Ludwigshafen
Engelhorn-Hochhaus: Seit zehn Jahren ist das Wahrzeichen verschwunden
Im Dezember 1954 fand die Grundsteinlegung für das Friedrich-Engelhorn-Hochhaus statt. Knapp zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte die BASF in der vom Krieg zerstörten Stadt ein Zeichen: Das imposante Bürogebäude zeugte von der wiedererstarkten Größe und Bedeutung des Chemiekonzerns. Mit einer Höhe von exakt 101 Metern und 63 Zentimetern war es seinerzeit das höchste Gebäude Deutschlands und sollte es bis 1962 bleiben.
Am 21. März 1957 wurde der Büroturm eingeweiht, es war eines der ersten modernen Hochhäuser, die im Nachkriegsdeutschland gebaut wurden. Die Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg vom Düsseldorfer Architektenbüro HPP hatten das nach dem BASF-Firmengründer Friedrich Engelhorn benannte Hochhaus auf einer Grundfläche von 25 auf 56 Metern entworfen. Es zählte 28 Etagen, die sich in 20 Bürogeschosse, zwei Kellergeschosse, vier Turmgeschosse und ein Dachgeschoss aufteilten. Die Nutzfläche betrug über 23.000 Quadratmeter.
Murano-Mosaiksteine
„Das ist ein fabelhafter Bau. Ludwigshafen wird herrlich und modern“, hatte ein Ludwigshafener in der Zeit des Wiederaufbaus auf einer Postkarte geschwärmt. Mit seiner von Murano-Mosaiksteinen überzogenen Fassade und der vorgelagerten Eingangshalle mit ihrem kühn geschwungenen Dach setzte es auch ästhetisch Maßstäbe. Die Presse feierte es seinerzeit als „Symbol des Aufbauwillens“ und „Industrie-Walhall in Ludwigshafen“. Für das BASF-Werk, die Stadt und die Region wurde es zum Wahrzeichen. Amerikanischen Beobachtern erschien das Hochhaus als ein Zeichen für das neue, freie Deutschland, sagt Stadtarchivar Stefan Mörz.
1996 wurde das Friedrich-Engelhorn-Hochhaus erstmals im größeren Stil modernisiert. Damals verschwand die charakteristische Vorhang-Fassade mit ihren über elf Millionen kleinen Mosaiksteinchen hinter einer vorgehängten Fassade aus Aluminium und Glas. Zwölf Jahre später begannen umfassende Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an E 100, wie das Hochhaus werksintern genannt wurde. Beim Bau waren Asbest und PCB verwendet worden – zwei Baustoffe, von deren Gefährlichkeit man in den Fünfzigerjahren noch nichts wusste. Im September 2011 kamen Schäden an der Fassade hinzu, die mit einem Netz verhüllt wurde. So wollte man – ähnlich wie bei der Hochstraße Nord – ein Herabfallen von Bauteilen verhindern.
800 Mitarbeiter ziehen aus
Ein Jahr später zogen alle 800 Mitarbeiter, die im Engelhorn-Hochhaus gearbeitet hatten, in andere Büros um, die sich teils außerhalb des Werks befanden. Der Plan sah damals noch vor, das denkmalgeschützte Gebäude bis zum 150-jährigen Bestehen der „Anilin“ 2015 zu sanieren. Doch der Konzern entschied sich schließlich dafür, die Sanierung aus Kostengründen abzubrechen.
Als im Oktober 2012 dann die Nachricht vom geplanten Abriss aufgrund gravierender Bauschäden an tragenden Konstruktionsteilen kam, waren viele Ludwigshafener geschockt. Die damalige Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) sprach von einer „ganz bitteren Nachricht für die Stadt“. Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz setzte sich vergeblich für den Erhalt des Gebäudes ein. Die BASF begründete den Abriss mit den Sanierungskosten, einem „deutlichen dreistelligen Millionenbetrag“.
Heute Brachfläche
Im Juni 2013 erteilte die Denkmalschutzbehörde schließlich die Abrissgenehmigung, verbunden mit einigen Auflagen. So mussten etwa Mosaike des Künstlers Rolf Müller-Landau im 21. Obergeschoss des Hauses sichergestellt werden. Im August 2013 begann der Abriss, Ende 2014 war das Gebäude Geschichte. Die Stadtoberen verließen sich auf das Versprechen der BASF-Führung, ein neues Wahrzeichen zu bauen. Doch der vom Konzern geplante Hochhaus-Ersatzbau wurde nie realisiert. Heute erinnert nur noch eine Brachfläche am Tor 2 an die Stelle, wo das einstige Wahrzeichen stand.
Mit der Bedeutung und der Geschichte des Hochhauses setzt sich nun ein umfangreiches, 280 Seiten starkes Buch auseinander. Es wurde von Historikern und Kunsthistorikern des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt erarbeitet. „Es ist voller interessanter Fakten und Geschichten und gut lesbar. Architekturfans und Menschen, die mit dem Hochhaus als Wahrzeichen oder Arbeitsplatz gelebt haben, wird eine Menge Anschauungsmaterial geboten“, lobt Stadtarchivar Mörz. Über 300 großteils farbige Abbildungen geben Einblicke in den Bau und Betrieb des Hochhauses – dem einstigen Wahrzeichen der Stadt.
Termin
Das Buch wird am Freitag, 29. November, um 17 Uhr im großen Saal des Stadtarchivs, Rottstraße 17, von Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU) und den Autoren vorgestellt. Im Buchhandel und im Stadtarchiv kann man das Werk für 40 Euro erwerben. Am Abend der Vorstellung wird Käufern einmalig ein Rabatt von fünf Euro eingeräumt.