Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Eulen Ludwigshafen im freien Fall

Ein Bild, das Bände spricht: Ratlos, angesäuert und voller Frust kauern das Trainerteam und Eulen-Spieler auf der Bank.
Ein Bild, das Bände spricht: Ratlos, angesäuert und voller Frust kauern das Trainerteam und Eulen-Spieler auf der Bank.

Michael Biegler hat in seiner Karriere viel erlebt. Aber solch einen Samstagabend hat der 61 Jahre alte Interimscoach des Zweitligisten Eulen Ludwigshafen selten erfahren. Bei der 24:32-Niederlage in Ferndorf führen die Gastgeber den Bundesliga-Absteiger zeitweise vor. Das Team ist mental am Boden und der Coach grantelt.

„Die Niederlage war in der Höhe verdient. Wir waren nicht da“, schimpfte Michael Biegler. Der akribische Arbeiter war angefressen, weil er seit seinem Amtsantritt an Ostersonntag keine Möglichkeit auslässt, die gestrauchelte Mannschaft wieder zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Es war die zwölfte Niederlage in dieser Saison. Die Eulen sind nur noch acht Punkte von den Abstiegsrängen entfernt – Mittelmaß statt Meisterschaft.

Die Art und Weise, wie die Eulen in Ferndorf auftraten, gibt Rätsel auf. Biegler wird wieder Einzelgespräche führen müssen. „Es gibt einige Spieler, die glauben, mit wenig Aufwand viel erreichen zu können“, stellte Biegler fest. Deshalb ordnete der Trainer am Sonntagvormittag Training an. Da dürfte auch Geschäftsführerin Lisa Heßler dabei gewesen sein, die den desolaten Auftritt in Kreuztal miterlebt hatte.

„Es gibt Einiges aufzuarbeiten“, meinte Christian Klimek. Der Eulen-Kreisläufer tauschte sich nach der Partie in den Katakomben der Sporthalle Stählerwiese umgehend mit dem Trainer aus. Der Routinier, der nach dem neuerlichen Ausfall von Max Haider wieder über 60 Minuten ran musste, war ebenso, wie seine Mitspieler, ratlos. „Wir waren heute nicht bereit. Wir haben den Kampf nicht angenommen“, bemängelte der zweifache Familienvater Klimek.

Viele Ursachen für blamablen Auftritt

Die Ursachen für den blamablen Auftritt scheinen vielschichtig zu sein. Das Selbstvertrauen oder die Leichtigkeit den Ball laufen zu lassen, sind abhanden gekommen. Das Auftreten war zu statisch, zu bewegungsarm. Woran das lag? Fakt ist, der blutleere Auftritt war der Tiefpunkt der Saison. Dem widersprach auch Pascal Durak nicht. „Wir waren nicht bereit, unsere Hausaufgaben zu erledigen. Wir bekommen nicht das auf die Platte, was wir trainieren“, sagte Durak: „Diese Niederlage fühlt sich echt beschissen an.“ Der 29 Jahre alte Rechtsaußen, der nach langer Verletzungspause wieder in der Mannschaft angekommen ist, schüttelte immer wieder den Kopf. „Eigentlich war es unser Ziel, keine neuen Baustellen mehr zuzulassen. Aber das war heute ein Schritt zurück. Und wir haben neben der Riesenbaustelle Angriff weitere aufgemacht“, betonte Durak mit Blick auf die vielen einfachen Toren der Gastgeber. „Wir machen uns Handball gerade so kompliziert. Dabei sollen wir einfach nur den Ball laufen lassen“, sagte Durak.

Der Trainerwechsel scheint jedenfalls zu verpuffen. „An ihm liegt es nicht, das liegt ganz allein an uns“, ist sich Mittelmann Max Neuhaus mit Durak einig. Die Eulen befinden sich mental am Boden. „Wir haben weder den Kampf angenommen und dann auch viel zu früh die Köpfe hängen lassen“, bedauerte Neuhaus. Ferndorf führte die Eulen zeitweise vor, zeigte nach der deutlichen Niederlage in Eisenach ein ganz anderes Gesicht.

„Es hat heute alles gepasst, wir wussten, dass der Gegner aktuell einige Probleme hat. Aber wie meine Jungs das heute gemacht haben, das war hervorragend“, sagte Coach Robert Andersson.

Für die Eulen wird es nicht einfacher. Schon am Mittwochabend gastiert der THSV Eisenach in der Friedrich-Ebert-Halle. Jene Mannschaft, die seit dem Trainerwechsel nun auf dem fünften Platz steht und die letzten drei Partien erfolgreich gestaltete.

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