Ludwigshafen Jauchzen vor Zufriedenheit

Hartnäckig hat die betagte Anzeigetafel links hinter dem Tor am Samstagnachmittag auf einer Borussia-Führung beharrt: „Heim 1 – Gäste 0“ stand da. Vor dem Anpfiff schon, wohl heute noch. Schlecht ignorieren aber lässt sich die Niederlage des Oberligisten, der gegen Arminia Ludwigshafen mit 1:3 (0:1) verlor.
. Es war ein wichtiger Erfolg für die Arminia – und für deren Haussegen, denn in Rheingönheim war ja bis zu diesem Spieltag nicht gerade vor Zufriedenheit gejauchzt worden. „Ich weiß gar nicht, wo ich die Kraft her hatte“, wunderte sich Tim Amberger. Vier Borussen hatte er wie Slalomstangen stehen lassen, die Aktion mit einem Schuss abgeschlossen, der über die Latte strich. Und kurz darauf wieder solch ein Solo, es folgte ein Seitenwechsel, der Marcel Bormeth auf links in Position brachte. Wieder ging es ab Richtung Borussia-Kasten. Jene Szenen waren symptomatisch für den Arminen-Auftritt: Der war phasenweise richtig klasse (die RHEINPFALZ am Sonntag berichtete). Nix zu spüren von Selbstzweifeln: Engagiert und couragiert ging das Team von Trainer Thomas Fichtner die Aufgabe an. „Wir haben Kampfgeist bewiesen, Laufbereitschaft gezeigt. Wir wollten uns mal ganz anders präsentieren als zuletzt“, meinte Kapitän Pietro Berrafato. Der Innenverteidiger selbst hatte mit Köpfchen die Führung markiert und so die Weichen auf Sieg gestellt. Weiche zwei legte Bormeth um, herrlich seine Direktabnahme zum 2:0. An altehrwürdiger Bundesliga-Spielstätte von einst zündete der 18-Jährige einige Glanzlichter: Kapitän Berrafato lobte: „Wenn er noch konstanter wird, werden wir nicht mehr lange Freude an ihm haben.“ Will heißen: Dann ist er weg, kickt höherklassig. Bormeth verschwendet daran (noch) keinen Gedanken: „Wir haben im Training Gas geben“, so der Offensivmann, der Marc-David Thaus Schlusspunkt vorbereitete, rotzfrech den Gegner tunnelte und Sebastian Luber bediente. Luber schickte Thau, der sogar Muße hatte, sich ungläubig umzuschauen, so ungestört durfte er aufs Borussen-Tor zusteuern. „Ja, wir haben ernster trainiert und wollten mehr bringen als zuletzt“, stimmte Jan-Michael Drese zu. Ihm – wie der gesamten Mannschaft – ist offenbar bewusst, dass die Arminen zuletzt doch einiges hatten vermissen lassen. Daniel Paulus hatte die Niederlage die Laune verhagelt. „Ich will ja nicht wieder davon anfangen ...“, sagte der Borussen-Coach – und tat es damit doch: Personelle Nöte, neue Abwehr-Formation, Doppelsechs. Thomas Fichtner konnte da nur müde lächeln. „Was soll ich da sagen“, seufzte Arminias Trainer – aber aus Höflichkeit nicht gleich bei der Pressekonferenz, sondern später am Bus. Noch an Paulus’ Seite hatte Fichtner Streicheleinheiten verteilt. Etwa an Peter Klug, den er zuletzt an der Ehre gepackt hatte. Keeper Klug hielt prima und hatte Anteil daran, dass wenigstens das „Heim - 1“ auf der Uralt-Anzeigetafel stimmte.