Ludwigshafen
Kultgaststätte „Maffenbeier“ muss reagieren: Rauchverbot unter der Markise
Was ist denn da passiert? Stammgäste des Gasthauses „Maffenbeier“ im Hemshof stutzen dieser Tage über einen kleinen, aber unübersehbaren Aushang am Eingang der beliebten Kultkneipe. Auf dem Papier ist in großen Lettern zu lesen: „Bitte nicht rauchen. Nach mehreren Beschwerden von Gästen ist das Rauchen unter der Markise vom Ordnungsamt Ludwigshafen ab sofort verboten worden. Wir bitten um euer Verständnis.“
In dem urigen Lokal, das zu den ältesten Gasthäusern der Stadt zählt, wird natürlich schon lange nicht mehr geraucht. Denn seit September 2007 gilt bundesweit ein Rauchverbot in Gaststätten zum Schutz von Nichtrauchern. Und auch in Bier-, Wein- und Festzelten gilt ein absolutes Rauchverbot. Genau da liegt nun der Knackpunkt für eine eigenwillige Konstruktion, die sozusagen den Eingangsbereich des Lokals als Übergang zum Biergarten darstellt: Unter einer Markise befinden sich hier zwei Reihen Bierbänke, die dank leistungsstarker Heizstrahler und mobiler Seitenwände auch in der kühlen Jahreszeit gut und gerne genutzt werden. Bisher auch von Rauchern.
Gaststätten sind rauchfrei
Aber damit ist jetzt Schluss: Ab sofort gilt auch in diesem Teil der Kultkneipe ein Rauchverbot. Ein Sprecher der Stadtverwaltung erläutert dazu auf Anfrage: „In Gaststätten besteht grundsätzlich ein Rauchverbot, geregelt durch das Nichtraucherschutzgesetz des Landes Rheinland-Pfalz.“ Darin steht geschrieben, dass Gaststätten rauchfrei sind. In kleinen, sogenannten Einraumkneipen, die unter 75 Quadratmeter Fläche haben, keine Speisen zubereiten und in dem kein Personal unter 18 Jahren zum Einsatz kommt, könne das Rauchen erlaubt werden. Auch könnten abgetrennte Nebenräume zu Raucherbereichen erklärt werden. Beim „Maffenbeier“ sei es jedoch notwendig, dass Gäste durch das Zelt – in welchem geraucht wird – hindurchgehen müssen, um in die eigentliche Gaststätte zu gelangen. „Dadurch kann dem Nichtraucherschutz nicht Rechnung getragen werden“, begründet der Stadtsprecher.
Thomas Schulte-Hobein ist zwar traurig, dass er und sein Team nun ein Rauchverbot auch für das Zelt aussprechen müssen. Aber der Wirt kann die Entscheidung der Ordnungsbehörde nachvollziehen. „Wir haben hier über viele Jahre eine Grauzone betrieben“, räumt er ein. Im Sommer zähle der Bereich unter der Markise zwar eher zum Biergarten, und dort dürfe auch geraucht werden. Aber im Winter handele es sich ganz klar um einen geschlossenen Raum. Nach seiner Einschätzung hat das Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern unter der Markise lange gut funktioniert. Es habe nur sehr vereinzelte Klagen gegeben.
Gasthaus mit langer Tradition
Aber das spielt nun keine Rolle mehr. Auch im „Maffe“ müssen nun alle, die sich nach dem Essen oder beim Trinken eine Zigarette anzünden wollen, raus an die frische Luft. Das Bedauern darüber ist bei vielen Stammgästen – Rauchern und Nichtrauchern – groß.
Die Gaststätte „Maffenbeier“ bietet seit über 130 Jahren vor allem deftige Pfälzer Kost, regionales Bier und Weine aus der Pfalz an. Bis Anfang der 1990er-Jahre war das Gasthaus, das bis 1905 „Zur Jägerlust“ hieß, immer in der Hand der Familie Maffenbeier. Seit 1992 führt Thomas Schulte-Hobein die Wirtschaft. In den Gastraum passen nach seinen Angaben etwa 70 Gäste. Doch vor allem der idyllische Biergarten mit seinen rund 200 Plätzen macht das „Maffe“ besonders. Die hölzernen Sitzbänke und Biertische schaffen eine gemütliche und gesellige Atmosphäre, die einen Kontrast zur Hektik in der Industriestadt darstellen.
Familiäre Atmosphäre
Im Sommer wird der Biergarten sehr gut besucht, das Zusammenrücken auf den Bänken führt häufig zu netten Gesprächen unter Fremden. Diese familiäre Atmosphäre findet sich auch innerhalb des „Maffe“-Teams wieder. Einige Mitarbeiter arbeiten dort schon seit vielen Jahren. Die Besucher sind sehr vielfältig, alt und jung: Studenten, Geschäftsleute, aber auch alteingesessene Ludwigshafener kommen gerne hierher und genießen die kleine Oase in der Stadtmitte.
Ein paar Gäste konnten all das nicht genießen, weil ihnen der blaue Dunst unter der Markise offenbar sehr gestunken hat. Sehr schade.