Fußball
Landesliga: Warum Pietro Berrafato seine Auszeit beendet
„Ja, ich hatte mich im vergangenen Winter entschieden, im Sommer eine Pause einzulegen. Ich war 20 Jahre im Fußball, das ist eine lange Zeit“, erklärt der 39-Jährige. Er wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim und arbeitet als Bezirksleiter in einem regionalen Versicherungsunternehmen. Eigentlich sei mindestens ein Jahr „Sabbatical“ angesagt gewesen. „Dreimal in der Woche Training hat dann auch viel Zeit in Anspruch genommen, da wollte ich auch runterfahren. Aber im Fußball kommt es dann doch meist anders, als man es geplant hat“, räumt Berrafato ein und lacht.
Er kennt das Fußballgeschäft. Seine Anfänge liegen beim VfR Friesenheim („Dort komme ich auch her“). In der D-Jugend ging er zum Ludwigshafener SC, wechselte in der Aktivität zum FSV Oggersheim in Oberliga. „Dort war Sascha Koch mein Trainer“, erinnert er sich. Mit dem Verein ging es hoch in die Regionalliga, nach drei Jahren FSV wechselte Berrafato zum 1. FC Saarbrücken. Es folgte von 2010 bis 2016 das Engagement beim FC Arminia Ludwigshafen. Als spielender Co-Trainer sammelte er beim SV Phönix Schifferstadt erste Erfahrungen als Übungsleiter, nach einem „kurzem Intermezzo beim ASV Fußgönheim“ kehrte er als Trainer zu den Phönixen zurück. Im Sommer 2025 war dann vorerst Schluss.
Anruf aus Worms
Vor einigen Tagen kam dann der Anruf von Manuel Wöllner. Der Sportliche Leiter der TSG Pfeddersheim war auf der Suche nach einem Trainer für den taumelnden Ex-Oberligisten, der nur aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber dem FSV Schifferstadt in der Landesliga nicht auf einem Abstiegsplatz überwintert. „Mein Name war auf der Kandidatenliste. Wir hatten gute Gespräche. Ich habe gemerkt, dass es passt“, erklärt Berrafato. Er ist sich bewusst, welches schwere Amt er übernimmt: „Der Verein hat eine Ausstrahlungskraft.“ Die TSG Pfeddersheim spielte lange in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.
„Der Verein hat einen Trainer für die Rückrunde und die kommende Saison gesucht“, erzählt Berrafato. Er habe Rücksprache mit der Familie gehalten und sich kurz vor Silvester für ein Engagement im Vorort von Worms entschieden. Ein Faktor, der für den 31-Jährigen spricht: Er kennt die Landesliga wie kein anderer. Und weiß, wie schnell es hoch, aber auch wieder heruntergehen kann: „Vereine wie der FC Speyer 09, der von der Oberliga bis in der Bezirksliga abgestiegen ist, oder der ehemalige Verbandsligist ASV Fußgönheim zeigen, wie schnell das gehen kann“, nennt er namhafte Beispiele. Das will er in Pfeddersheim verhindern. Stabilität lautet das Stichwort.
Es bleibt nicht viel Zeit
Diese Aufgabe ist laut der TSG Pfeddersheim auch das kurzfristige Ziel: „Ich habe mich natürlich über die TSG informiert. Wir brauchen Siege, um eine gewisse Mentalität wieder in das Team hereinzubringen“, wird Berrafato auf dem Instagram-Account des Vereins zitiert und bestätigt dies im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich habe nicht so viel Zeit, um die Mannschaft kennen zu lernen“, weiß der neue Trainer. Bereits am Samstag, 10. Januar, tritt die TSG Pfeddersheim beim Hallenfußballturnier in der BIZ-Sporthalle in Worms an. „Das übernimmt aber das Team komplett selbst“, sagt Berrafato. Marcell Oehler hatte zuletzt als spielender Trainer die TSG übernommen, er wird Berrafato als Cotrainer assistieren.
Offizieller Trainingsbeginn für den Landesligazwölften ist am 18. Januar. Dann kann sich Berrafato über die Rückkehr einiger Spieler freuen, die lange verletzt ausgefallen waren. „Der Kader hat beispielsweise mit Fabian Herchenhan und Fabrizio Moncada (beide früher Arminia) viel Qualität im Kader“, weiß der 39-Jährige. Die Vergangenheit interessiere ihn nicht, es gelte „den gleich Weg wie Kandel zu gehen“. Dieser Verein hatte nach dem Abstieg aus der Verbandsliga umgehend den Wiederaufstieg geschafft. Da will die TSG Pfeddersheim mittelfristig wieder hin.
Und wie will der Oggersheimer das bewältigen? „Als Trainer gehe ich über die Beziehungsebene, versuche in den Kopf der Spieler zu kommen. Man muss die neue Generation verstehen. Es gilt, die erfahrenen Spieler zu unterstützen und die anderen mit der eigenen Erfahrung anzuleiten“, beschreibt er sein Vorgehen. Er habe hohe Ansprüche. „Ich erwarte viel, und auch die Spieler sollten hohe Ansprüche haben“, so Berrafato. Am Ende zähle nur, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es wird sich zeigen, ob das Beenden des „Sabbatjahres“ ein solche gewesen ist.