Ludwigshafen In wunderbaren Regionen

Die drei großen „B“ standen auf dem Programm bei der jüngsten Konzert-Matinee der Pfälzischen Musikgesellschaft im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen: Die junge koreanische Pianistin Chanyang Kim spielte Werke von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms.
Bei Robert Benz an der Mannheimer Musikhochschule studiert die koreanische Pianistin, die sich derzeit auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet. Mit Bachs Präludium und Fuge Cis Dur begann sie, musizierte pointiert und klar in der Kontrapunktik, formte die Linien zudem mit schönster Gesanglichkeit. Das Klavier singen zu lassen, das ist eine Notwendigkeit besonders in den späten Beethoven-Sonaten. Chanyang Kim versteht sich auf diese Kunst, wie sie in der E-Dur-Sonate op. 109 hören ließ. Im feingliedrig und zart musizierten Kopfsatz ebenso wie im scherzohaften „Prestissimo“, dem zweiten Satz, den sie zwischen Verinnerlichung und großem Schwung wechseln ließ. „Gesangvoll, mit innigster Empfindung“ ist der Finalsatz überschrieben, und diese Vorgabe setzte sie trefflich um in ruhigem, in sich gekehrtem Spiel. Wie ein stilles Glasperlenspiel tönte dies, spielerisch intim in den heiteren Figuren. In seinen späten Jahren hat Beethoven viel mit barocken Formen experimentiert, mit Arien und Fugen, und beides ließ er auch hier ins Finale der E-Dur-Sonate einfließen. Chanyang Kim gab diesen Momenten große Innigkeit. Und den kühnen Formen, visionären Intensivierungen und Beschleunigungen, die in dem großen Finale noch folgen sollten, verlieh sie reiche Spannkraft. Die dritte Klaviersonate f-Moll von Brahms gab es nach der Pause. Während seines ersten Besuchs bei dem Musikerpaar Schumann stellte der 20-jährige Brahms auch seine dritte Sonate vor. „Am Klavier sitzend fing er an, wunderbare Regionen zu enthüllen. Wir wurden in immer zauberischere Kreise hineingezogen“, schrieb Robert Schumann, und Clara ergänzte: „Das ist wieder einmal einer, der kommt wie eigens von Gott gesandt!“ Die Sonate nannte Schumann „mehr verschleierte Sinfonie“, während Clara die „schöne Hand“ von Brahms bewunderte, „die mit der größten Leichtigkeit die größten Schwierigkeiten besiegt, und dazu nun diese merkwürdigen Kompositionen!“ Seit Schuberts späten Sonaten hatte es keine ähnlich monumentalen Klaviersonaten mehr gegeben wie die Sonaten von Brahms. Ernst und Tiefe gab Chanyang Kim dem fünfsätzigen Werk von Anfang an, kontrastierte die kräftigen Akkordschichtungen mit inniger Lyrik. Große Poesie entfaltete die Pianistin im langsamen Satz mit delikat abgetönter Gesanglichkeit. Stille Sehnsucht brachte sie dabei zum Klingen, und mit den feinen Arabesken kam auch wieder das Glasperlenspiel zum zarten Tönen. Herzhaft und klangsatt brachte die Pianistin die rustikalen Rhythmen im Scherzo zum Tanzen. Ein stiller Einhalt war das Intermezzo vor dem Finale. Sehr souverän gestaltete die Koreanerin die anspruchsvolle pianistische Technik mit ihren virtuosen Anstürmen.