Ludwigshafen
„Geld ist für mich zweitrangig“
Pascal Durak ist jetzt alleine. Vergangene Saison noch bildeten Durak, Jerome Müller und Kai Dippe das Spitzentrio bei den Straftapes. So ein Tape bekommt immer dann ein Spieler, wenn er etwas in der Kabine liegen lässt.
Am Sonntag bei der 25:26 (10:11)-Niederlage der Eulen Ludwigshafen gegen Aufsteiger Tusem Essen im Abstiegsduell der Handball-Bundesliga ließ Durak einige Chancen liegen – nicht nur er. Er verwarf in der 43. Minute einen Siebenmeter. Das ist ungewöhnlich für den 28 Jahre alten Rechtsaußen. Denn Durak ist ein sicherer Schütze. Vergangene Saison versenkte er beim 24:23-Sieg gegen Göppingen vier von vier Siebenmetern. Besonders dramatisch war der letzte Strafwurf. Denn es war das Siegtor zum 24:23. Beim 29:26-Erfolg in Stuttgart vor fast zwei Wochen zappelten ebenfalls alle Siebenmeter von Durak im Netz. In Stuttgart erwischte der Student der Betriebswirtschaftslehre an der SRH in Heidelberg einen Sahnetag. Sieben Tore steuerte Durak zum Auswärtssieg bei.
„Entweder ich zerreiße mir den Kopf oder blende es aus“
Die Sicherheit bei den Siebenmetern ist das Ergebnis zielgerichteter Arbeit und Nervenstärke. „Max Neuhaus und ich üben intensiv im Training“, sagt Durak: „Mir ist bewusst, welcher Druck da auf einem lastet, aber ich habe zwei Möglichkeiten. Entweder ich zerreiße mir den Kopf oder ich blende die Situation völlig aus.“
Die Niederlage gegen Essen ließ sich nicht so einfach beiseite wischen. „Das war ein Spiel, das wir gewinnen müssen“, betonte Durak: „Essen wusste mehr, worum es geht.“
Pascal Durak weiß auch, worum es diese Saison bei den Eulen geht. Und er weiß, was er will. Sportlich soll abermals der Klassenverbleib erreicht werden. Zudem geht es um die Zukunft des Rechtsaußens. Sein Vertrag endet im Juni. Mit dem neuen Trainer Ceven Klatt hat sich Durak schon ausgetauscht. „Die Eulen sind meine Heimat“, sagt er: „Die Gespräche sind gut gewesen. Geld ist für mich eher zweitrangig. Mir geht es um Familie und Freunde.“
Durak posiert nackt für den Eulen-Kalender
Die hat Durak in der Region gefunden. Mit Kai Dippe ist er befreundet, spielte viele Jahre mit ihm in Leuterhausen und Ludwigshafen. Auch nach Dippes Karriereende pflegen beide engen Kontakt. Durak lebt in Sandhausen. Mit seiner Freundin Julia hat er sich einen Hund zugelegt. Abbey hat bei Durak einen Sinneswandel erzielt. „Ich war früher nie der Spaziergänger“, gibt Durak zu: „Doch mit Abbey fahren wir in die Weinberge.“
Pascal Durak ist ruhiger geworden. Vor Jahren ließ er es mal krachen – und sich nackt fotografieren. Bei einem Fotoshooting für den Eulen-Weihnachtskalender ließ Durak die Hüllen fallen. „Niemand wollte sich ausziehen. Weil ich einige Tattoos auf meinem Körper habe, wurde ich dazu mehr oder weniger gedrängt“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Es wurden ästhetische Aufnahmen des Siebemeterspezialisten. Nun aber lässt Durak es gemächlicher angehen. Mit Julia kocht er viel – und gesund. Sein Studium wird er bald beenden. Und vielleicht werden es ja auch weniger Straftapes.