Ludwigshafen „In Kiel schafft es nicht jeder Spieler“

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Herr Storm, wie bewältigt man denn so den Alltag als Familienoberhaupt einer nahezu 40-köpfigen Familie?Thorsten Storm:

Man braucht ein gutes Team, nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Umfeld. Alleine schafft man das sicher nicht. Es gibt jeden Tag neue Herausforderungen. Vieles davon ist nicht immer planbar. Sie sagten bei Ihrem Amtsantritt in Kiel, Sie wollen den familiären Charakter im Handball, im Verein wahren, der durch die zunehmende Professionalisierung leidet. Tradition ist gerade im Sport ein Riesenthema. Ich glaube, dass alle Menschen Tradition und Rituale schätzen und leben. Der THW Kiel ist eine große Familie. Das weiß ich aus meiner eigenen Zeit und Vergangenheit in den 90er Jahren hier all zu gut. Aber ein Branchenführer seines Sports wie der THW Kiel hat gegenüber der Sportart Handball auch mehr Verpflichtungen als andere Vereine. Wir müssen den Sport neben dem Spielfeld weiterentwickeln. Die Spieler und das Spiel selbst sind den Verbänden und vielen Rahmenbedingungen weit voraus. Ist der THW eine schwer zu führende Familie? Jeder Verein hat seine Stärken und Schwächen. Der THW Kiel ist der größte Klub im deutschen Handball. Der Fußballvergleich mit dem FC Bayern kommt nicht von ungefähr. Es ist auch für mich eine sehr große Aufgabe und Verantwortung, der ich mich aber sehr gerne stelle. Sie sagten es, Kiel ist die Nummer eins der Branche und dadurch immer der Gejagte. Ausgerechnet Ihr Ex-Klub ist wieder der große Jäger. Birgt das eine gewisse Brisanz? Natürlich. Aber als ich damals von Kiel nach Flensburg gewechselt bin, war das nicht anders. Wir arbeiten alle im Profigeschäft und bringen uns zu 100 Prozent ein. Bislang habe ich sowohl in Flensburg als auch in Mannheim Jäger mit entwickelt. Nun ist es anders herum, aber trotzdem ist man natürlich auch stolz auf das, was in Mannheim entstanden ist. Es war eine anstrengende, lehrreiche, aber auch schöne Zeit für meine Familie und mich selbst. Der spannende Zweikampf an der Spitze ist gut für den deutschen Handball … Spannung ist immer gut. Im Moment ist es wie im vergangenen Jahr ein Duell der Löwen und des THW Kiel auf Augenhöhe. Beide Teams sind Kandidaten für den Meistertitel. Aber wir werden hier in Kiel natürlich alles dafür tun, dass wir wieder die Nase vorne haben werden. Aber schlecht für die Gegner … Wir haben in dieser Saison in Lemgo, Balingen und Flensburg verloren. Die Liga ist so ausgeglichen. Deswegen muss man in jedem Spiel konzentriert aufspielen, auch in Friesenheim am Sonntag. Keine andere Liga in Europa ist sportlich bis Platz 19 so stark. Wird Kiel künftig noch stärker, wenn Uwe Gensheimer das THW-Trikot trägt? Uwe hat sich zu einem der besten Spieler der Welt entwickelt und ist zudem das Aushängeschild der Löwen und in der Region längst mehr als ein super Linksaußen. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Er passt sehr gut nach Mannheim und ist dort wichtiger als für jeden anderen Klub. Aber auch für ihn gilt: Es ist Profisport und man hat nur eine Karriere als Sportler. Hat Kiel denn konkretes Interesse? Wir haben Interesse an den besten Spielern auf ihrer Position. Aber aktuell gibt es dazu keine Gespräche mit Uwe oder seinem Management. Unsere beiden Außen, Rune Dahmke und Dominik Klein, spielen zudem im Gespann bislang eine starke Saison. Das ist bei uns keine Baustelle. Herr Storm, Sie sind einer der besten, wenn nicht der beste Manager im deutschen Handball. Die vergangenen fünf Jahre gab es beim THW Kiel sechs Geschäftsführer. Das klingt nach Schleudersitz. Warum haben Sie auf so einem Stuhl Platz genommen? Ich habe nicht auf diesem Stuhl Platz genommen, sondern mir an meinem ersten Arbeitstag einen neuen Bürostuhl gekauft. Als die Verantwortlichen in Kiel mich kontaktiert haben, war ich zunächst überrascht. Aber nachdem wir über die Situation und die Aufgaben für die Zukunft gesprochen hatten, wusste ich, dass es für mich als nächsten beruflichen Schritt optimal passt. Und es ist zudem meine persönliche Heimat. Meine Familie lebt hier und das bedeutete keine Eingewöhnungszeit für alle Beteiligten. Außerdem haben Alfred Gislason und ich schon immer einmal zusammenarbeiten wollen. Jetzt ist es soweit. Am Anfang soll die Skepsis groß gewesen sein, als man hörte, Thorsten Storm wird Geschäftsführer in Kiel. Sie haben aber mit viel Feingefühl auf den Fantreffen die Anhänger von Ihrer Person überzeugt. Sind Sie vollkommen in Ihrer Heimat angekommen? Wie gesagt: Der THW Kiel ist eine große Familie mit viel Herz und Tradition. Fans und Anhänger sind gleichzeitig auch der größte Sponsor des THW. Viele Dauerkartenbesitzer, mit denen ich spreche, kommen seit 20 Jahren oder mehr zu den Heimspielen. Das gibt es nur hier. Ich bin auch nur ein Teil davon und trage die Verantwortung, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Der Norden ist meine Heimat, und die trägt man immer im Herzen. Haben alle Beteiligten mittlerweile den Kieler Instinkt verinnerlicht? Die neuen Spieler sind mittlerweile komplett angekommen. Ein Steffen Weinhold zum Beispiel spielt doch beim THW, als wenn er schon immer ein Zebra war. Aber das bedeutet jeden Tag erneut harte Arbeit und den absoluten Fokus auf die nächste Aufgabe. Wer das nicht verinnerlicht, ist den Anforderungen hier nicht gewachsen. Anforderungen, Herangehensweise oder Selbstverständnis sind hier bei diesem ganz besonderen Verein auch ganz besondere Merkmale. Das schafft nicht jeder Spieler. Am Sonntag nun geht es gegen die TSG Friesenheim. Bietigheim abgeschossen, Balingen abgeschossen, den Kieler Instinkt werden die TSG-Fans hautnah erleben, speziell im Zweikampf um den Titel, so es ja um jedes Tor offenbar ankommt. Wir sind wie immer der klare Favorit. Es ist immer so, wenn der THW auswärts antritt und es gegen die vermeintlich kleinen Klubs geht. Wir werden das Spiel in Friesenheim genauso konzentriert angehen, wie das Spiel danach. Wir wollen gewinnen. Die TSG sucht einen neuen Geschäftsführer. Werner Fischer hört auf. Der Verein tut sich bei der Suche schwer. Sie als Profi: Was muss ein Geschäftsführer heute alles mitbringen, um einen Handball-Bundesligisten professionell und erfolgreich zu führen? Er braucht ein gutes Mitarbeiterteam und ein Umfeld, das geschlossen hinter der Geschäftsführung steht. Nebenbei im Zweitjob kann man diese professionellen Anforderungen heute ganzjährig alleine nicht bewältigen. Ich ziehe meinen Hut davor, was die Verantwortlichen und Werner Fischer in Friesenheim geleistet haben.

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