Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kultgaststätte „Contra’N“ steht zum Verkauf

Außen grüßen Karikaturen von Otto Dix, drinnen geht oftmals der Punk ab. Die Club-Kneipe Contra'N im Jungbusch sucht einen neuen
Außen grüßen Karikaturen von Otto Dix, drinnen geht oftmals der Punk ab. Die Club-Kneipe Contra'N im Jungbusch sucht einen neuen Betreiber.

Sie bezeichnet sich selbst als die „Hammer Club-Kneipe am Arsch der Welt“ – nun jedoch steht die seit 1989 bestehende Kult-Gaststätte im Jungbusch zum Verkauf: Das Contra’N in der Werftstraße wird bei Kleinanzeigen angeboten. Aus gesundheitlichen Gründen wollen die Eigentümer Beo und Claudia Buder nach 35 Jahren aufhören, bis zur Übergabe aber ihren geliebten Laden weiter betreiben.

„Es ist offiziell. Nicht traurig sein, das kann sich noch ganz schön hinziehen und bis dahin halten wir die Stellung – ähhm das Contra. Versprochen“, verkündeten die Betreiber bereits im Juli auf ihrer Facebook-Pinnwand. Darunter ein Link, der zu Kleinanzeigen.de führt. Dort wird für das ganze Interieur der Kultkneipe eine Ablöse von 65.000 Euro gefordert. Die Ausstattung reicht von der Thekenkühlung, Kühlhaus, Eiswürfel – und Gläserspülmaschinen über Musikboxen, PC-Jukebox und Tischkicker bis hin zu einem Nintendo 64 samt Mario Kart. Und offenbart, welcher Geist in der außergewöhnlichen Club-Kneipe schlummert.

Haustiere erlaubt

Es gibt gemütliche Sofa-Ecken, Dart, unterhaltsame Getränkespiele wie „Bierradeln“, ein Bandmassagegerät und für besonders und auch gar nicht so figurbetonte Besucher eine Körperwaage. Das Bier wird noch selbst gebraut und Humor großgeschrieben. Wie auch das „N“, das für Normal, also für Contra Normal steht. „Normal ist hier nichts, weder die Getränkepreise noch das Publikum und schon gar nicht das Ambiente“, heißt es auf der Website. Legendär ist der „tierfreundliche Seelenwärmer“ für gerade einmal 1,50 Euro. Bei jedem Shot gehen dabei 50 Cent an die Soko Tierschutz. Natürlich sind auch Haustiere in der urigen, in rotes Licht getauchten Club-Kneipe erlaubt.

Ganz bewusst am 2. Juni 1989 wurde die wie ein sehr alternatives Haus der Jugend wirkende, insgesamt über 240 Quadratmeter große Einrichtung samt Biergarten eröffnet, um an den Todestag des 1967 bei einer Demo gegen den Schah von Persien erschossenen Berliner Studenten Benno Ohnesorg zu erinnern. Es gibt Jam-Sessions, Konzerte und Comedy-Abende, an der übergroßen PC-Jukebox können die Gäste ihre Wunschsongs selbst abspielen, statt sie einem DJ zuzuflüstern. Die Wurzeln aus der Achtzigerjahre Punk-Szene sind in der Kultstätte bis heute sicht- und spürbar.

Nur, am sprichwörtlichen „A“ der Welt befindet sich das Contra’N schon längst nicht mehr. Galt der Jungbusch als einstiges Hafen- und Rotlichtviertel früher noch als verrufen, hat sich der Busch längst zum hippen Ausgehviertel entwickelt. Als multikulturelles, kreatives Studentenviertel wird es gefeiert, was aber auch eine Gentrifizierung zur Folge hat. „Das Ganze mutiert zum Hipster-Spekulationsobjekt, geht aber auch vorbei“, schreiben die Contra’N-Betreiber augenzwinkernd.

Jubiläum in 15 Jahren soll stattfinden

Nun aber geben sie ihr Lebenswerk aus den Händen. Für ein persönliches Gespräch mit dieser Zeitung stehen sie „aus zeitlichen Gründen“ derzeit nicht zur Verfügung. Schon im vergangenen Jahr aber betonten sie auf ihrer Seite, dass sie eine Übergabe planen, sich verstärkt dem Brennen hauseigener Schnäpse widmen und altersbedingt kürzertreten wollen.

Nur ein Datum schwebt noch im Raum, das für den künftigen Betreiber wie ein Versprechen und Pflicht zugleich klingt, um den Charme und Spirit zu bewahren: Am 2. Juni 2039 soll „50 Jahre Contra’N“ gefeiert werden. Mit Getränken und Preisen wie im Jahr 1989 und einem fairen Umrechnungskurs (1 Euro = 2 DM). Stolze 274 Anmeldungen gibt es bereits, nun muss nur noch ein würdiger Nachfolger gefunden werden.

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