Sportler im Blick
Gianluca Anfuso schießt Tore für BW Oppau und will mit TB Oppau aufsteigen
Immer wieder geht bei der Ludwigshafener Stadtmeisterschaft im Hallenfußball der Stern eines Nachwuchskickers auf, der mit starken Leistungen auf sich aufmerksam macht. Vor ein paar Wochen bei der 43. Auflage des Turniers fiel der 18-jährige Gianluca Anfuso von B-Klassist DJK Blau-Weiß Oppau positiv auf. „In den ersten beiden Spielen hat Gianluca nicht getroffen, aber die erfahrenen Mitspieler haben ihn aufgebaut“, blickt BWO-Trainer Stephan Krön zurück. So habe ihn Eric Schmitt mit den Worten „du machst deine Tore noch, ganz sicher“ aufgemuntert. Und tatsächlich erzielte Anfuso im letzten Gruppenspiel bei der 3:6-Niederlage gegen Oberligist FC Arminia alle drei Treffer der Oppauer.
„In der Eberthalle vor so vielen Zuschauern zu spielen, ist schon krass“, sagt der Stürmer, der die Titelkämpfe bisher nur als Besucher kannte. Als er noch für die Junioren des VfR Friesenheim auflief, zählte er zu den jugendlichen VfR-Fans, die ihre Mannschaft lautstark unterstützten. „Bei der Stadtmeisterschaft war ich anfangs nervös, doch spätestens mit dem ersten Tor hat sich das gelegt. Es ärgert mich aber, dass wir nach der Vorrunde ausgeschieden sind“, verdeutlicht Anfuso, der sich bei den Blau-Weißen, für die er seit vorigem Sommer spielt, sehr wohlfühlt. Der Zusammenhalt innerhalb des Teams sei groß und die Atmosphäre familiär.
Gianluca Anfuso war vor der Saison von den A-Junioren des SV Südwest gekommen. „Zuvor habe ich eine dreijährige Fußballpause gemacht“, informiert der junge Stürmer. In der Jugend war er bei vielen Clubs und wurde zeitweise von seinem Vater Giuseppe trainiert, dessen Wurzeln in Sizilien liegen. „Ich bin aber eher deutsch aufgewachsen“, berichtet Gianluca, der eine ältere Schwester hat und dessen Mutter Jasmin Deutsche ist. Er könne sich zwar verständigen, aber sein Italienisch sei nicht besonders gut. Dass die Anfusos in Oppau leben, lässt den Wechsel zu BWO allein wegen der kurzen Wege sinnvoll erscheinen – aber nicht nur deswegen. Sein Onkel Martin Radke ist ebenfalls ein Blau-Weißer.
Volltreffer Anfuso
Mit der Wahl seines Vereins hat Anfuso wohl ins Schwarze getroffen. „Vom ersten Tag an wurde ich sehr gut aufgenommen“, betont der Stürmer, der als beidfüßig gilt, auch wenn der rechte Fuß etwas stärker ist. 17 Tore hat er in dieser Saison bereits erzielt, obwohl er nur in elf oder zwölf Partien mitgewirkt hat. „Gianluca ist ein guter Junge, hat einen ausgeprägten Torinstinkt, kann sich in Zweikämpfen behaupten, ist technisch stark und erkennt freie Räume“, beschreibt Coach Krön den spielintelligenten Angreifer, der den Fußball verstehe. Außerdem sei er ein ruhiger und angenehmer Mensch, der seinen Weg gehen werde. Nicht nur Krön ist der Meinung, dass der Torjäger sich auch höherklassig behaupten kann.
Anfuso, der Anfragen anderer Klubs zumindest bis zum Saisonende abschlägig beschieden hat, will in dieser Serie noch Erfolg haben. „Es ist nicht unmöglich aufzusteigen, Platz zwei ist trotz der drei unnötigen Unentschieden noch erreichbar“, schaut der 18-Jährige nach vorne. Irgendwann sich mal in einer höheren Spielklasse zu beweisen, sei durchaus ein Ziel. Doch die Konzentration gilt dem Duell gegen den Hauptkonkurrenten MSV Ludwigshafen zum Auftakt der Rückserie und just an seinem 19. Geburtstag. Dieses Spiel muss BWO gewinnen, um seine Aufstiegschance zu wahren. Sein Vorbild ist Cristiano Ronaldo, von dem ein Trikot und Fotos in seinem Zimmer hängen. Seine Lieblingsspieler – und da kommt der Italiener durch – sind Mario Balotelli und Gianluigi Buffon.
Doch Gianluca Anfuso hat noch eine zweite Leidenschaft: Er spielt für den Faustball-Zweitligisten TB Oppau, der am kommenden Samstag Gastgeber des Turniers um den Bundesliga-Aufstieg ist. „Den Sport brauche ich als Ausgleich, auch wenn es bei jeweils zwei Trainingseinheiten und zwei Spielterminen am Wochenende mitunter stressig wird“, erklärt der Sportler, der zudem noch die U14-Faustballer des TBO trainiert. Er wird derzeit zum Pflegefachmann ausgebildet und ist im zweiten Lehrjahr. Das sieht theoretischen Blockunterricht in Mannheim und Praxis in einer Frankenthaler Einrichtung vor. Da passt es ganz gut, wenn er sich auf den diversen Sportplätzen oder in Hallen auspowern kann.
Bog und sein Rohdiamant
„Gianluca nimmt bei uns eine herausragende Rolle ein und ist sehr talentiert. Er ist total ehrgeizig und gibt sich mit Mittelmaß nicht zufrieden“, sagt TBO-Coach Matthias Bog. Anfuso sei ein Perfektionist, oft mit sich unzufrieden, wodurch er sich manchmal selbst im Weg stehe. Als das Naturtalent in der U16 zu den Oppauern kam, war Bog schon nach dem ersten Training klar, einen Rohdiamanten in seinen Reihen zu haben. „Kein Gegner hat glauben können, dass Gianluca zuvor noch nie Faustball gespielt hatte“, erzählt der Trainer von ungläubig dreinschauenden Kontrahenten.
„Nachdem das Jahr zuvor nicht so gut lief, haben wir nun eine richtig starke Saison abgeliefert. Die Maßgabe, schnell mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben, haben wir übertroffen“, freut sich Anfuso. Bei der Aufstiegsrunde sei der TBO aber krasser Außenseiter, sind sich Anfuso und Bog einig. Die beiden haben auch privat ein gutes Miteinander, zumal der Coach nicht nur Anfusos Fahrlehrer war, sondern auch seine Begleitperson beim begleiteten Fahren. Im Moment ist es noch möglich beide Sportarten parallel auszuüben, aber irgendwann ist eine Entscheidung unumgänglich. „Gianluca ist ein lieber Junge aus gutem Elternhaus. Aber ich befürchte, dass er sich für die Volkssportart Fußball entscheidet“, sagt Bog mit einem bedauernden Unterton in der Stimme.