Ludwigshafen Konkurrenzkämpfe auf dem Buchmarkt und in der Liebe

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Der erst Ende August erschienene neue Roman von Bernhard Schlink ist gleich in der ersten Woche auf den ersten Platz der „Focus“-Bestsellerliste Belletristik geschossen. In Ludwigshafen taucht „Die Frau auf der Treppe“ vorerst nur auf der Bestseller-Liste einer einzigen Buchhandlung auf. Dass allerdings die anderen noch nachziehen werden, daran besteht kaum ein Zweifel.

Im August hat sich aus einer Protestwelle gegen den Online-Händler Amazon ein Kaventsmann entwickelt. Erst waren es hundert Schriftsteller, die ihren Unmut gegen den Druck, den der amerikanische Konzern ausübt, in einem offenen Brief zum Ausdruck gebracht haben. Unter den ersten Unterzeichnern waren die Krimiautorinnen Ingrid Noll und Nele Neuhaus, aber auch „Tatort“-Drehbuchautor Fred Breinersdorf. Am Ende waren es über 1600 Schriftsteller, die gegen die Methoden Amazons, der sich offenbar mit allen Mitteln eine marktbeherrschende Stellung verschaffen will, protestiert haben. Unter den unlauteren Methoden führt der offene Brief Manipulationen von Empfehlungslisten, die verzögerte Auslieferung von Büchern und den Boykott einzelner Schriftsteller, wenn sich Verlag oder Autor gegen die Machenschaften wehren, an. Die Schriftstellerin Juli Zeh forderte die Verlage auf, sich gegen Amazon zusammenzuschließen. Zuvor hatten schon 900 Autoren in den USA, unter ihnen Stephen King, John Grisham und der in Europa kaum bekannte amerikanische Bestseller-Milliardär James Patterson, ihre Stimme gegen Amazon erhoben. Der Protest in Deutschland findet die ausdrückliche Unterstützung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. „Marktmacht und die Herrschaft über zentrale Vertriebswege dürfen nicht dazu führen, dass unsere kulturelle Vielfalt gefährdet wird“, sagte sie. Um ein Zeichen zu setzen, hat die CDU-Politikerin ein Preisgeld von insgesamt einer Million Euro ausgesetzt, das an unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen ausgezahlt werden soll. Die Preise sollen erstmals im nächsten Jahr vergeben werden. 7000 bis 10.000 Euro seien für eine kleine Buchhandlung schon viel Geld, sagte Grütters. Der Preis sei aber auch dazu bestimmt, um die Verbraucher zu sensibilisieren, dass sie durch ihr Kaufverhalten die Vielfalt des stationären Buchhandels in der Fläche erhalten. Die Ministerin glaubt übrigens, dass das deutsche Kartellrecht auf den globalisierten digitalen Markt nicht eingestellt ist und eine Novellierung geprüft werden muss. Auch in Ludwigshafen sind die kleinen Buchhändler auf den großen Online-Konkurrenten verständlicherweise nicht gut zu sprechen. Steffen Kissling von der Buchhandlung Dr. Kohl äußert sich noch am zurückhaltendsten. „Ob der typische Amazon-Kunde auch unser Kunde ist, weiß ich nicht“, sagt er. „Dass der Online-Händler uns Kunden wegschnappt, nehme ich aber schon an.“ Antje Geis von der Leseecke Oppau hat jedoch in jüngster Zeit beobachtet, dass Kunden zu ihr zurückkehren. Ursula Malchau vom Buchladen Gartenstadt hält es nicht für rechtens, dass der kleine Buchhändler für die Zustellung durch die Post zahlen muss, während dem Internet-Riesen Amazon Sonderkonditionen eingeräumt werden. Und mit den schärfsten Worten beschwert sich Joachim Schwender von Pro Buch. Er beklagt nicht nur nachlassende Umsätze, seitdem es Amazon gibt. Er hält auch dessen „Knebelverträge“ mit der Post für anstößig. „Wenn die Post nicht innerhalb allerkürzester Frist ausliefert, drohen ihr bei Beanstandungen Konventionalstrafen in dreistelliger Höhe. Bei uns kann eine Lieferung schon mal ’ne Woche dauern“,weiß er. Zum Einkaufsverhalten hat der Börsenverein des deutschen Buchhandels im August eine Untersuchung veröffentlicht. Danach werden Frauen von Büchern eher angezogen als Männer. 46 Prozent der Frauen und nur 30 Prozent der Männer greifen täglich oder mehrmals in der Woche zu einem Buch. Auch gibt es einen Zusammenhang zwischen Buchkauf und Wohnsitz und Einkommen. Mit wachsendem Einkommen steigt auch die Zahl der Buchkäufe. Die Westdeutschen kaufen mehr Bücher als die Ostdeutschen, und in Ballungsräumen wie Frankfurt, München, Köln und Hamburg geben die Einwohner mehr Geld für Bücher aus als auf dem Land. Die eifrigsten Buchkäufer leben nach der Untersuchung übrigens in Bad Soden am Taunus. Hier hat jeder Einwohner im vergangenen Jahr durchschnittlich 158 Euro für Bücher ausgegeben. In Ludwigshafen ist auf den Bestsellerlisten der Buchhandlungen im August nur schwerlich ein eindeutiger Spitzenreiter auszumachen. John Greens „Schicksal“ und auch das populärmedizinische Sachbuch der Mannheimerin Giulia Enders „Darm mit Charme“ befinden sich im Sinkflug. Die Stellung eines unangefochtenen Spitzenreiters könnte aber schon bald Bernhard Schlink einnehmen, seit seinem Roman „Der Vorleser“, dessen Verfilmung und Erfolg auch in den USA ein ständiger Bestseller-Aspirant. Vorerst hat der soeben erst erschienene Neuling „Die Frau auf der Treppe“ sich jedoch nur bei Dr. Kohl bemerkbar gemacht, wo die erste Lieferung allerdings sofort ausverkauft war. Doch Thalia im Rathauscenter hat den Roman des Verfassungsrichters im Ruhestand als Buchempfehlung des Monats August ausgewählt. Bernhard Schlink hat sich von einem Aktbild Gerhard Richters zu seiner Geschichte inspirieren lassen. In Dialogen und Rückblenden erzählt er, wie drei Männer um eine Frau werben und am Ende alle vom Leben gedemütigt zurückbleiben.

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