Ludwigshafen Keine Macht den Drogen
„Hey, da ist mein früherer Kindergarten.“ „Da vorne bin ich zur Schule gegangen.“ Die Neuntklässler der Anne-Frank-Realschule plus entdecken am Mittwochmorgen einiges aus ihrer Vergangenheit. Die Räumlichkeiten der Diakonie oder der Drogenhilfe, die ebenfalls im Hemshof ihren Sitz haben, waren ihnen jedoch noch kein Begriff. Bei einer digitalen Schnitzeljagd lernen sie diese kennen.
Stephanie Damboer, Sozialarbeiterin bei der Drogenhilfe der Stadt Ludwigshafen, begleitet die Jugendlichen bei der Rallye, die über die App „Actionbound“ läuft. Allerlei Fragen rund um den Themenkomplex Sucht und Suchtgefahren gilt es auf der rund zwei Kilometer langen Tour quer durch den Hemshof zu beantworten. „Selbstbestimmt statt abhängig“ – unter dieses Motto haben die Verantwortlichen der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks sowie der Drogenhilfe und der Straßensozialarbeit der Stadt Ludwigshafen die digitale „Schnitzeljagd“ gestellt.
Fragen auf Smartphone beantworten
„Es geht in allererster Linie darum, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen“, betont Stefanie Fischer von der Fachstelle Prävention der Diakonie, ehe sie eine sechsköpfige Kleingruppe mit Sozialarbeiterin Damboer auf die Strecke schickt. Die erste Frage ploppt auf dem Smartphone auf: „Welche Nebenwirkungen hat Alkohol?“ Fleißig zählen die Schüler auf: „Leberschäden, Erinnerungslücken, Schaden für das ungeborene Kind in der Schwangerschaft, erhöhtes Unfallrisiko, Schlafstörungen, Fehlentscheidungen von Risiken, Krebsrisiko.“ Für jede Antwort gibt es Punkte, und die Jugendlichen staunen tatsächlich ob der zahlreichen Gefahren, die der Alkoholkonsum mit sich bringt. Wie sich das Suchtrisiko reduzieren lässt, auch darüber diskutieren die Neuntklässler unterwegs eifrig.
Dass „Halt“ nicht etwa „Hausmeister lutschen Tabletten“ heißt, sondern eine Abkürzung für „Hart am Limit“ ist und es sich dabei um ein bundesweites Alkoholpräventionsprogramm für Kinder und Jugendliche handelt, auch das lernen die Schüler. Spielerisch, aber dennoch mit dem nötigen Ernst führt Damboer durch den Stadtteil. Und dabei werden nicht nur Fragen zum Thema Sucht beantwortet, sondern die Teilnehmer erfahren ganz nebenbei noch etwas über die Suppenküche und zählen die Kirchenfenster an der Apostelkirche. Dass es neben dem Alkohol noch ganz andere Abhängigkeiten gibt, darüber informiert die App. Beispiel: Soziale Medien. Wer kennt es nicht, der letzte Blick am Abend und der erste am Morgen gehen wohin? Genau. Aufs Handy. Auch Dilan und ihre Schulkameraden bestätigen das. Das Smartphone liege immer griffbereit auf dem Nachttisch oder direkt im Bett, berichten die sechs Neuntklässler.
Auch Zigaretten gefährlich
Die Zigarette, als gefährliches und häufig unterschätztes Suchtmittel, dessen Inhaltsstoff Nikotin unter anderem krebserregend ist und zu Durchblutungsstörungen führt, aber auch der Konsum von Substanzen, wie beispielsweise Cannabis, werden thematisiert. „Alle, die irgendwann beim Kiffen erwischt werden, müssen zu mir“, sagt Damboer augenzwinkernd. Allerdings meint sie das voller Ernst, denn häufig sind Gesprächstermine bei der Drogenhilfe eine gerichtliche Auflage.
Die Drogenhilfe der Stadt ist in der Goethestraße 12 zu Hause. Sozialarbeiterin Ute Hannemann und Abteilungsleiterin Marion Blickhäuser warten dort schon auf die wissbegierigen Jugendlichen, die mit einem ganzen Fragenkatalog die Expertinnen bombardieren. Ob die Schüler schon mal selbst mit Suchtmitteln in Kontakt gekommen sind, das verraten sie nicht. Auf alle Fälle wissen sie nun, an wen sie sich künftig wenden können, sollten sie irgendwann damit einmal Probleme haben.
Schon im Kindergarten ansetzen
Die Präventionsarbeit, sagt Damboer, fange viel früher an – nicht erst in der neunten Klasse. „An sich schon fast im Kindergartenalter“, erklärt sie. Die Stärkung der Widerstandsfähigkeit, des Selbstbewusstseins und der Selbstwirksamkeit seien ein erster Schritt, um überhaupt nicht erst einer Sucht zu verfallen, unterstreicht die Sozialarbeiterin.
Kontakt
Schulen und Einrichtungen, die in der nächsten Zeit den Actionsbound „Selbstbestimmt statt abhängig“ absolvieren möchten, können sich an Stefanie Fischer im Haus der Diakonie in Ludwigshafen wenden: stefanie.fischer@diakonie-pfalz.de oder telefonisch unter 0621/5204454.