Ludwigshafen Hinter der Glasscheibe

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Sorgfalt im Umgang mit Eintrittskarten und Geld, Abwechslung durch ein gelegentliches Pläuschchen mit Badegästen – wenig Aufregendes bei Schlechtwetter: Das bestimmt den Alltag einer Kassiererin im städtischen Freibad am Willersinnweiher. Eine der Frauen, deren Wirkungsstätte gleich hinterm Eingangstor liegt, haben wir besucht: Brigitte Dornick.

„Es ist immer wieder das alte Lied“, sagt die 58-Jährige. „Manchmal bezahlen Badegäste mit einem 50-Euro-Schein.“ Und das bei Eintrittspreisen von 3,80 Euro für Erwachsene und 2,10 Euro ermäßigt. Die Rückgabe des Restbetrags sei nur ein kleines Zeitproblem, wenn sich die Besucher an der Kasse drängen. „Bei Hochbetrieb wird aber auch schon mal das Kleingeld knapp“, erläutert Brigitte Dornick. „Besonders wenn Kinder wenigstens zehn Cent Kleingeld dabei hätten, wäre uns sehr geholfen.“ Brigitte Dornick strahlt Optimismus und Frohsinn aus. Sie stammt aus Oppau, ist ausgebildete Arzthelferin und wohnt in Frankenthal. Gearbeitet hat sie unter anderem beim Arzt Blum in Friesenheim und in der Zahnarztpraxis Kendzia in Fußgönheim. Mit ihrem damaligen Ehemann hat sie zwei Jahre in den USA gelebt, dort ist 1983 auch Tochter Sabine zur Welt gekommen; Sohn Stefan wurde ein Jahr davor in der Pfalz geboren. Inzwischen lebt Brigitte Dornick allein in Frankenthal und bezeichnet sich als „die stolzeste Oma von der Welt“. Liara heißt das dreieinhalbjährige Mädchen, das für Glücksgefühle und leuchtende Augen der sympathischen Großmutter sorgt. Sie sehe die Kleine „nicht ständig“, denn die lebe mit Mama und Papa in einem Winzerdorf bei Mainz. Nicht selten aber zähle sie die Tage, bis sie sich mit der Enkelin beschäftigen könne. Brigitte Dornick arbeitet halbtags, laut Dienstplan ist sie bis August/September, also bis zum Ende der Badesaison, hier an der Kasse. Danach, über Winter, ist sie im Hallenbad Süd oder in Oggersheim im Einsatz. Unabhängig davon, ob Badewetter ist oder nicht („wir haben Schwimmer, die auch bei regnerischem Wetter kommen“), beginnt der Frühdienst der Kassiererin eine Viertelstunde, bevor geöffnet wird. Die Abläufe sind immer gleich. Geprüft wird der Kassenstand, der Bestand an Badeartikeln, die zum Verkauf angeboren werden. Ebenso hat die Kassiererin sich zu versichern, dass ein Schwimmmeister auf dem Gelände ist. „Dann ist es aber auch höchste Zeit, denn vor allem am Willersinn und in Süd stehen meistens die ersten 15 bis 20 Personen vor der Kasse“, sagt Dornick und lacht. Wenn die ersten im Wasser seien, werde „an der Kasse schon mal ein privates Wort gewechselt“ – nach dem Muster: „Ich habe Sie schon seit acht Tagen nicht gesehen“ und einer Vielzahl möglicher Begründungen. Auch eine Kassiererin kann nicht stundenlang ihren Biorhythmus abschalten. Für den Fall der Fälle, wenn also der Platz hinter der Glasscheibe verlassen werden muss, „springt jemand von der Badeaufsicht ein“, sagt Dornick. „Der- oder diejenige darf sich nämlich im Kassenraum aufhalten.“ Was zur Erkenntnis führt, dass der Zutritt hier ähnlich streng geregelt sein dürfte, wie der zu einem Hochsicherheitstrakt. „Außer uns“, erläutert Brigitte Dornick, hat nur die Chefin Zutritt. Am Willersinn ist es Carolin Tomalik. Die interne Kommunikation funktioniere über Walkie-Talkie-Geräte. Welche auch benutzt werden, wenn sich jemand an der Kasse vorbeischleicht und vom Personal zur Rede gestellt werden soll. Oder wenn ein Jugendlicher in Unterhose Richtung Becken läuft. „Der hatte tatsächlich vergessen, seine Badehose anzuziehen“, sagt Dornick. Ansonsten sei man an der Kasse mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert: Bienenstiche, Notarzt-Rufe nach Verletzungen, Reklamationen, Suche nach verlorenen Gegenständen in die Wege leiten. „Wir sind alle hilfsbereit.“ Eines Tages kam ein elfjähriges Mädchen zur Kasse. Ihr sei langweilig, sie wolle reden. Dann verläuft der Dialog etwa so: „Du bist aber schön braun“, sagt die Kassiererin. Das Mädchen stellt fest, dass Dornick gar nicht sonnengebräunt sein konnte, weil sie ja den ganzen Tag da drin sitze. „Aber auch an der Sonne werde ich nicht so braun wie du“, versichert Dornick. Darauf die Kleine: „Das liegt sicher an deinem Alter.“ Die 58-Jährige schwimmt gelegentlich (nach Dienstschluss), doch „ich bin leidenschaftliche Kino- und Theatergängerin“. Im Frankenthaler Theater Alte Werkstatt macht sie ehrenamtlich mit, „aber nicht auf der Bühne“. Aktuell singt sie im Chor des Musicals „Papa ist die Beste“, das im September wieder aufgeführt wird.

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