Ludwigshafen Es gibt noch viel zu tun

In Ludwigshafen ist noch viel zu tun: Dieses Fazit hat der kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Hans-Joachim Weinmann, nach einem knappen Jahr im Amt bei der gestrigen Sitzung des Beirats für Menschen mit Behinderung gezogen. Als Nächstes sind eine App für einen barrierefreien Stadtplan und ein Flyer mit Angeboten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung geplant.
In seinem ersten Jahr im Amt hat Hans-Joachim Weinmann viele Kontakte geknüpft und zahlreiche Einrichtungen besucht, die mit oder für Menschen mit Behinderung arbeiten. So ist er beispielsweise in die Modernisierung der Stadtbibliothek involviert. „Wie sieht ein behindertengerechter Zugang aus, wie komme ich im Haus weiter, wie gelange ich zum Behinderten-WC?“, nannte er einige Beispiele für seine Arbeit. Immer wieder würden auch Einzelfälle an ihn herangetragen. Wie der Zuschuss für eine Sehhilfe, über den mit der Krankenkasse gestritten wurde, oder die Eingruppierung in eine andere Pflegestufe. Besonders aufgeregt hat ihn die Deutsche Bahn: Ein junger Rollstuhlfahrer kam am S-Bahnhof Mitte nicht vom Bahnsteig herunter, da der Aufzug defekt war. Der Vorschlag der Mitarbeiter am Service-Point in der Walzmühle: Der Mann solle mit dem nächsten Zug nach Mannheim fahren und dort in den Gegenzug steigen, da der Aufzug auf dem anderen Bahnsteig funktioniere. Weinmann beschwerte sich bereits Pfingsten bei der Bahn, die sich allerdings erst meldete, nachdem er die Presse informiert hatte. Momentan bereitet der Beirat einen Flyer vor, der auf zwei DIN A4-Seiten Verbände, Vereine und Institutionen und ihre Angebote für Menschen mit Behinderung auflisten wird. Vielleicht ist dieser bereits im September fertig, wenn sich der Beirat für Menschen mit Behinderung erstmals auf dem Oggersheimer Aktionstag „Ganz normal anders“ in der Öffentlichkeit präsentieren wird. Die städtische Psychiatriekoordinatorin Andrea Hilbert stellte die Verfahrensabläufe für schutzbedürftige, orientierungslose und demenzkranke Menschen in Ludwigshafen vor. Wird ein orientierungsloser Mensch in der Öffentlichkeit angetroffen, ist die Polizei in der Regel der erste Ansprechpartner. Meist seien die Menschen bekannt oder die Identität lasse sich schnell feststellen, berichtete Hilbert. Andernfalls kämen sie in das Krankenhaus Zum Guten Hirten, das als psychiatrische Klinik einen Versorgungsauftrag hat und zur Aufnahme solcher Personen verpflichtet ist, wie der Vorsitzende des Beirats, Sozialdezernent Wolfgang van Vliet (SPD), erläuterte. „Wir sind in Ludwigshafen als Gesellschaft in Bezug auf Menschen mit Demenz gut aufgestellt“, zog Andrea Hilbert ein positives Fazit. Der stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Richard Wagner, stellte die geplante barrierefreie App vor, die die Hochschule Ludwigshafen programmieren wird. Bereits jetzt sind auf dem Stadtplan Ludwigshafens im Internet Behindertenparkplätze, öffentlich zugängliche Behindertentoiletten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen eingezeichnet, die sich dann auch in der App wiederfinden sollen. Wagner beantragte, wenigstens in einem der städtischen Bäder einen Lifter zu installieren. Behinderte kämen zwar in die Bäder, aber ins Wasser könnten sie nicht. (rad)