Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gesucht: der Pfalzbau

Die Auflösung: der Pfalzbau. 1964 – also vor 60 Jahren – wurde der Grundstein gelegt.
Die Auflösung: der Pfalzbau. 1964 – also vor 60 Jahren – wurde der Grundstein gelegt.

Rekord: 288 Leser haben unser Bilderrätsel „Wo isses?“ gelöst. Im Bildausschnitt war der Pfalzbau zu sehen. Eine Kultureinrichtung unter diesem Namen gibt es in Ludwigshafen seit 1928. Der neue Pfalzbau wurde 1968 eingeweiht. In den 56 Jahren seit der Eröffnung haben sich nicht nur auf der Bühne des Theaters Dramen abgespielt.

Der Pfalzbau ist seit fast 100 Jahren fester Bestandteil des Ludwigshafener Kulturlebens. In diesem Zeitraum residierte der Kulturbetrieb in zwei Gebäuden: dem 1928 eröffneten Pfalzbau auf dem Areal des heutigen Berliner Platzes und im 1968 eröffneten Neubau auf dem Theaterplatz.

Im alten Pfalzbau war neben einem Konzert- und Veranstaltungssaal auch ein modernes Großkino untergebracht: der „Ufa-Palast“. Bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 schwer getroffen und nach 1952 nach und nach wieder instandgesetzt. Viele ältere Ludwigshafener erinnern sich noch gut an das Gebäude, in dem auch wieder Kinofilme gezeigt wurden. Anfang der 1960er-Jahre beschloss die Stadtspitze einen Neubau am heutigen Standort.

Vier Jahre Bauzeit

1964 fand die Grundsteinlegung statt. Schon damals hatte Ludwigshafen Finanzprobleme und es kam zeitweise zu einem Baustopp. Angesichts der leeren Stadtkassen gab es sogar einen Spendenanruf an die Bevölkerung, die „Aufbauhilfe Neuer Pfalzbau“. Immerhin kamen dabei rund 155.000 Mark zusammen, wie der Stadtgeschichte weiter zu entnehmen ist. Der Löwenanteil der Summe (100.000 Mark) kam von der BASF. Im September 1968 war es dann soweit: Der neue Pfalzbau eröffnete. Der Vorgänger wurde 1970 abgerissen.

Im neuen Haus am Theaterplatz gab’s zwar kein Kino mehr dafür aber einen Theatersaal mit rund 1200 Plätzen – einer der größten in Deutschland – sowie einen Konzertsaal mit knapp 1100 Plätzen. Dazu kamen noch ein kleinerer Saal für Veranstaltungen mit 300 Plätzen und ein 800 Quadratmeter großer Festsaal für offizielle Anlässe. Die Bühnentechnik war auf dem neues Stand und konnte mit dem renommierten Mannheimer Nationaltheater konkurrieren.

Gleichwohl blieb es für Ludwigshafen schwierig, sich bei Aufführungen im Schauspiel und der Oper im Vergleich zu Mannheim zu profilieren, denn auf der anderen Rheinseite gab es eigene Ensembles für die verschiedenen Sparten. Das war in der Industriestadt Ludwigshafen finanziell nicht drin – auch schon vor dem Krieg. Theater-, Opern-, Operetten-, Musicalvorführen und Ballett konnten daher nur als Gastspiele im Pfalzbau stattfinden.

Trotzdem gelang es insbesondere Rainer Antoine in seiner Zeit als Pfalzbau-Intendant (1977-1985), ein vielfach gepriesenes Kulturprogramm im Pfalzbau zu etablieren. Bühnen und Ensembles vom internationalen Rang gastierten in Ludwigshafen: Ob Wiener Burgtheater, Züricher Schauspielhaus oder Moskauer Bolschoi-Ballett – alle standen im Pfalzbau auf der Bühne, was zudem ein Publikum von außerhalb der Stadt anzog. Auch Antoines Nachfolgern wie Michael Haensel gelang es zunächst, die Bedeutung des Hauses zu erhalten. Zwischen der Stadt Ludwigshafen und ihrem Intendanten führten Kürzungen des Budgets jedoch zunehmend zu Spannungen. Aus Spargründen kooperierte die Bühne mit dem Kaiserslauterner Pfalztheater.

In den 1990er-Jahren hatte sich die Finanzkrise in Ludwigshafen zugespitzt. Der Pfalzbau-Etat wurde 1999 von neun Millionen Mark auf knapp fünf Millionen Mark zusammengestrichen. Außerdem wurden nach einer Brandkatastrophe auf dem Düsseldorfer Flughafen mit 17 Toten und 88 Verletzten die Brandschutz- und Sicherheitsvorschriften für öffentliche Gebäude massiv verschärft. Dies betraf auch den Pfalzbau. Der Stadtrat beschloss 2004 die Sanierung des Gebäudes – andernfalls hätte die Schließung gedroht. Ferner sollten die Bühnentechnik und der Kongressbereich modernisiert werden. Die Bauarbeiten begannen 2005. Zwei Jahre war das Haus geschlossen. Der Theaterbetrieb wurde ins eigens umgebaute Corso-Kino in der Wredestraße ausgelagert.

Das Projekt dauerte immer länger und wurde immer teurer im Lauf der Jahre. Im September 2009 wurde schließlich die Wiedereröffnung groß gefeiert. 35 Millionen Euro hatte die Sanierung bis dahin gekostet. Ein Jahr später folgte die energetische Sanierung, das Gebäude bekam eine Wärmedämmung und moderne Fenster. Die Kosten lagen am Ende bei über 42 Millionen Euro.

Das sanierte heller gestaltete Foyer lässt die Architektur des „Altbaus“ bis heute modern erscheinen. Der Kongressbereich auf der Gebäudeseite zur Berliner Straße wirkt ebenfalls zeitgemäß. Tilman Gersch, seit 2015 Intendant des Pfalzbaus, ist es trotz weniger Mitteln gelungen, das Haus mit seinen Gastspielfestivals und gelegentlichen Eigenproduktionen attraktiv fürs Publikum zu machen. Er konnte dabei auf die Vorarbeit von Hansgünther Heyme zurückgreifen, der die Festspiele Ludwigshafen etablierte, zu denen international hochkarätige Tanztheater- und Schauspielproduktionen eingeladen werden. Auch Heyme schrieb Pfalzbau-Geschichte, unter anderem mit der „Ring“-Produktion mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und der Oper Halle. Am Ende fiel Heymes Abschied kontrovers aus, er hatte sich mit Teilen der Kommunalpolitik überworfen.

Stadtrat tagt im Konzertsaal

Der Pfalzbau ist nun 56 Jahre alt. Durch die Schließung und den Abriss des Rathaus-Centers findet hier mittlerweile auch Politik statt: Der Stadtrat tagt im Konzertsaal, dessen Ausschüsse im Kongressteil des Gebäudes. Sicher ist: Ohne den Pfalzbau würde Ludwigshafen das kulturelle Herz fehlen. In der letzten Saison war das Theater wieder fast so gut frequentiert wie vor der coronabedingten Schließung. 53.138 Besucher kamen in den Pfalzbau.

Unser Rätselbild ist aus einer ungewöhnlichen Perspektive an der Ecke zur Kaiser-Wilhelm-Straße aufgenommen worden. Die „gute Stube“ der Stadt haben dennoch 288 Leser erkannt. Das ist Rekord. Aus den richtigen Einsendungen haben wir zwei Gewinner ausgelost, die sich über zwei RHEINPFALZ-Kaffeetassen freuen können und von uns benachrichtigt werden: Birgit Schweisel aus Limburgerhof und Astrid Reuter aus Ludwigshafen. Das nächste „Wo isses?“ gibt’s im Dezember.

Das Rätselbild
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