Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Friesenheim: Letzter Vorhang für Rhenania-Theatergruppe

„Kleine Morde erhalten die Erbschaft“ führten die Laienschauspieler vor der Corona-Pandemie auf.
»Kleine Morde erhalten die Erbschaft« führten die Laienschauspieler vor der Corona-Pandemie auf.

Alles Hoffen konnte es am Ende nicht verhindern: Die Theatergruppe vom Club Rhenania 05 Friesenheim wird sich auflösen. Einen besonderen Kerwe-Auftritt gibt es aber noch, bevor die Requisiten abgegeben werden.

Der Stadtteil Friesenheim muss künftig auf einen weiteren liebgewonnenen Verein verzichten. Nach dem Sportverein Concordia im vergangenen Jahr, hört nun auch die Theatergruppe mit all ihren Laienschauspielern, Technikern, Souffleusen und Helfern auf. Im Jahr 2020 sagte der Vorsitzende Hans Kätsch noch: „Wir können nur hoffen, dass wir unseren Vorhang im nächsten Jahr wieder für unser Publikum öffnen können.“ Die Pandemie hat auch die Theatergruppe ausgebremst. Die Saison 2021 musste abgesagt werden, ebenso wie jene im darauffolgenden Jahr.

Zwar habe man damals mit „Pension Goldener Herbst“ ein Theaterstück gehabt, doch die kurze Vorbereitungszeit und Eingliederung neuer Schauspieler sei einfach zu kurz gewesen – die Rhenania-Theatergruppe beschloss, die Aufführung in das nächste Jahr zu verschieben. Doch nach Corona kam die Energiekrise, und es stellte sich die Frage, ob man den großen Saal überhaupt richtig warm bekommen würde. Und vor allem: zu welchem Preis? Zudem kam die Frage auf, ob die Menschen überhaupt den Mut haben würden, Veranstaltungen zu besuchen?

Die Idee von jungen Männern

Die Anzahl der Aktiven in dem 1905 gegründeten Verein ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Einst gegründet als Vergnügungsclub Rhenania Friesenheim, startete man mit 41 Mitgliedern. Begonnen hat in den Anfangstagen alles mit ein paar jungen Männern, noch nicht ganz 18 Jahre alt. So ist es zu lesen in der Gründungsgeschichte des Vereins. Damals wollten sie den Faschingsball des Turnvereins Friesenheims verschönern, doch das hat nicht allen gefallen – die jungen Männer sollen deshalb drei Tage lang eingesperrt worden sein.

Aus Ärger traten sie daraufhin aus dem Verein aus und beschlossen, einen neuen zu gründen. Dessen Ziel: die Pflege von Theater, Musik und Gesang. Und weil die jungen Männer gerade am Rhein saßen, als sie diese Idee hatten, einigten sie sich auf den Namen Rhenania. Der Verein wuchs und wurde zum festen Bestandteil im Ortsteil.

Schluss nach 118 Jahren

Nun, nach 118 Jahren, sind nur noch zwei Hände voll aktiver Mitglieder übrig geblieben. Gabriele Kerth und Hans Kätsch stehen im dritten Obergeschoss des Friesenheimer Luftschutzbunkers zwischen den Requisiten des Vereins und lassen die letzten Jahre Revue passieren. Einiges hat sich hier angesammelt. Die Räume sind gefüllt mit Bildern, Kostümen, Technik und Möbeln. Auch ein Stück RHEINPFALZ findet sich dort: ein recht großer Schreibtisch, der einst in einem Direktorenzimmer in der Amtsstraße stand. Im Theaterstück „Verzeihung, Herr Ministerpräsident“ war dies der Schreibtisch des Politikers.

Ihre Requisiten musste die Theatergruppe für Aufführungen regelmäßig in die SVF Halle in Friesenheim transportieren – und auch auswärts hat der Club mehrmals gespielt. Kätsch, der seit 25 Jahren der Vorsitzende ist, zeigt auf eine kleine Holzsäule: „Das kann man öffnen – da hatten wir immer unseren Schnaps drin“, sagt er und lacht. Nun gilt es, diesen Requisiten eine neue Heimat zu geben. Der Verein öffnet aus diesem Grund am 30. September die Türen im Bunker, und interessierte Besucher dürfen sich Gegenstände, die ihnen gefallen, mitnehmen.

Allerletzter „Vorhang“

Einen allerletzten „Vorhang“ gibt es für die Aktiven des Vereins bei der diesjährigen Friesenheimer Kerwe: Gezeigt wird das seit zwei Jahrzehnten nicht mehr aufgeführte Eulenspiel. Es gibt wieder den Rochus zu sehen, der einst zu tief ins Glas schaute und dem die Friesenheimer den Namen „Eulen“ zu verdanken haben.

Termin

Requisitenabgabe: Samstag, 30. September, 14 bis 17 Uhr, im Bunker am Otto-Buckel-Platz in Friesenheim.

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