Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Giftköder gegen Ratten: Die Ursache für die Plage ist der Mensch

Sind in vielen Großstädten ein Problem: Ratten.
Sind in vielen Großstädten ein Problem: Ratten.

Die Stadtverwaltung Ludwigshafen sagt den Ratten in der City den Kampf an. Das eigentliche Problem sind dabei jene Menschen, die die Nager mit ihrem Müll anfüttern.

Es wurde höchste Zeit, und es klingt wie eine Kampfansage: Die Stadtverwaltung Ludwigshafen will nach eigenen Angaben gegen den übermäßigen Rattenbefall in der Ludwigstraße vorgehen. Der Bereich Öffentliche Ordnung, Abteilung Gaststätten, Lebensmittelüberwachung und Gesundheit, hat sich wegen des massiven Befalls dort in den Baumscheiben der Fußgängerzone für eine sogenannte Erdbaubeköderung entschieden, um die Population der Nager in der City zumindest einzudämmen. Die Maßnahmen zur Bekämpfung durch einen externen Dienstleister sollen sofort starten. Es tut sich also was. Gut so.

Was genau geplant ist, teilt die Verwaltung weiter schriftlich in einer eher knappen Pressemitteilung mit, obwohl die Sache nicht ungefährlich für Menschen und auch für andere Tiere ist: Das Gelände um das Erdreich, in dem die Giftköder ausgelegt werden, wird abgesperrt und mit Warnschildern versehen, „weil dabei äußerst leistungsfähige Bekämpfungsmittel“ zum Einsatz kommen.

Gefahr für die Gesundheit

Man könnte es auch einfacher ausdrücken: Die Köder für die Ratten sind besonders giftig. Daher weist die Verwaltung die Bürger auch darauf hin, den abgesperrten Bereich nicht zu betreten, da wegen der dort eingesetzten Mittel Gefahr für die eigene Gesundheit besteht, falls es zum unmittelbaren Kontakt mit den Ködern kommt. Auch für Hunde und andere Haustiere wird es kritisch, wenn sie mit dem Rattengift in Berührung kommen. Daher sollten Haustierbesitzer ihre Vierbeiner nicht in den abgesperrten Bereichen schnüffeln und das Bein heben lassen.

Falle in der Bismarckstraße.
Falle in der Bismarckstraße.

Dass die Verwaltung die Rattenbekämpfung in der Innenstadt verschärft, ist längst überfällig. Nicht nur in der Ludwigstraße, sondern auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel in der Bismarckstraße und am Lutherplatz. Es reicht nicht aus, immer wieder mit dem Finger auf die vielen Menschen in Ludwigshafen zu zeigen, die ihren Müll überall fallen und liegen lassen und damit Ratten regelrecht anfüttern. Besonders im Hinblick auf die Gaststätten in der City, die bei steigenden Temperaturen gerade wieder ihre Terrassen öffnen, ist es wenig einladend, dass die Besucher der Restaurants bei Wein und Pizza den flinken Nagern bei ihren abendlichen Streifzügen durch Ludwigshafen zuschauen dürfen. Das ist eklig.

Treffen zum Festessen

Weitere Ratten-Hotspots überall in Ludwigshafen sind die zentralen Müllcontainer-Sammelstellen größerer Wohnanlagen. Weil hier manche ihre Mülltüten nicht in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgen, sondern ihren Abfall daneben abkippen, treffen sich an diesen Plätzen Ratten regelmäßig zum Festessen.

Guten Appetit!
Guten Appetit!

Giftige Köder sind sicher eine wichtige Waffe im Kampf gegen die Rattenplage in der Stadt. Aber mehr Kontrollen, um die zahlreichen Müllsünder zu erwischen, die sich an vielen Stellen nicht an die Spielregeln halten, braucht es auch. Und es braucht deutliche Strafen für diese Leute. Da die Stadtverwaltung unmöglich die dafür notwendigen Stellen schaffen und besetzen kann, ist es an der Zeit, die Möglichkeiten für Kameraüberwachung und andere technische Tricks, die es längst gibt, gesamtgesellschaftlich neu zu diskutieren.

Christiane Vopat
Christiane Vopat

Ohne technische Unterstützung wird sich das immer weiter wachsende Müllproblem in Ludwigshafen und in vielen anderen Städten nicht lösen lassen. Denn die Verursacher werden nur selten gestellt und für ihr asoziales Verhalten kaum zur Verantwortung gezogen. Auch das ist eine Plage. Solange sich das nicht ändern lässt, werden die Ratten die Städte weiter unterwandern und das Leben vieler Menschen beeinträchtigen.

x