Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Heimspiel für die Söhne Mannheims

Mit und ohne Kappe: die Söhne Mannheims.
Mit und ohne Kappe: die Söhne Mannheims.

Die Söhne Mannheims hatten einen schönen Abend. Ihr Publikum beim Seebühnenzauber im Mannheimer Luisenpark offensichtlich auch. Es wurde sogar ab und zu komisch.

In Piano-Besetzung verzauberte ein Teil der Söhne Mannheims beim Seebühnenzauber im Mannheimer Luisenpark das Publikum, das seine Begeisterung keineswegs piano, also leise, kundtat. Im Gegenteil: Der harmonisch perfekte Gesang, die bekannten alten, aber auch die neuen Lieder sowie die gelungene, fast schon komödiantisch anmutende Moderation wurden von den Zuschauern mit lauten Jubelrufen und viel Applaus gefeiert.

Keine Frage: Ein Konzert in der Stadt, die sie im Namen tragen, ist immer was Besonderes. Schon beim Eröffnungslied „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ feiern die Mannheimer ihre musikalischen Söhne, die es sichtlich genießen, nach der langen Coronapause endlich wieder vor einem Livepublikum auf der Bühne zu stehen. „Auf Kameras oder Autos zu schauen, macht nicht glücklich“, erklärt Karim Amun das Glücksgefühl, endlich wieder „Emotionen in den Gesichtern sehen zu können“. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die fünf Musiker während ihres zweistündigen Konzerts immer wieder den direkten Draht zu ihren Zuhörern suchen.

Spontaner Moonwalk

So nimmt Söhne-Mannheims-Urgestein Claus Eisenmann kurzerhand in den Publikumsreihen Platz, während die neue „Söhne“-Sängergarde um Dominic Sanz und Amun gemeinsam mit Rapper Metaphysics den neuen Song „Miracle“ performt. Dessen Refrain lässt sich schnell mitsingen und mitklatschen, was die Zuschauer auch ganz ohne Aufforderung machen. „Wir dachten, wir bringen die neuen Songs gleich hinter uns, für den Falls, dass ihr nur wegen Claus und ,Wenn ein Lied’ gekommen seid“, scherzt Amun, der mit seinen witzigen Sprüchen dem Abend glatt das Gütesiegel Söhne Mannheims Comedy aufdrückt und für ausgelassene Stimmung bei der Band und den Zuschauern sorgt.

Seine Kollegen stehen ihm diesbezüglich allerdings ebenbürtig gegenüber. Claus Eisenmann, für den es der erste Auftritt mit den Söhnen Mannheims seit langer Zeit ist, überrascht mit einer spontanen Moonwalk-Einlage, für die er frenetisch gefeiert wird. Sanz, der auch immer mal wieder zur Gitarre greift, versucht bei seinem eigenen Lied, das er 2014 während einer Liebeskummer-Phase geschrieben hat, wieder mit ganz viel Herzschmerz zu performen. „Ich hätte dich nach diesem Lied wieder zurückgenommen“, meint Eisenmann, woraufhin Sanz trocken kontert: „Sie nicht.“

Unzählige Wechsel in der Band

Diese lockere Stimmung trägt sich über die kompletten zwei Stunden des Konzerts, das gefühlt wie im Flug vergeht. Die ausdrucksstarken Stimmen von Sanz und Amun harmonieren perfekt mit der außergewöhnlichen Klangfarbe von Eisenmann und Metaphysics steuert mit seinen kraftvollen Rapeinlagen schwungvolle Beats bei. Florian Sitzmann am Flügel ist wie gewohnt eine Klasse für sich und eine musikalische Stütze. Er brilliert mit wunderbaren Soli und lässt noch während der Anmoderationen seiner Kollegen das Publikum schon in den klangvollen Genuss bekannter Songs wie „Wenn du schläfst“, „Geh davon aus“, „Vielleicht“ oder „Dein Leben“ kommen.

Mehr als 25 Jahre und unzählige Mitgliederwechsel haben die Söhne Mannheims als multikulturelle Band schon auf dem Buckel, doch ihre Lieder, sowohl die alten als auch die neuen, versprühen einen zeitlosen Charme. Sie gehen beharrlich ihren eigenen musikalischen Weg, auf dem sie sich mit Liedern wie „Moral“ und „Miracle“ deutlich gegen Gewalt, Rassismus und Doppelmoral aussprechen – und somit auch gleichzeitig von ihrem „Vater“ Xavier Naidoo distanzieren, der jetzt als Verschwörungstheoretiker gilt.

In Sanz und Amun hat man zwei stimmgewaltige Schwergewichte gefunden, die mehr als begeistern. Bei der Mannheim-Hymne „Meine Stadt“ werden die Handys zu Taschenlampen umfunktioniert, die den Zuschauerraum um die Seebühne in warmes Licht hüllen. Mit „Back to you“ verabschiedet sich das Quintett von seinem Publikum und fasst damit den Abend perfekt zusammen, denn hier waren alle froh, ein Konzert wieder gemeinsam erleben zu können.

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