Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinsames Musikmachen zeigt kulturellen Reichtum der Stadt auf

Mit zunehmender Intensität: der Sufi Verein Ludwigshafen mit Gesang und tanzendem Derwisch.
Mit zunehmender Intensität: der Sufi Verein Ludwigshafen mit Gesang und tanzendem Derwisch.

„So klingt LU“ hieß es zum zweiten Mal im Pfalzbau. Zu entdecken gab es dabei Musik, Tanz und gutes Essen aus verschiedenen Nationen, die doch alle zur Ludwigshafener Stadtgesellschaft gehören.

Schon am frühen Samstagnachmittag begann das Programm auf mehreren Bühnen, parallel dazu gab es Workshops, um selbst aktiv zu werden. „Wir alle sind die Stadt und wir füllen sie mit Leben“, sagte Beat Fehlmann, der Intendant der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, bei der Eröffnung. Der Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration, Joannis Chorosis, freute sich über die Teilnahme so vieler Ensembles und Vereine. Staatsphilharmonie und Migrationsbeirat haben das Festival in Kooperation gemeinsam organisiert.

Gleich nach der Begrüßung eröffnete der Erste Verein für Türkische Kunstmusik das musikalische Programm. Chor und Instrumentalisten pflegen Musik, die, im Unterschied zu Volksliedern, von namentlich bekannten Komponisten verfasst worden und deren Melodien und Texte überliefert sind. Der Verein wurde 1999 in Ludwigshafen gegründet, Vorläufer war eine Gruppe von Freunden türkischer Kunstmusik unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt.

Jeunesse Musicales im Kleinformat

Wer selber aktiv werden wollte, konnte das in einem eigenen Raum, wo sich Interessierte zu einem Ethno Camp der Jeunesse Musicales im Kleinformat trafen. Wie bei den zweiwöchigen Treffen auf Burg Lichtenberg im Kreis Kusel hatte Bernhard Vanecek die Leitung. Menschen aus unterschiedlichen Gegenden lernen dabei ohne Noten, nur nach Gehör, Lieder der anderen Teilnehmer. Allerdings kamen die Teilnehmer diesmal nicht aus aller Welt, sondern aus der weiteren Metropolregion. Aus dem Irak stammt eine musikalische Familie. Der junge Las Hama Aziz am Klavier eröffnete mit Beethovens „Für Elise“, die Geschwister Zambia und Salah Hussein kamen dann mit Gesang und Geige dazu, und gemeinsam spielten sie kurdische Lieder.

Ein besonderer Höhepunkt war der Auftritt des Sufi Vereins Ludwigshafen. Der Sufismus hat eine uralte Tradition, älter als der Islam. Wesentlich ist das Streben nach spiritueller Erfahrung durch Musik und Tanz. Bekanntestes Beispiel sind die Drehtänze der Derwische. Im Pfalzbau kam eine Gruppe traditionell gewandeter Männer auf die Bühne, die einen tanzenden Chor bildeten. Dazu gesellte sich ein Vorsänger und ein Trommler, sowie ein Mann in weißer Derwisch-Kleidung, der zuerst Flöte spielte. Es war faszinierend zu erleben, wie die Männer sich mit rhythmischem Atmen und Gesang in die Musik versenkten. Dabei war zu spüren, wie die Intensität zunimmt. In kurzen Silben und zunehmend raschem Atem entstand ein Rhythmus, zu dessen Höhepunkt der Derwisch in seinen Drehtanz ging. Auch der Chor bildete Figuren und bewegte sich zur Musik. Das Erlebnis dieser tranceähnlichen Meditation zog die Zuschauer in den Bann.

Begegnungen, die sonst nicht entstehen

Elsa und der Viertelton, das sind der syrische Oud-Spieler Samir Alhalabi, die Cellistin Isabel Eichenlaub und der Folkmusiker Peter Braun. Sie spielten und sangen ein Crossover aus Melodien und Stilen aus aller Welt und schafften dabei neue interessante Arrangements. Verblüffend gut klang Beethovens „Ode an die Freude“ mit Oud und arabischem Text, um nur ein Beispiel zu nennen.

Bis zum späten Nachmittag gab es noch weitere Ensembles, Workshops und Aufführungen, die sich nicht alle aufzählen lassen. Ein wichtiger Aspekt der Workshops war die Möglichkeit, für jedermann neue Tänze oder Musik anderer Kulturen kennenzulernen. Begegnungen anbieten, die sonst nicht entstanden wären, ist wohl der wichtigste Aspekt dieses Festivals. Zum Abschlusskonzert am Abend traten noch einmal acht Ensembles auf, darunter auch Colourage, das gemeinsame Projekt von Orientalischer Musikakademie, Popakademie und Staatsphilharmonie. Aufgeführt wurde auch die Zorbas-Suite von Mikis Theodorakis mit einem Projektchor und dem Orchester der Staatsphilharmonie.

Gibt es seit 1999: der erste Verein für Türkische Kunstmusik Ludwigshafen.
Gibt es seit 1999: der erste Verein für Türkische Kunstmusik Ludwigshafen.
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