Mannheim
Große Lebendigkeit: Klaus Staudt in der Galerie Zimmermann
Klaus Staudts formales Repertoire beschränkt sich seit Jahrzehnten auf kleine würfelförmige Quader, Klötzchen und Lamellen, die in strenger serieller Ordnung die Fläche besetzen und nach vorne von Plexiglasabdeckungen geschützt werden. Sie sind unnachsichtig streng geordnete Spielfelder, die sich bei jedem Hinsehen weiter ins scheinbar Regelfreie aufzulösen scheinen und Licht und Schatten als unberechenbare und selbstbewusste Mitspieler nicht nur zulassen, sondern bewusst einkalkuliert haben.
Es kommt darauf an, wo man gerade steht und wie die Lichtverhältnisse sind. Es muss nicht immer die lange bevorzugte Nicht-Farbe Weiß sein im bildnerischen Kosmos des Klaus Staudt. Längst wird das Auge erfrischt mit leuchtendem Blau, sonnenhaft strahlendem Gelb und roten Klötzchen, die auf schwarzem Grund paradieren, immer bereit zu Veränderung, die nur so tut, als sei sie eine, bis der Blick sie wieder in die alte Ordnung gebracht hat und die erste Verblüffung über das scheinbar Gesehene mit Erkenntnis belohnt wird.
Eine Regel, die sich bricht, um sich zu erfüllen
Ausgebuffter und selbstverständlicher kann Konkrete Kunst nicht an der Wand hängen wie jetzt in der Mannheimer Galerie von Peter Zimmermann, der diesmal auf die Jahre 1980 bis 2023 und das handliche kleine Format setzt und damit goldrichtig liegt. Die Arbeiten des Frankfurter Künstlers Klaus Staudt sind ein Fest für erbsenzählende Kunsthistoriker, die es immer wieder schaffen, durch ihre selbstgewisse Unanschaulichkeit zu langweilen. Kann man machen, erklärt aber wenig bis nichts. Als beste Handreichung für Neugierige empfiehlt sich Hinsehen – und noch mal Hinsehen. Sich einwickeln lassen von der inneren Logik der Staudt’schen Kunststücke. Sie formulieren die beinharte Regel, die sich selber bricht, um sich zu erfüllen. Aus diesem Paradoxon ziehen sie ihre Lebendigkeit. Die Arbeiten sind meist durchnummeriert, Titel gibt es gelegentlich, „Neptun“, „Boléro“, „butterfly“ , „De Stijl in Erinnerung“ und „alte Liebe“ helfen zwar nicht weiter, geben aber die Fantasie einen kräftigen Schubs. „An Anni Albers denken“ hätte man gerne erklärt gehabt, dann aber vergessen, den anwesenden Künstler zu fragen.
25 Arbeiten, meist Auflagenobjekte, sind in der Ausstellung zu sehen, drei von ihnen stammen aus diesem Jahr. Der inzwischen 91-jährige Altmeister steht also immer noch im Atelier.. Warum auch nicht, Klaus Staudt ist ein Künstler, der kann, was er will und der Jüngere manchmal ziemlich alt aussehen lässt. Keine Behauptungen, keine Katastrophen, nur ein Können, das sich selbst rechtfertigt, indem es einfach nur da ist. Beschwingt und beschenkt verlässt man die Galerie. Allein schon dieser Effekt ist buchenswert.
Die Ausstellung
Bis Samstag, 4. November, in der Galerie Zimmermann, Mannheim, Leibnizstraße 20. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 13 bis 18, Samstag 11 bis 14 Uhr.