Ludwigshafen Helmut Schmidt fährt mit nach Hause

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ZWEIBRÜCKEN. Wenn Stefan Bullacher morgen zum Drittliga-Spiel seines TV Hochdorf fährt, hat er die kürzeste Auswärtsfahrt der Saison vor sich. Sie ist noch kürzer als die zu Heimspielen im Hochdorfer Sportzentrum. Denn von der Ernstweilerhangstraße in Zweibrücken, wo er mit seiner fünfköpfigen Familie wohnt, sind es zur Zweibrücker Westpfalzhalle gerade mal 2,5 Kilometer. Morgen, 18 Uhr, nimmt der 48-Jährige beim Spiel seines TV Hochdorf dort erstmals auf der Gäste-Bank Platz – zuvor hatte er 21 Jahre lang bei den Zweibrückern das Sagen. Seit Juli 2016 ist Bullacher aber ein pendelnder Trainer. Donnerstag, in der Woche vor dem Heimspiel gegen die SG Kronau/Östringen II: Stefan Bullacher nimmt noch schnell den letzten Kaffeeschluck, verabschiedet sich von seiner Frau. Um 16.30 Uhr steigt er ins Auto, Ziel Hochdorf. Um 18 Uhr ist Trainingsbeginn mit einer Videositzung, danach geht’s in der Halle rund. „Von meiner Haustür bis zum Sportzentrum in Hochdorf sind es genau 99 Kilometer“, sagt Bullacher. Er steuert auf die Autobahn A 8 Richtung Pirmasens, von dort geht es weiter über die B 10 mitten durch den Pfälzerwald. „Auf der A 6 gibt es drei bis vier Großbaustellen, das ist keine Alternative“, erklärt der A-Lizenz-Trainer, warum er sich für die Route über die B 10 entschieden hat. „Über die A 6 ist die Strecke 15 Kilometer länger; wenn frei ist, ist das schneller. Aber ich fahre so nur bei ganz schlechtem Wetter oder bei Schneefall.“ Viermal pro Woche pendelt Bullacher abends zum Training nach Hochdorf, nur mittwochs ist frei. In der Vorbereitung waren es sogar fünf Trainingseinheiten pro Woche – die Drittliga-Spiele gar nicht mitgerechnet. „Wenn’s gut läuft, ist man in 1:15 Stunde da“, erläutert er, lässig hinter dem Steuer seines Kombi sitzend. 35 000 Kilometer hat er auf diese Weise seit vergangenen Juli schon auf den Tacho seines Autos gepackt. Eine Rekordfahrzeit habe er nicht, meint er lachend. „Ich habe mir von Anfang an vorgenommen, mir mit dem Autofahren keinen Stress zu machen. Und so macht mir die ganze Autofahrerei auch überhaupt nichts aus“, stellt er fest. Also: Tempomat an und das Auto verkehrsgerecht rollen lassen. Die fest installierten Blitzer kennt er zudem auswendig. „Meine Frau meint, mein Autofahren hätte sich seit dem Wechsel nach Hochdorf ganz stringent geändert. Ich würde viel akkurater fahren“, sagt er. Passiert ist bei den vielen Fahrten noch nichts, „noch nicht einmal ein Stau. Und Rehe habe ich zwar schon gesehen, aber vors Auto ist mir Gott sei Dank noch keins gelaufen“, erzählt Bullacher, der seit der Geburt des ersten Kindes im Jahr 2000 Hausmann ist – und eben Handballtrainer in Vollzeit. 2:30 Stunden pro Trainingsfahrt, mindestens zehn Stunden und 500 Kilometer pro Woche – wird einem da im Auto nicht langweilig? „Gar nicht, ich telefoniere ja viel.“ Wie zur Bestätigung klingelt kurz darauf das Telefon, Bullacher antwortet über die Freisprechanlage. Der Trainer von Zweitligist TSG Friesenheim, Benny Matschke, ist am anderen Ende. Es geht um Einsätze von TVH-Rückraumspieler Robin Egelhof, den beide wegen seines Zweitspielrechts unter ihren Fittichen haben. „Schöne Landschaft hier“, zeigt Bullacher lachend raus, nachdem er aufgelegt hat. Gerade geht es am Teufelstisch bei Hinterweidenthal vorbei. Viel Musik hört er auch im Auto, sein ältester Sohn hat ihn unlängst mit der Rap-Musik des Künstlers Kollegah bekannt gemacht. „Den find’ ich gut“, meint Bullacher, ein wenig über sich selbst erstaunt. Kurz vor Annweiler scheitert dann mehrfach der Versuch, sich mit Hochdorfs Sportlichem Leiter Gerd Scheurer über die Kaderplanung für die neue Saison zu unterhalten. Keine gute Netzabdeckung rund um die B 10-Tunnels. Um 17.45 Uhr parkt Bullacher vor der Halle in Hochdorf. Kurzer Smalltalk mit bereits anwesenden Spielern, dann geht’s zur Video-Analyse in die Kabine. Ab 18.30 Uhr bittet Trainer Bullacher, der in Hochdorf zufrieden ist und seinen Vertrag bereits bis zur Saison 2018/19 verlängert hat, seine Jungs aufs Spielfeld. Aufwärmen, Wurftraining, taktische Abläufe im Angriff üben, strammes Gegenstoßtraining und ein Abschlussspiel. Knapp zwei Stunden später sitzt Bullacher wieder im Auto. Jetzt kommt normalerweise die Zeit der Hörbücher. Allerdings eher Sachbücher, „Romane lese ich lieber“. Gerd Ruges Lebensgeschichte in „Unterwegs“, „Zug um Zug“ von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück oder auch Dietrich Schwanitz „Bildung – Alles was man wissen muss“ – solche Sachen eben. Nur heute nicht, wenn ein Fahrgast dabei ist und damit genügend Gesprächsstoff. Wie das gemeinsame Aufstöhnen, als man merkt, dass der Tunnel bei Annweiler auf dem Rückweg gesperrt ist. Also einmal durch Annweiler und über Rinnthal zurück auf die B 10. „Das verlängert die Fahrzeit jetzt um eine Viertelstunde. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich diesmal über die Autobahn gefahren.“ Punkt 21.50 Uhr steht der Wagen wieder vor Bullacher Haus: genug mit Autofahren und Handball – jedenfalls für heute.

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