Ludwigshafen
Honig aus LU: Warum Imker in der Stadt aktiv sind
„Rund ein Drittel der menschlichen Ernährung hängt von der Bestäubung der Blüten von Obstbäumen und Beerensträuchern ab“, weiß der Altriper Imker Oliver Schneider, der seit rund 18 Jahren Vorsitzender des Kreisimkervereins Ludwigshafen ist. Der 57-jährige BASF-Ingenieur schätzt, dass etwa 50 Imker in der Stadt Bienen züchten. Das ist die Hälfte der rund 100 aktiven Imker mit insgesamt fast 800 Bienenvölkern, die Mitglied im Kreisverein sind. „Vor allem in den grünen Stadtteilen wie Oggersheim, Ruchheim, Maudach, Gartenstadt und Rheingönheim mit ihren zahlreichen Grünanlagen macht die Bienenzucht viel Spaß“, sagt Schneider. „Aber es gibt auch Bienenzüchter in Oppau oder auf der Parkinsel.“
Der seit 1882 bestehende Kreisimkerverein hat insgesamt 117 Mitglieder. „Die Mitgliederzahl ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich angestiegen, stagniert aber jetzt etwas“, sagt Schneider. In der Pfalz gehören rund 2500 Imker in 43 Vereinen dem Regionalverband an. Sie sorgen mit insgesamt etwa 15.000 Bienenvölkern dafür, dass vor allem das vorder- und südpfälzische „Obstparadies“ bei der Bestäubung nicht zu kurz kommt. In Rheinland-Pfalz gibt es zwei Landesverbände. Nach Angaben der beiden Organisationen haben sich etwa 7000 Imker mit mehr als 33.000 Bienenvölkern als Bienenzüchter eintragen lassen.
Gute Qualität
Die Honigproduktion und die Vermarktung rentieren sich in wirtschaftlich vertretbarem Umfang für einen professionellen Imker erst bei etwa 500 Bienenvölkern. „Die Honigproduktion in Deutschland ist mit rund 20.000 Tonnen im Jahr nur scheinbar gewaltig. In China werden jährlich um die 470.000 Tonnen Honig auf den Markt gebracht“, weiß Schneider. Aber qualitativ könne sich Importhonig mit deutschen Produkten nicht messen: „Wer 100-prozentig reinen Bienenhonig kaufen will, muss auf deutschen Erzeugerhonig zurückgreifen,“ sagt Schneider selbstbewusst. „Importhonig ist oft belastet.“
Dass die sehr gute Qualität auch in Zukunft erhalten bleibt, dafür sorgen die Organisationen der Bienenzüchter mit permanenten Schulungen. „Wenn jemand als Imker einsteigen will, helfen wir ihm gewissermaßen als Paten mit der Vermittlung des notwendigen Grundwissens“, sieht Schneider in der Schulung des Nachwuchses von Beginn an eine wichtige Aufgabe seines Verbandes. Der hat im südpfälzischen Büchelberg im Bienwald einen rund 4,5 Kilometer langen „Bienenentdeckungspfad“ eingerichtet, um Neulingen auf die Sprünge zu helfen. Die Bienenzucht ist übrigens längst keine rein männliche Liebhaberei mehr: Von den 100 aktiven Imkern im Kreisverein sind 16 Frauen.
Raps und Robinien
Laien wundern sich oft, wenn sie im Wald oder auf freiem Feld scheinbar herrenlose Bienenstöcke entdecken. Das hat seinen Sinn: Seit vielen Jahren bringen zum Beispiel Ludwigshafener Imker ihre Völker in den größten deutschen Robinienwald bei Birkenheide, um dort rund um ein imkereigenes Areal Akaziennektar für einen speziellen fruchtigen Honig zu gewinnen. Doch diese Möglichkeit ist wegen des Klimawandels rückläufig: „Die Robinienblüte beginnt mittlerweile viel früher als sonst und kollidiert deshalb mit den dann noch kalten Nächten – das ist nichts für unsere Bienen.“ Viele Imker freuen sich deshalb, wenn sie auf einem der großen Rapsfelder eine Möglichkeit für ihre Bienenvölker erhalten. „Davon profitiert auch der Landwirt. Der Rapsertrag steigt dort in der Regel um etwa 30 Prozent“, sagt Schneider.
Doch Imker haben nicht nur reine Freude mit ihrem Hobby: Die einst aus Asien eingeschleppte Varroamilbe macht ihnen zu schaffen. „Da muss man ständig durch Beobachtung der Bestände auf der Hut sein, sonst können im Extremfall ganze Völker sterben.“ Bekämpft wird diese Milbe überwiegend mit biologischen Mitteln. Wenn die Natur und die Witterung mitspielen. Weniger problematisch ist die einstige Gefahr durch die Pestizide oder Insektenvernichtungsmittel auf Feldern und in Obstanlagen: „Die Bauern haben erkannt, dass sie sich dadurch selber schädigen und halten sich mit der chemischen Keule zunehmend zurück.“
Kunstwabe 1858 entwickelt
Die Bienenzucht war seit Jahrhunderten eine Einkommensquelle für die pfälzische Landwirtschaft. Der Frankenthaler Apotheker Johann Riem gründete deshalb schon im Jahr 1768 in Kaiserslautern eine einige Jahre bestehende Imkerorganisation. Der Verband wurde 1856 von dem Bienenzüchter und Mühlenbesitzer Jakob Werntz von der Rehhütte (Limburgerhof) gemeinsam mit Pfarrer Philipp Braun (Roxheim) sowie 14 Mitstreitern zu neuem Leben erweckt. Mit Jakob Mehring (Kleinniedesheim) kam aus der Pfalz auch ein großer „Neuerer“: Er entwickelte 1858 die Kunstwabe als neues System der Bienenzucht. Von dieser Erfindung profitieren die Imker noch heute.