Ludwigshafen Gute Nachrichten
Die Hoffnung nimmt im christlichen Glaubenskanon eine zentrale Stelle ein. Ein Wochenende lang hat die Melanchthon-Kirche sie im Ludwigshafener Kultursommer audiovisuell erlebbar gemacht. Schöpferin der Installation ist die Klangkünstlerin Karin Maria Zimmer.
Von der Decke herab hängen riesige Spruchbänder. Sie sind mit Medientexten bedruckt, die Positives vermelden. Der leer geräumte Kirchenraum ist in einen gleichförmigen meditativen Klang getaucht. Die Besucher verstummen oder flüstern nur noch. Ihre Bewegungen werden langsam und bedächtig. So ist es immer, wenn Besucher ein Gotteshaus betreten, aber hier ist es deutlich intensiver. Karin Maria Zimmer lebt in Ludwigshafen. Sie wurde in St. Wendel geboren, studierte Gesang am Konservatorium in Hamburg, Plastik und audiovisuelle Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. Sie bezeichnet sich selbst als interdisziplinär arbeitende Klangkünstlerin. In ihren Projekten führt sie bildende Kunst und Klang zu einem Gesamterlebnis zusammen, das eine Botschaft zu vermitteln versucht. Sie hat zahlreiche Projekte gemacht, stets an besonderen Orten, darunter mehrere Kirchen, und mit Themen, die auf den jeweiligen Ort zugeschnitten sind. Hier nun „Hoffnung“, im Neukunstsprech „Hope“. Das passt zum Glaubensort Kirche, das passt auch zum „Prinzip Hoffnung“ von Ludwigshafens berühmtestem Sohn Ernst Bloch. Das kann oder soll mitschwingen, denn das Anschlagen, Mitschwingen, das emotional-unterschwellige Berühren ist Teil von Karin Maria Zimmers Klangkunst. Ihr rationaler Ansatzpunkt ist bei ihrer neuen Arbeit aber ein anderer: Die Medien, allen voran das Internet, überschütten uns tagtäglich mit Negativem, dass man darüber verzweifeln möchte. Aber es gibt doch auch positive Nachrichten, die hoffen lassen. Solche, als positiv empfundene Nachrichten hat sie per Aufruf im Internet gesammelt und daraus ihre Texte für die Papierbahnen gewählt. Sie sind sehr unterschiedlich: von einer kranken Neunjährigen, die auf dem Surfbrett steht über das Hausmittel Essig, das bestimmte Krebszellen abtötet, bis zu Messungen, dass einige Gletscher wachsen. Alle drei Nachmittage, an denen die Installation zugänglich war, endeten mit einer Performance. Es gehe nicht darum, sie dabei zu sehen, erklärte die Künstlerin, sondern darum, allein den Klang auf sich einwirken zu lassen. Wie sie zwei Monocorde spielte und dazu sang, war aber auch sehenswert. Der Klang war emotional anrührend und angenehm, wenn auch – aber das mag eine subjektive Erfahrung sein, die von anderen nicht geteilt wird – mehr meditativen und beruhigenden Charakters, als auf Hoffnung gestimmt. Mit ihrer ausdrucksvollen, wohltönenden Stimme vollführt Karin Maria Zimmer lautmalerische Kaskaden: Sie setzt ihre Stimme wie ein Instrument ein. Im Gegenzug besteht der elektronische Teil ihrer Musik aus der Einspielung von Naturklängen wie Vogelgesang oder Wasserrauschen, die als solche nicht mehr zu erkennen sind und einen als homogen empfundenen Klangteppich bilden. Auf diesen setzt sie, sozusagen als Obertöne, die live gespielten Monocorde. Das sind flache rechteckige Klangkörper, deren Saiten, ursprünglich war es nur eine, auf den gleichen Ton gestimmt sind. Das eine ähnelte einer Harfe, das andere einer Zither. Es war ein Konzert, aber ein besonderes, wie es nur in der Performance-Kunst vorkommt.