Ludwigshafen Flüchtlinge: Die Lage ist ernst

Der Zustrom von Flüchtlingen ist ein Dauerthema in der Stadt. 436 kamen im Vorjahr, rund 700 sollen es im laufenden Jahr sein. Im Fokus steht dabei die Frage, wo all diese Menschen untergebracht werden sollen. Dass das Leben mit den Asylbewerbern indessen etliche weitere Probleme mit sich bringt, darum ging es am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion, zu der die Ludwigshafener CDU eingeladen hatte.
Ort der Veranstaltung: der Emmi-Knauber-Hort in der Bayreuther Straße im Stadtteil West, in direkter Nachbarschaft zu den Wohnblocks am Ende der Straße, in denen Obdachlose untergebracht sind, seit 2013 schon aber auch Flüchtlinge. Den Ort für die Diskussionsrunde habe man bewusst gewählt, sagte Peter Uebel, sozialpolitischer Sprecherin der CDU-Stadtratsfraktion. Es sei ein Ort am Rande der Stadt, und das in vielerlei Hinsicht. Auf dem Podium hatten derweil Platz genommen: Simone Muth, Leiterin des gastgebenden Horts, Daniel Kirschner, Konrektor der Realschule plus am Ebertpark, Hubert Boßle, Leiter der Berufsbildenden Schule Technik 2, Evi Weber, Gleichstellungsbeauftragte der DJK Oppau, sowie Johannes Hucke von der Straßensozialarbeit der Ökumenischen Fördergemeinschaft. Sie alle waren von Uebel aufgefordert, „offen und unverblümt“ über ihre alltäglichen Erfahrungen mit Asylbewerbern beziehungsweise mit Flüchtlingen zu berichten. In den folgenden rund eineinhalb Stunden entstand dabei ein Bild, das insbesondere von erheblichen Schwierigkeiten bei der Kommunikation erzählte, aber auch von fehlenden Kapazitäten, räumlich wie personell, in den Schulen wie auch im Hort, und ganz allgemein von fehlenden langfristigen Lösungen im Umgang mit den zahlreichen Neuankömmlingen. Sozialarbeiter Hucke berichtete zudem von „Verteilungskämpfen“ zwischen Alteingesessenen in den sozialen Brennpunkten in der Bayreuther Straße und der Kropsburgstraße in Mundenheim. Dort seien die Bewohner schlecht auf die Unterbringung auch von Flüchtlingen vorbereitet worden. Wenn das auch weiterhin versäumt werde, mahnte Hucke, „dann wird’s dort ernst“. Eine Schlägerei zwischen zwei größeren Personengruppen am vergangenen Freitag in Mundenheim, bei der mehrere Menschen verletzt worden waren (wir berichteten), habe damit im Zusammenhang gestanden, bestätigte der Straßensozialarbeiter auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Unproblematisch scheint die Integration von Flüchtlingen derweil allein im Bereich des Sports zu sein. Schließlich seien fehlende Sprachkenntnisse da kein Hinderungsgrund, stellte Evi Weber fest. „Man kann einfach dabei sein, sich etwas abschauen, es nachmachen und so mitmachen.“ Ihr sei jedenfalls kein Fall bekannt, wo es ernstliche Probleme gegeben habe. Vieles andere beim Einleben der Flüchtlinge – auch das ein Ergebnis der Diskussion – braucht Zeit. Weshalb Kirschner und ebenso die evangelische Dekanin Barbara Kohlstruck, die als Zuhörerin dabei war, an die politisch Verantwortlichen appellierten, sich von kurzfristigen Angeboten für die Neuankömmlinge zu verabschieden und langfristig zu planen. Als Beispiel nannte Kirschner Deutsch-Sprachkurse an den Schulen. Diese, so der Pädagoge, müssten schnellstmöglich fest institutionalisiert werden. (mko)