkauf in der Kita selbst. Einmal im Monat können sich hier Eltern fürs Wochenende eindecken – oder selbst einen Kuchen spenden. „So kommen die Eltern ins Gespräch“, sagt Hoock. Das sei gut, weil man in der großen Einrichtung zum Teil aneinandervorbeilebe. „Wir bekommen so auch mit, was sich die Eltern wünschen“, sagt Unverricht. Schließlich ist es dem Förderverein ein Anliegen, etwas für alle Altersgruppen im Kindergarten zu tun. Kommende Woche wird es zum ersten Mal ein Selbstsicherheitstraining für Vorschulkinder geben. „Eine Mutter kannte das von einem Kindergarten in Rheingönheim“, sagt Hoock. Für Drei- bis Vierjährige wird in Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Pesch-Haus ein Vorlesetag organisiert, die Hortkinder konnten Anfang Mai einen Tag im Medienhaus Ludwigshafen verbringen. Dazu hat der Förderverein einen Elternabend zum sicheren Umgang mit neuen Medien organisiert. „Was uns als Eltern manchmal gefehlt hat, was die Stadt aber nicht leisten kann“, fassen Hoock und Unverricht die Motivation der Mitglieder zusammen. Die haben mittlerweile selbst gestaltete T-Shirts, auch eine eigene Homepage ist fertig. „Das Ziel ist, noch mehr Eltern zu erreichen“, sagt Hoock. Schließlich sind einige, die ihre Kinder von der Krippe bis zum Hort in der Einrichtung haben, rund sechs Jahre vor Ort. Zeit, in der man durchaus etwas bewegen könne, um den Kindergarten lebenswerter zu gestalten. Nicht nur mit Großprojekten wie beim Außengelände. Im Eingangsbereich beispielsweise hängen Fotos des jeweiligen Mittagessens, zeigt Hoock. „Unsere Köchin hatte die Idee, weil die Kinder nicht lesen können. Wir haben es umgesetzt.“ Termin Sommerfest, Freitag, 3. Juni, 14 bis 18 Uhr, Kinderhaus am Ebertpark, Erzberger Straße 109-111. Im Netz www.foerderverein-kinderhausamebertpark.de .

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