Ludwigshafen Fauler Salat und frohe Schnecken
Dass es erst sehr feucht war und dann sehr heiß, habe die Pflanzen generell sehr stark wachsen lassen, berichtet Ernst-Jürgen Bauer, Sprecher des BASF Kleingartenvereins Friesenheim. Die Folgen davon waren ganz unterschiedlich. „Meine Zucchini haben das gar nicht vertragen“, sagt Bauer. Sobald sie ein bisschen zu viel Schatten gehabt hätten, seien sie verfault. Und das schon am Beginn des Wachstums, in noch ganz geringer Größe. Auf der anderen Seite hätten seine Johannisbeeren von dem Wetter profitiert. „Ich hatte dieses Jahr extrem große Früchte.“ Sehr schön gewachsen seien in diesem Jahr auch seine Artischocken. Ein Fiasko erlebte Bauer wiederum mit seinem Eisbergsalat. „Ich hatte zum ersten Mal richtig schöne runde Köpfe, oben geschlossen“, sagt Bauer. Als seine Frau ein kleines Exemplar habe ernten wollen, habe sie gemerkt, dass der Kopf von innen heraus verfault gewesen sei. Was genau die Ursache sei, könne er nicht sagen. Ins Schwärmen kommt Bauer, wenn er über den Wein in seinem Garten spricht. „Zwei fantastische Rebsorten, weiß und rot, die resistent gegen die meisten Krankheiten sind.“ Dagegen sei eine Rebe, die er von seinem Schwiegervater habe, anfällig für falschen Mehltau. Die Kirschessigfliege habe er bei den Weintrauben nicht festgestellt, sagt Bauer. Allerdings hätten andere Mitglieder mit Kirschbäumen im Verein darunter gelitten. Ein Kleingärtner sei traurig, dass es dieses Jahr mit dem Kirschwein wohl nichts werde. Aber neben Parasiten habe auch der mangelnde Bienenflug im Frühjahr insgesamt für wenig Früchte gesorgt, sagt Bauer. Grund seien die Feuchtigkeit und die kühlen Temperaturen gewesen. Die Kirschen schon faul am Baum, so erlebte Karl-Heinz Kleinlein, Vorsitzender des Kleingartenbauvereins Große Blies in Mundenheim den Sommer. „Den einen Tag habe ich sie noch gegessen, am nächsten Tag waren sie hin.“ Damit hatte er dieses Jahr keinen richtigen Spaß an seinen Süßkirschen. „Da hilft nur absammeln, einrechen und weg damit.“ Auch Gemüse sei dem unverhältnismäßig vielen Regen zum Opfer gefallen. Zudem Zierpflanzen unter dem Regen gelitten. „Die sind einfach kaputtgegangen.“ Gut sehe es dagegen bei der zweiten Generation Himbeeren und den Äpfeln aus. Frust überfällt ihn allerdings, wenn er zu einer weiteren Schneckenexpedition zwischen den Beeten aufbrechen muss. „Ich frage mich, wohin ich die vielen Nacktschnecken noch entsorgen soll.“ Kein Glück mit ihren Kirschen hatte dieses Jahr auch Andrea Ernst, Vorsitzende des Kleingartenbauvereins Oppau-Edigheim. „Die Kirschen sind mir fast alle am Baum verfault“, sagt Ernst. „Einer meiner zwei Bäume mit Sauerkirschen ist immer ein bisschen früher reif, da konnte ich ein paar retten.“ Jetzt hofft sie auf nächstes Jahr, das ruhig so ausfallen könnte wie 2015 – mit einer guten Ernte. Allerdings stuft sie die Wettersituation in diesem Jahr als nicht so dramatisch ein. „Ein bisschen Schwund ist immer“, sagt Ernst. Das betreffe auch die Salate, die teilweise verfault waren. Nicht retten kann sie sich unterdessen vor reifen Brombeeren, die von der Kirschessigfliege offenbar weitgehend in Ruhe gelassen wurden. „Ich weiß gar nicht mehr wohin damit.“ Wenn es aber eines gebe, was der feuchte Sommer der ganzen Gartenanlage unabhängig vom jeweils angebauten Obst oder Gemüses beschert habe, sei es das Unkraut. „Das wächst ohne Ende, ist völlig aus dem Ruder gelaufen“, sagt Andrea Ernst.