E-Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Erste virtuelle Fifa-Stadtmeisterschaft in der Eberthalle

Fußball im Rechteck statt im Stadion – das Computerspiel Fifa ist weltweit ein Renner.
Fußball im Rechteck statt im Stadion – das Computerspiel Fifa ist weltweit ein Renner.

Die erste Fifa-Stadtmeisterschaft im E-Sport in der Friedrich-Ebert-Halle ist spärlich besucht. Nur wenige Zuschauer kommen. Auch halten sich die Teilnehmer noch etwas zurück. Das aber trübt die Freude des Organisators Eulen Ludwigshafen sowie der 50 Starter nicht. Eine Torwand und ein Tischkicker sorgen für Aufheiterung und Abwechslung. Der „Oldie“ im Feld sagt, was so besonders ist.

Es ist ein bisschen was los in der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen. Rund 50 Fifa-Spielerinnen und Spieler sind gekommen, um das Computerspiel Fifa 2022 zu „zocken“. „Nur“ 50, denn eigentlich planten die Eulen mit circa 70 Teilnehmern. „Dass es dann doch weniger wurden, hat natürlich etwas mit Corona zu tun und auch mit dem guten Wetter“, meint Andreas Krasusky, E-Sport-Mitarbeiter der Eulen.

Die Spielfreude bei den Sportlern ist dennoch nicht getrübt. Die, die gekommen sind, haben viel Spaß. Einer von ihnen hatte keine allzu weite Anreise: Michael Heim aus Friesenheim. Der 31 Jahre alte Fußballer hatte durch Bekannte vom Turnier erfahren. Ein Profi ist er nicht im E-Sport. „Für mich ist Fifa ein Hobby und Zeitvertreib. Es macht mir halt Spaß“, sagt Heim.

Eigentlich hatte der „Oldie“ unter den Teilnehmern damit gerechnet zur Bundesligakonferenz um 15.30 Uhr wieder zu Hause zu sein und seine Freiburger zu schauen. Doch er kam weiter. Im Viertelfinale ist Endstation für Heim, der im virtuellen Spiel Fifa seinen Lieblingsverein SC Freiburg gewählt hat.

Mit Holstein Kiel ins Finale

Mit seiner Entscheidung, ein eher unbekannteres Team zu steuern, ist er nahezu alleine. Die meisten seiner Konkurrenten wählen die Top-Vereine aus den besten Ligen Europas. So sind Duelle zwischen Real Madrid gegen den FC Bayern, oder Ajax Amsterdam gegen Barcelona nicht selten.

Da fällt einer wie Heim auf. Ein anderer Sportler, der sich für ein Team, das sogar in der Zweiten Liga spielt entschied, ist Moritz Leiner aus Oggersheim. „Mozzy071“, wie er sich in Fifa nennt, schaffte es mit Holstein Kiel bis ins Finale.

„Es war anstrengend, und ich zittere auch etwas“, gibt der Sportler zu. „Mozzy071“ hat Unterstützung mitgebracht. „Meine Kumpels machen auch mit“, sagt Leiner. Sie hätten sich ohne weiteres auch für ein Team aus der Zweiten oder Dritten Liga entscheiden können, denn das Turnier findet im sogenannten „90er Modus“ statt. „Da sind alle Spieler vom Torwart bis zu den Stürmern so angepasst, dass sie einen Durchschnittswert von 90 erreichen“, erklärt Krasusky. Der sorge dafür, dass beispielsweise Holstein Kiel genauso gut ist, wie der FC Bayern. „Da kommt es auf die eigene Leistung an. Es ist wichtig für das Turnier, dass gleiche Voraussetzungen geschaffen werden“, betont der Verantwortliche der Eulen.

Diese nutzt Leiner von Beginn an. Im „Swiss-Ladder Modus“ gewann er alle drei Spiele zum Start des Turniers. Dieser Modus bestimmt die ersten Begegnungen. Im ersten Spiel noch Zufall, spielen in der zweiten Partie die jeweiligen Gewinner und die jeweiligen Verlierer gegeneinander. Anschließend spielen dann die Gewinner, die Verlierer und die mit jeweils einer Niederlage und einem Sieg gegeneinander.

Fair Play steht ganz oben

Die besten 32 spielen dann die K.o.-Runde. Eingezogen in eben jene ist Michael Heim. Für ihn ist das Besondere am Turnier vor allem die Stimmung und die Fairness. „Die Gegner sind alle total nett. Fair Play steht wirklich an oberster Stelle“, berichtet er, während er von einem anderen Sportler für seinen Sieg im Achtelfinale beglückwünscht wird.

Auch für die Phasen zwischen den Begegnungen ist etwas geboten für die Sportler. Die Partner der Eulen haben eine Torwand und einen Tischkicker organisiert. „Wir haben auch eine Körperfettwaage“, sagt Krasusky. Die verschiedenen Spielerlebnisse inklusive des Wettbewerbs sorgen für einen kurzweiligen Tag.

Ebenfalls etwas Besonderes für die besten Sportler des Turniers sind die Live-Übertragungen ihrer Spiele auf den beiden Leinwänden in der Halle und dem Streamingdienst „Twitch“. Dort ist auch das Finale zu sehen, das „Interfreak30“ im Duelle gegen Leiner für sich entscheidet.

Vielleicht ist er auch im kommenden Jahr wieder mit dabei, um seinen Titel zu verteidigen. Eine Wiederholung ist in Planung. „Es war eine gelungene Veranstaltung, die noch viel Potenzial hat“, befand Krasusky.

Zur Sache

Was ist E-Sport

Die Bezeichnung E-Sport steht für elektronischer Sport und dieser wird daher meist an einem Computer oder an einer Spielekonsole wie der PlayStation oder der X-Box ausgetragen. Wie in jeder normalen Sportart, treten auch im E-Sport einzelne Sportler oder Teams gegeneinander an. Diese duellieren sich in Spielen wie Fifa, Counter Strike, Overwatch oder Fortnite – es handelt sich dabei also nicht zwingend um Sportspiele. Echtzeit-Strategiespiele und sogenannte Ego-Shooter sind am Beliebtesten. In jedem Spiel gibt es, ebenfalls wie im echten Sport, Ranglisten, in der sich Sportler Liga-Punkte erspielen, oder, im Turnier-Modus, eine Runde weiterkommen. Diese Turniere werden wie Sportveranstaltungen vor Zuschauern ausgetragen und gefilmt. In Deutschland erfreut sich E-Sport immer größerer Beliebtheit, sodass mittlerweile sogar Fußball-Proficlubs wie Borussia Dortmund, der FCK, die TSG Hoffenheim auf den Zug aufsprangen und eigene E-Sport-Teams oder Abteilungen gründeten. Weltweit wurden 2020 947 Millionen Dollar mit E-Sport umgesetzt, 2024 sollen es 1,6 Milliarden Dollar sein. Der Däne Johan Sundstein ist der Top-Verdiener unter den E-Sportlern. 7,2 Millionen Dollar hat er bislang an Preisgelder kassiert.

Es wurde auch real gezockt und nicht nur virtuell.
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Die Spiele wurden live übertragen.
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50 Teilnehmer nahmen teil.
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