Ludwigshafen Ernst Merkel erwartet bei OB-Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Interview: Oberbürgermeisterin Eva Lohse (60) wird 2017 nicht mehr für eine dritte Amtszeit kandidieren. Die CDU will kommende Woche einen Ersatzkandidaten präsentieren. Mit Parteichef Ernst Merkel (66) haben wir über die Lage der Partei, den Verlust von Galionsfiguren und die schwierige Nachwuchssuche gesprochen.
Aus unserer Sicht gibt es keinen Favoriten. Wir gehen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Steinruck und unserem Kandidaten aus, den wir kommende Woche der Öffentlichkeit vorstellen werden. Und am Ende hoffe ich, dass unser Kandidat gewinnen wird. Warum haben Sie bisher nicht gesagt, wen Sie anstelle von Lohse ins Rennen schicken wollen? Ihr Kandidat ist doch gar nicht übel, oder? (lacht) Wir haben vereinbart, dass wir die Erklärung von Eva Lohse nicht mit einem Nachfolgekandidaten koppeln. Das gebührt der Respekt vor Eva Lohse und dem Amt. Was sagen Sie zu dem Gerücht, dass Peter Uebel der CDU-Kandidat wird? Ich kenne ihn, er ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und ein kluger Kopf. Und? Mehr muss man jetzt nicht sagen. Warum hat Eva Lohse so lange gewartet, bis Sie ihren Rückzug bekanntgegeben hat? Hatten Sie Probleme bei der Kandidatensuche? Nein, wir hatten überhaupt keine Probleme. Die CDU hat rechtzeitig die Weichen in ihrer Personalpolitik gestellt. Das werden wir nächste Woche verdeutlichen. Wir haben uns frühzeitig um eine Nachfolge für Eva Lohse gekümmert. Erfolgt die Nominierung eines neuen Kandidaten nicht zu spät? Abzüglich Advents- und Fasnachtszeit sowie der Ferien bleiben ihm nur noch ein paar Monate für den Wahlkampf. Unser Kandidat lebt seit Jahrzehnten in Ludwigshafen, war schon bei vielen Veranstaltungen, ist dadurch bereits bekannt und gut vernetzt. Unser Kandidat kennt die Probleme der Stadt und ihrer Bürger. Weil er ein bekannter Arzt und sozialpolitischer Sprecher der CDU ist? Weil er aktiv Politik betreibt und ein führender Kopf der CDU ist. Sie haben noch vor einigen Monaten gesagt: „Wenn Frau Lohse antritt, werden wir die Wahl gewinnen.“ Nun tritt sie nicht mehr an. Wie stehen jetzt die Chancen auf einen Wahlsieg der CDU? Ich hoffe: 55:45 für unseren Kandidaten. Als Sie persönlich von Eva Lohse gesagt bekamen, sie werde nicht mehr antreten, wie haben Sie da reagiert? Für mich war es keine ganz große Überraschung. Mich verbindet eine Freundschaft mit Eva Lohse und ihrer Familie. Sie hat als OB eine Sieben-Tage-Woche mit 14 bis 16 Stunden täglicher Arbeitszeit. Ich weiß, dass sie sich sehr darauf freut, wieder mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Sie kann nach 16 Jahren im Amt sagen, dass sie alles für die Stadt getan und viel erreicht sowie als OB mit der Städtetagspräsidenschaft auch bundesweit Karriere gemacht hat. Sie hat ihr Soll zu mehr als 100 Prozent erfüllt. Die CDU verliert mit Eva Lohse und der Bundestagsabgeordneten Maria Böhmer auf einen Schlag zwei Galionsfiguren. Setzt dies die Partei unter Druck? Dass Eva Lohse aufhören will, war schon seit einigen Monaten im kleinen Kreis bekannt. Als Parteichef sucht man dann Alternativen, und da liegen wir gut im Zeitplan. Aber Maria Böhmers Ausstieg hat Sie doch kalt erwischt? Das war ganz kurzfristig. Viele hatten dann erwartet, dass CDU-Bezirksvorsitzender Christian Baldauf der Nachfolgekandidat sein könnte. Als er sich aber für Mainz und gegen Berlin entschied, mussten wir schnell reagieren und haben mit Torbjörn Kartes einen sehr guten Kandidaten gewinnen können. Sie selbst wollen als CDU-Vorsitzender im kommenden Jahr aufhören. Wird Sie Heinrich Jöckel beerben? Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Ich werde noch den Wahlkampf als Kreisvorsitzender mitmachen und nach der OB- und der Bundestagswahl aufhören. Dann wird mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin gewählt. Es gibt genügend geeignete Kandidaten. Wie sieht denn Ihre langfristige Personalplanung für den Nachwuchs in Spitzenfunktionen aus? Gibt es da genügend qualifizierte Leute? Eine Partei kann man nicht mit einem Unternehmen vergleichen, bei dem es eine mittelfristige Personalplanung gibt. In einer Partei läuft es auf kommunaler Ebene ehrenamtlich. Die finanziellen Anreize sind gering. Man muss die politische Tätigkeit mit Familie und Beruf unter einen Hut bringen – und das ist nicht einfach. Wir haben deshalb einige Nachwuchsleute abgeben müssen. Aber wir haben auch versucht, externen Quereinsteigern Chancen für den Einstieg zu bieten. Von Einsteigern zu Aussteigern: Es ist schwer vorstellbar, dass Eva Lohse statt OB künftig nur noch Oma sein wird, oder? Das kann ich mir auch nur schwer vorstellen – wobei es sehr schön ist, als Großeltern gebraucht zu werden. Ich habe selbst drei Enkel und genieße das sehr. Aber ich vermute, dass es bei Eva Lohse neben der Rolle der Oma auch Reisen und vielleicht auch eine Aufgabe im ehrenamtlichen Bereich geben wird.