Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Instrumente aus Kaffeesatz: Gitarrenmesse „Guitar Summit“ am Wochenende im Rosengarten

Richters „Elektra“ ist die erste Gitarre, die aus recyceltem Materialien wie Bambusstäbchen und alten Jeans besteht.
Richters »Elektra« ist die erste Gitarre, die aus recyceltem Materialien wie Bambusstäbchen und alten Jeans besteht.

Stars wie Michael Jackson oder Phil Collins, junge Bands wie „Berge“ und „Kontra K“, Sido und Johannes Oerding haben sich des Themas Umweltschutz musikalisch angenommen. So weit, so profitabel. Aber was tut eigentlich das Musikbusiness am Wochenende beim „Guitar Summit“ im Mannheimer Rosengarten für die Nachhaltigkeit? Leider recht wenig. Dabei gibt es durchaus bereits Alternativen.

Am meisten Ressourcen werden geschont, wenn der Musikant einfach nichts Neues anschafft. Klingt natürlich unsinnig und ist es auch. Aber es gibt Wege, sich auf Sparflamme musikalisch weiter zu entwickeln. Beim Gitarrenbauer Stefan Richter aus Schwetzingen beispielsweise hat das Umdenken längst begonnen. „Aus Liebe zur Musik, unserer Umwelt und absoluter Überzeugung bauen wir Instrumente aus recycelten und regionalen Materialien“, sagt der Firmenchef gegenüber der RHEINPFALZ. Hand in Hand mit den Unternehmen BASF, Ecobrain und Chopvalue hat er „Elektra“ gebaut, die weltweit erste Gitarre aus recyceltem Kaffeesatz. Ebenfalls im Einsatz: wiederverwertbare Ess-Stäbchen aus Bambus sowie Jeansstoff. Optisches Schmankerl: Die Griffbrettmarkierungen sind echte Kaffeebohnen.

Und woher stammen die Zutaten für die Kreation? Das Grundelement Kaffeesatz ist bereits industriell aufgebrüht und danach getrocknet worden. Die gereinigten Stäbchen stammen aus speziellen Sammelbehältern in Chinarestaurants. Geschredderte Jeans aus den Sortieranlagen der Gebrauchtwarenindustrie vervollständigen die ungewohnte Komposition. Die Bestandteile werden mit Hitze und Druck ohne chemische Hilfsmittel zum Klangkörper gepresst. Man könnte also Richters Gitarren, sogar wenn sie irreparabel wären, erneut zu Rohmaterial für das nächste Instrument verarbeiten.

Gitarrensaiten aus pflanzlichem Material

Selbst Gitarrensaiten sind Verschleißteile, die umweltschonend schwingen können. Normalerweise rosten sie irgendwann aufgrund der Feuchtigkeit der Finger und verlieren ihren Klang durch mechanische Einflüsse. Saitenpflege mit einem speziellen Öl oder die Reinigung mit einem weichen Tuch unterstützen ein längeres Saitenleben. Beschichtete Stahlsaiten, beispielsweise der Firma D’Addario oder Elixir halten übrigens länger als unbeschichtete Varianten. Für den klassischen Öko-Gitarristen vertreibt die Firma Ortega die Marke „Atmosphere green“. Sie ersetzt die herkömmlich auf Mineralölbasis gefertigten Diskantsaiten durch 100 Prozent pflanzliches Material. Auch im Zubehörbereich gibt es nachhaltige Schätzchen. Bei Etsy beispielsweise fertigt man Gitarrengurte aus ausrangierten Auto-Sitzgurten. Nachhaltigkeit und Musikbusiness müssen also keine Dissonanzen erzeugen.

Picks aus Holz, Filz, Stein oder Kokosnuss

Auch Plektren oder Picks, mit denen bestimmte Spieltechniken bei Gitarren möglich sind, können nachhaltig produziert werden. Es sind meist sehr kleine Plastikteile mit einem großen Nachteil: Sie verschwinden wie durch Zauberhand. Und das ziemlich oft. Jeder Gitarrist kann das bestätigen. Manche Hersteller lösen das Umweltproblem mit Plektren aus Altmaterial. Auf dem kommenden Gipfeltreffen der Gitarrengilde werden Picks aus Holz, Filz, Stein oder Kokosnuss angeboten. Aber genauer umschauen muss man sich schon, denn kaum eine Handvoll der über 400 Aussteller der deutschlandweit größten Gitarrenmesse stimmt bislang in das Nachhaltigskeitskonzert ein.

Termin

Die Gitarrenmesse „Guitar Summit“ findet von Freitag, 22., bis Sonntag, 24. September, im Rosengarten Mannheim statt. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.guitarsummit.de

Gitarrenbauer Stefan Richter.
Gitarrenbauer Stefan Richter.
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