Ludwigshafen Im Bann der Tango-Sensations

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Klassik traf diesmal in der „Chill out“-Reihe im BASF-Gesellschaftshaus auf den Tango. Hier trat das französische Streichquartett Quatuor Voce zusammen mit dem Bandoneon-Spieler Pierre Cussac auf.

Draußen weht der eiskalte Wind durch die Straßen, drinnen drückt die Hitze. Die Hitze der Musik. Die immer gleichen Pizzicatoschläge erklingen über einem weichen Klanggrund, das Cello lässt die Luft flirren. Immer wieder bricht sich ein Melodiefetzen die Bahn durch das Flirren und Zupfen der Klänge, aber schnell wird er eingefangen. „Wir müssen selbst aufpassen, dass wir nicht in Trance geraten“, meinten die Musiker des Quatuor Voce, bevor sie „Escalay: The Waterwheel“ erklingen und die drückende Hitze Nubiens durch den Saal des Gesellschaftshauses wehen ließen. „Escalay“ stammt von dem ägyptischen Oudspieler und Komponisten Hamza el Din und erlangte 1992 durch die Einspielung des Kronos Quartets weltweite Berühmtheit. Nun spielt es Quatuor Voce, das französische Streichquartett, dem man trotz seines schon zehnjährigen Bestehens gerne das Adjektiv „jung“ voranstellt; nicht nur, weil die Spieler noch so jugendlich aussehen, sondern auch, weil sie ihrer Musik einen ganz neuen Klang geben. Sie spielen das Stück auf der Suche nach folkloristischer Musik, bei der sie auch Kevin Volans „White man sleeps“ und Joaquin Turinas „La oracion del Torero“ für sich entdeckten. Und für sich entdecken heißt bei den vier Musikern, etwas ganz Eigenes daraus machen, was hier keine hohle Phrase ist. Denn trotz Stierkampf, Paso doble oder südafrikanischen Rhythmen, das Quatuor Voce vergisst nie, dass es ein Streichquartett ist. Auch wenn sie Folk-Musik spielen, tun sie das zurückgenommen, feinsinnig, fast kühl und mit einer unfassbaren Präzision. Auf die kommt es an bei den dauernden Wechseln der Rhythmen, der Klangfarben oder der Lautstärke. Volans „White man sleeps“ ist ein andauerndes Auf- und Abschwellen der Dynamik; da tanzt sich das ganze Quartett in Ekstase, um plötzlich abzubrechen und ganz sanft wieder von vorne zu beginnen. Diese tönende Mischung aus Folklore und klassischem Streichquartett fand im Rahmen der „Chill out“-Konzerte der BASF statt. Und nicht nur verschiedene Musikstile, auch die Konzertgänger sollen miteinander in Kontakt kommen. Deshalb gibt es zwischendurch auch Essen. Man sitzt zwischen zwei Bühnen an runden Tischen und kann sich mit den Nachbarn unterhalten. Wenn aber die Musik spielt, sind alle ruhig. Nur selten begleitet Gemurmel, das Klirren der Gläser und das Plätschern von Mineralwasser die Stücke. Moderiert wurde der Abend von Andrea Thilo, die auch kleine Interviews mit den Künstlern beisteuerte. Der Tango betrat in Gestalt von Pierre Cussac die Bühne. Mit „Trasnochando“ von Armando Ballotti stellte er sich und sein Instrument vor. Das Bandoneon klingt sanfter und sanglicher als das Akkordeon, man hört das Atmen des Instrumentes und das Klappern der Tasten. Cussacs Bandoneon singt mit Lydia Shelley, der Cellistin des Quartetts, mit Cecile Robin oder Guillaume Becker, der Violinistin und dem Bratscher. Und wenn die Musiker zusammenspielen, dann trifft nicht Klassik auf Tango, sondern es entsteht etwas Neues und Eigenes. Es spielten Musiker, die das Publikum anstecken und in den Bann zu ziehen vermögen. Zum Finale durfte Astor Piazzolla nicht fehlen, der Mann, der den Tango erneuert und das europäische Bild dieser Gattung am stärksten geprägt hat. Seine „Tango Sensations“ kannte wohl jeder im Raum. Aber nicht die von Pierre Cussac und dem Quatuor Voce.

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