Ludwigshafen Internationales Theater
Nord/ Ruchheim. Chaos in der Irrenanstalt: Die Theatergruppe im Internationalen Mitarbeiterclub (IMC) der BASF feiert mit „Neurosige Zeiten“ ihr 40. Bühnenjubiläum. Männer und Frauen aus unterschiedlichen Nationen studieren seit vier Jahrzehnten in wechselnder Besetzung Stücke ein.
In einem Regal steht ein Totenkopf, im anderen Glaskaraffen und Bücher, rundherum Bühnenteile, Stühle und Sessel. Im vergangenen Sommer haben die Mitglieder des IMC Theaters ihren neuen Proberaum bezogen. Der alte wurde abgerissen. Das Bühnenbild für das neue Stück steht in einer Ecke des Raumes. Schnell ziehen sich die Schauspieler zur Probe um. In der Regel treffen sich die Mitglieder zweimal pro Woche für vier Stunden nach der Arbeit. Seit Ende Januar studieren sie die Komödie „Neurosige Zeiten“ von Winnie Abel ein. Vor 40 Jahren, im Frühjahr 1976, feierte die erste Inszenierung des IMC Theaters ihre Premiere. Seitdem hat die Gruppe in wechselnder Besetzung 64 Stücke aufgeführt. Armenierin Sona Baklacioglu-Eberle hat die Gruppe vor 41 Jahren ins Leben gerufen und ist heute noch dabei. „Der Internationale Mitarbeiterclub wurde gegründet, um ausländische Mitarbeiter zu integrieren“, sagt Schauspielerin Barbara Lenz. In der Vergangenheit habe es Konversations-, Koch- und auch Wandergruppen gegeben. „Die einzige Gruppe, die heute noch im IMC aktiv ist, ist die Theatergruppe.“ Heute noch kommen die Mitglieder aus unterschiedlichen Nationen. „Diesmal sind es aber vermehrt Deutsche“, sagt Anna Sawatzky, die aus Kasachstan stammt. „Wir hatten schon Franzosen, Spanier, Italiener und unserer ehemaliger Regisseur kommt aus Schottland.“ Der jeweilige Akzent, den die Schauspieler mitbringen, mache auch den Charme der Stücke aus. Für das 65. Stück stehen elf Schauspieler auf der Bühne. „Das ist schon viel. Bei ,Love-Jogging‘ waren es nur fünf“, sagt Anna Sawatzky. Das Bühnenbild wird gemeinsam gebaut, die restlichen Aufgaben werden je nach Stück, Besetzung und Gruppengröße verteilt. Joachim Seega führt zum ersten Mal bei der „großen Aufführung“, wie die Mitglieder sie nennen, Regie. Seit 1988 ist er in der Theatergruppe, anfangs als Bühnenbauer und Schauspieler, dann ab 1991 als Regisseur der Märchenstücke, die die Gruppe in der Vorweihnachtszeit aufführt. Am Samstag vor Totensonntag wird Premiere sein, gespielt wird bis zum zweiten Advent. „Die Textbücher zu den Märchen schreiben wir in der Regel nach bekannten Vorlagen selbst um“, erzählt Joachim Seega. Die Erlöse der Märchen-Aufführungen in Limburgerhof und Ruchheim sind zum größten Teil für den guten Zweck. Die Gruppe decke bei diesen Auftritten nur die eigenen Kosten. Im Januar haben sich die Schauspieler zum ersten Mal für diese Aufführung getroffen und Stücke ausgesucht und gelesen. Von Komödie bis Krimi war in den vergangenen Jahrzehnten alles dabei. „Wir haben zweimal Gedichte von Erich Kästner rezitiert“, erinnert sich Barbara Lenz. „Das war mal was anderes und ist richtig gut gelaufen.“ Wichtig ist den Mitgliedern auch, kein Stück aufzuführen, dass aktuell ein anderer Verein auf die Bühne bringt. In diesem Jahr mussten sie genau deshalb ihre erste Stückwahl doch wieder in die Schublade legen. (cju)