Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gebären verboten: der Kurzfilm „2030“

Mannheim als ideale Kulisse: Silviana Ursu (von links), Tim Eickhoff und Tim Grau bei den Dreharbeiten zu dem Kurzfilm „2030“.
Mannheim als ideale Kulisse: Silviana Ursu (von links), Tim Eickhoff und Tim Grau bei den Dreharbeiten zu dem Kurzfilm »2030«.

Zwei junge Filmemacher aus Rheinhessen blicken weit voraus. „2030“ heißt ihr erster Kurzfilm, und der Titel benennt das Jahr, in dem er spielt. Der 21-jährige Tim Eickhoff und der ein Jahr jüngere Timo Martens haben ihn im Oktober in Mannheim gedreht.

Emily, die Hauptfigur des Films, wohnt im Mannheimer Victoria-Turm und kennt noch die alte Welt, bevor ein totalitäres Regime die Macht übernommen hat. Als ein Test anzeigt, dass sie schwanger ist, fangen ihre Probleme an. Denn „das Austragen von Kindern wird polizeilich verfolgt“, wie wir erfahren. Emily muss aufpassen, dass ihr Zustand von niemandem entdeckt wird. In der Öffentlichkeit ohnehin, aber auch zu Hause, wo Computer Felix sie so gut bedient wie überwacht. Sie möchte das Kind bekommen und dann nichts wie weg aus der Stadt. „Wenn du da bist, dann fahren wir aufs Land, nur du und ich“, verspricht sie dem Ungeborenen.

„Es geht um die Liebe zwischen Mutter und Kind“, erläutert Tim Eickhoff, der das Drehbuch zusammen mit Timo Martens geschrieben hat. „Wie weit reicht diese Liebe und gibt es Grenzen?“ Diese Fragen haben ihn fasziniert, und er findet es erstaunlich, was Mütter für ihre Kinder alles tun, sagt er. „Seiner“ Emily in „2030“ sei freilich nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich aussetzt, wenn sie sich für ihr Kind und gegen das alles beherrschende System entscheidet.

„2040“ ist schon geplant

Bereits zu Schulzeiten in Ingelheim hätten Timo Martens und er sich geschworen, bis spätestens 2025 einen gemeinsamen Kinofilm auf die Beine zu stellen, berichtet Tim Eickhoff. Nach ein paar kürzeren, action- und effektreichen Filmen wie „Top Secret“ oder „Incident“ sei ihr 20-Minüter „2030“ nun ein erster größerer Schritt, der zeige, was bislang möglich sei. Wenn alles gut läuft, soll möglichst ein weiterer Kurzfilm nachfolgen, der unter dem Titel „2040“ noch ein Jahrzehnt weiter in die Zukunft blickt. „Langfristig haben wir schon noch vor, einen langen Film zu drehen. Wir denken aber, dass es gut passt, wenn wir uns dem schrittweise annähern.“

Als Hauptdarstellerin konnten die Nachwuchsfilmer die ausgebildete Schauspielerin Silviana Ursu gewinnen und eine kleine Nebenrolle als Arzt mit dem Mediziner und ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Wieland Schinnenburg besetzen. Ihr Kameramann, der Speyerer Tim Grau, brachte den Bingener Tim Eickhoff und den Schwabenheimer Timo Martens schließlich auf den Drehort Mannheim.

Crowdfunding für die Postproduktion

Gerade der Victoria-Turm und die Neubauten drumherum erwiesen sich hier als geeignet. „Weil das einfach sehr modern ist und damit sehr gut in den Film reingepasst hat“, wie Tim Eickhoff urteilt. Nur eine Szene, gedreht im Stadtteil Schwetzingerstadt, passt nicht in dieses architektonische Umfeld. Sie führt jedoch inhaltlich in die Vergangenheit, nämlich in ein Antiquitätengeschäft und Antiquariat, in dem Emily heimlich ein altes Buch über Hausgeburten ersteht.

Um ihren Science-Fiction-Film, der mit wenigen Dialogen auskommt, nachbearbeiten und fertigstellen zu können, suchen Tim Eickhoff und Timo Martens nun Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform Startnext (startnext.com/2030). „Wir haben viel investiert, aber auch einiges an Kosten noch offen“, erläutert Eickhoff. „Jeder Euro hilft uns weiter, unserem Ziel ein Stück näherzukommen, unseren Film international zeigen zu können.“

x