Handball
Friesenheim-Hochdorf: Zu Hause eine Macht
Schon Sekunden vor dem Abpfiff gab es kein Halten mehr. Als dann der Schlussgong ertönte, stürmten seine Mitspieler auf ihn zu. Mika Schwenken hatte damit nicht gerechnet, aber in den Sekunden nach der Partie herzten ihn seine Kameraden, wie schon lange nicht mehr. Der Torhüter, der in der 14. Minute, den an diesem Abend gefrusteten Keeper Roko Peribonio ablöste, brachte mit seinen Paraden seine Vordermannschaft so richtig in Schwung.
Finessenreiche Gäste
Zu diesem Zeitpunkt lag seine Mannschaft 6:10 zurück, nachdem Saarlouis mit einem finessenreichen Tempospiel der mHSG keine Chance gelassen und sie zunächst überrollt hatte. Das änderte sich. Zwar drückte die HG weiter aufs Tempo, aber erst scheiterte Marcel Becker, dann Kreisläufer Wladislav Kurotschkin und Tom Paetow am jungen Südpfälzer.
Die Folge: Die Gäste nahmen aufgrund der mangelhafte Wurfausbeute das Tempo raus, die Schützlinge von mHSG-Trainer Gabriel Schmiedt konzentrierten sich auf ihre Stärken. Immer wieder forderte er, diszipliniert und fokussiert zu bleiben. Dabei mussten die Gastgeber diesmal noch auf ihren bisher erfolgreichsten Torschützen Luis Maier, der krankheitsbedingt fehlte, verzichten.
Tolle Eigenschaften
So kam die mHSG dank enormer Kampfbereitschaft und Moral bis zur Halbzeit dem Ausgleich näher. Dazu parierte Schwenken einen Siebener gegen Lars Weißgerber, dem Ex-Profi, der 2022/23 bei HSG Wetzlar unter Vertrag stand. „Wir kamen nicht gut ins Spiel, Saarlouis hat uns mit seinem Tempospiel überrascht. Damit hatten wir nicht gerechnet, wichtig war, dass wir weiterhin an uns geglaubt haben. Und in der Halbzeit hatten wir uns fest vorgenommen, das Spiel zu drehen“, sagte Marcel Reis.
Der 21-jährige Student der Sportwissenschaften erwies sich auch als idealer Passgeber zum Kreis, wo Kapitän Nicola Sorda und Simon Schwarz die Lücke zu Toren nutzten. So traf Schwarz zur ersten Führung (16:15, 33.), donnerte Malte Dorra mit einem sensationellen Unterarm-Wurf aus der zweiten Reihe den Ball in den gegnerischen Torwinkel.
Fans euphorisiert
Da waren die eigenen Fans aus dem Häuschen. Die Aufholjagd setzte sich fort. Saarlouis mit dem qualitativ gut besetzten Kader setzte wenig entgegen. Selbst die zeitweise Manndeckung gegen Torjäger Mihailo Ilic, der neun Mal traf als auch gegen Jan Philipp Winkler brachte nichts. Die mHSG blieb fokussiert, fand gegen jede taktische Maßnahme der Gäste die passende Antwort und baute ihren Vorsprung aus.
„Saarlouis war körperlich stärker als wir, aber wir haben es geschafft, trotz den schwachen ersten Minuten, uns auch in der Abwehr deutlich zu steigern. Mika hat uns da sehr geholfen“, meinte Ilic. Als Schwenken den nächsten Siebenmeter von Weisgerber beim Stand von 26:22 parierte, schien die Partie gelaufen.
Prägende Figur
Mit 18 Paraden war der 22-jährige Landauer eine der prägenden Figuren der Partie. Aber Saarlouis gab sich noch nicht geschlagen. In der Tat. Durch das Überzahlspiel nach den Hinausstellungen gegen Reis und Winkler kamen sie in der 55. Minute nochmals zum 29:29. Dann zeigte Matthias Meyer, der Neuzugang aus dem Talentschuppen des SC DHfK Leipzig, Herz und traf zur erneuten Führung.
Die Partie blieb eng, nachdem die Gäste egalisierten. Saarlouis setzte auf Manndeckung. Dann entschied sich das Trainerteam Schmiedt/Malte Metz auf die letzte taktische Maßnahme. Sie holten Moritz Schultz vom Feld, brachten Allrounder Reis, Spezialist bei offener Manndeckung, der den Ball lange führen kann, dazu auch das Auge für seine Mitspieler hat. Und sein Zuspiel auf Nicola Sorda saß.
Der Kapitän traf zum 31:30, dem Simon Schwarz nach eigener Balleroberung per Gegenstoß das 32:30 folgen ließ. Da gab es auf den Rängen kein Halten mehr. Erst recht, als die beiden Eigengewächse Mihailo und Reis zum 34:32 erneut trafen.