Ludwigshafen „Es ist einfach schön, Leute zu versöhnen“
Immer wieder kommt es unter Nachbarn zu heftigen Streitigkeiten. Bevor diese Streitfälle vor Gericht landen, muss nach einem seit 2008 gültigen Landesgesetz ein Schlichtungsversuch von einer neutralen Schiedsperson unternommen werden. Diese ehrenamtlichen Schiedspersonen werden von den Gebiets-Gemeinden vorgeschlagen. Im Bezirk des Ludwigshafener Amtsgerichts sind nun vier neue Schiedspersonen ernannt sowie zwei bisherige Streitschlichter nach fünf Jahren Amtszeit mit großem Dank verabschiedet worden.
Weil der Bezirk des Amtsgerichts in Ludwigshafen auch Teile des Rhein-Pfalz-Kreises umfasst, standen am Mittwoch Personalwechsel für Kreis-Gemeinden auf dem Programm. Als stellvertretender Schiedsmann für Dannstadt/Schauernheim übernimmt künftig Uwe Schölles die Funktion von Christoph Saliba, der ausscheidet. Als Schiedsfrau geht hier Gabriela Hilf in eine zweite Amtszeit. In Mutterstadt rückt Elke Laforce-Biebinger von der offiziellen Stellvertreterin zur Schiedsfrau auf, nachdem der bisherige Schiedsmann Gerhard Gminsk verstorben war. Die Stellvertretung übernimmt in Mutterstadt Carmen Jakoby. Ausgeschieden als stellvertretende Schiedsperson in Neuhofen ist Gisela Kluger. „Schiedspersonen sind für uns eine wichtige Institution und bringen in einigen Fällen Entlastung für die Gerichte“, würdigte Amtsgerichtsdirektor Bernd Schwenninger bei der Einführung ihre Rolle. Die Ernennung von Schiedspersonen erfolge auf Vorschlag des jeweiligen Gemeinderats. Voraussetzung sei ein Mindestalter von 30 Jahren, so Schwenninger. „Ich habe meine Amtszeit verlängert, weil es einfach schön ist, Leute zu versöhnen“, nennt Schiedsfrau Gabriela Hilf ihr Motiv. Als selbstständige „Harmonietherapeutin“ bringt sie ideale berufliche Voraussetzungen mit. In den vergangenen Jahren habe sie pro Jahr zehn bis 15 Streitigkeiten betreut und 90 Prozent der Fälle geschlichtet, erzählte sie. In der Regel Nachbarschaftsstreitigkeiten, auch schon mal Beleidigungen. „Die meisten sind froh, wenn nach Jahren des Streits eine Versöhnung stattfindet“, stellt sie fest. Für ihren Stellvertreter Uwe Schölles bleibt da nicht so viel zu tun. „Aber manchmal ist man besser zu zweit“, meinte der Versicherungsfachmann, der sich auch als Vorsitzender des Gewerbevereins und der SPD-Fraktion seiner Heimatgemeinde engagiert. „Ich war bisher Stellvertreterin, aber wir in Mutterstadt sind gleichberechtigt und teilen uns die zwei Sprechstunden pro Monat auf“, berichtet Elke Laforce-Biebinger. In diesem Jahr habe sie bisher zehn Schiedsverhandlungen gehabt und neun „Tür-Angel-Beratungen“, wie sie es nennt. Ihre Erfolgsquote liege bei 50 bis 60 Prozent. Was die Streitparteien hinterher machen, ob sie nicht doch noch vor ein Gericht ziehen, das erfahre sie aber nicht, sagt die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin. Juristische Vorkenntnisse sind für das Amt jedoch keineswegs notwendig. Es gibt nur die Verpflichtung, die Aufgabe gewissenhaft und unparteiisch zu erfüllen.