Ludwigshafen
In der Stadt fehlen 2000 Kitaplätze
Abgesehen von der durchgängigen siebenstündigen Betreuung als verlängertes Vormittagsangebot formuliert das neue Kita-Gesetz nach Ansicht der Verwaltung zwar keine erweiterten Betreuungsansprüche. Die großen Veränderungen liegen in den pädagogischen, organisatorischen und finanziellen Bereichen, heißt es in der mehr als 40-seitigen Vorlage für den Jugendhilfeausschuss. Es gebe zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen, insbesondere in der Umstellungsphase. Beispielsweise benötigen alle 89 Kitas eine neue Betriebserlaubnis, in der die Kapazitäten und die Betreuungszeiten neu festgelegt werden. Für gegebenenfalls notwendige Umbauten oder Erweiterungen von Einrichtungen gilt eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2028. In einer Großstadt mit bald 180.000 Einwohnern ist das nicht viel Zeit für eine Verwaltung, die auch noch mit Projekten wie einem neuen Rathaus oder den Hochstraßen beschäftigt ist.
Auch ohne das Kita-Gesetz steht die Stadt mit Blick auf die Betreuungsangebote für Familien seit den Nullerjahren zunehmend unter Druck. Daher wurde Anfang 2019 bereits das vierte Ausbaupaket mit einem Volumen von rund 38 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Bis 2025 sollen so 1100 zusätzliche Betreuungsplätze entstehen.
Rechtsanspruch für Familien
Im Kindertagesstättenjahr 2021/22 werden der Ausschussvorlage zufolge in den Kitas 8371 Betreuungsplätze angeboten. In dieser Zahl enthalten seien drei große Neubauvorhaben in der Wörthstraße (Mitte), Adolf-Diesterweg-Straße (Oggersheim) und Oppau, die im Lauf des Jahres fertig werden sollen. Der Großteil dieser Plätze – 7051 an der Zahl – sei für zweijährige Kinder bis zum Schuleintritt bestimmt. Für Kleinkinder unter zwei Jahren gebe es stadtweit 370 Plätze, und für Schulkinder stünden 950
Betreuungsmöglichkeiten bereit.
Der voraussichtliche Bedarf im kommenden Kindertagesstättenjahr für die Zweijährigen bis zum Schuleintritt liegt dagegen laut Verwaltung bei 8747 Plätzen, und für die unter Zweijährigen bei 469. Unterm Strich fehlen demnach in Ludwigshafen rund 2000 Betreuungsplätze, obwohl Eltern einen Rechtsanspruch darauf haben, Beruf und Familie vereinbaren zu können. Im Stadtteil Süd zum Beispiel wird das Defizit auf 400 Plätze beziffert, 404 fehlen in Oggersheim, 200 in Nord/Hemshof und 250 in Friesenheim. Durch anstehende große Wohnungs-Neubauprojekte auf dem Halberg-Areal und dem Gelände der Pfalzwerke wird sich der Betreuungsnotstand insbesondere in Süd demnächst noch weiter verschärfen. Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) fordert daher gebetsmühlenartig: „Bei allen größeren Neubau-Projekten müssen wir Kita- und Grundschulplätze im Vorfeld mitdenken.“
18 Projekte bis zum Jahr 2024
Die Stadt arbeitet nach eigenen Angaben an diversen Projekten, um 2057 neue Plätze für die Zweijährigen bis zum Schuleintritt und 150 für die unter Zweijährigen zu schaffen. 18 Maßnahmen seien so weit fortgeschritten, dass sie konkret benannt werden könnten. Fertig werden diese jedoch erst in einigen Jahren: Der Gesamtumfang dieser 18 Projekte, die bis 2024 abgeschlossen sein sollen, beläuft sich voraussichtlich auf 1008 zusätzliche Plätze für die Zweijährigen bis zum Schuleintritt und auf 60 zusätzliche Plätze für die unter Zweijährigen. Das ist jedoch nur gut die Hälfte der Betreuungsplätze, die heute schon benötigt werden.
Die Anzahl der Kinder im Kindergartenalter in Ludwigshafen ist in den letzten Jahren beständig angewachsen, berichtet die Verwaltung. Dieser Trend werde auch im Kindertagesstättenjahr 2021/22 anhalten. Die Stadt geht zu Beginn im August von rund 8747 Eineinhalb- bis unter Sechsjährigen aus. Das seien nochmals knapp 100 Kinder mehr als im laufenden Jahr. Bei den Einjährigen hingegen habe sich die Entwicklung in den letzten beiden Jahren etwas beruhigt. Nach dem Rekordjahr 2019/20 mit knapp über 2000 einjährigen Kindern, pendele deren Anzahl nun in einem Bereich von 1900. Im Kindertagesstättenjahr 2021/22 werden
etwa 1892 Einjährige erwartet.
Mehr Schulkinder
Die Anzahl der Kinder im Schulkindalter wiederum wachse weiterhin an. 2021/22 rechnet die Verwaltung mit 10.663 Kindern im Alter von sechs bis unter zwölf Jahren, knapp 80 mehr als im laufenden Jahr. Die heutigen Platz- und Personalprobleme in den Kitas sind die Probleme von morgen in den Grund- und weiterführenden Schulen der Stadt, die teils auch schon längst aus allen Nähten platzen.
Wie sich die zukünftigen Zahlen entwickeln werden, lässt sich nach Ansicht der Verwaltung derzeit nur eingeschränkt vorhersagen. Die leicht rückläufigen beziehungsweise stagnierenden Geburtenzahlen der beiden letzten Jahre beruhten nicht auf rückläufigen Jahrgangsstärken der Frauen im gebärfähigen Alter. Ebenso komme die Corona-Pandemie hierfür noch nicht in Betracht. Vielmehr schienen die ersten Nachfragerückgänge am Arbeitsmarkt seit 2019 der Grund dafür zu sein, dass der Babyboom gestoppt wurde.
Verhaltene Geburtenzahlen
In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich bislang ausnahmslos alle wirtschaftlichen Krisenzeiten negativ auf die Geburtenzahlen ausgewirkt. Zumindest für die Jahre 2021 und 2022 sei daher noch mit verhaltenen Geburtenzahlen zu rechnen. Wie es danach weitergeht, sei unklar: „Sollte nach einem baldigen Ende der Pandemie der Arbeitsmarkt wieder anspringen, könnten Nachholeffekte die Geburtendelle weitgehend wieder ausgleichen. Verfestigt sich jedoch die heutige Situation, werden dauerhafte Geburtenausfälle verbleiben“, heißt es aus dem Rathaus.
Termin
Bürger haben die Möglichkeit, am Montag, 10. Mai, 15 Uhr, die Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Stadtratssaal zu verfolgen. Der Ausschuss tagt als Videokonferenz, die in den Ratssaal übertragen wird. Im Interesse aller Teilnehmer empfiehlt die Stadtverwaltung, vor der Sitzung einen Corona-Schnelltest zu machen. Das Schnelltest-Center der Stadt und des DRK befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus am Rathausplatz 17 bis 21.