Die Kirchenkolumne aus der Stadt Eine Hoffnungsgeschichte in dunkler Zeit

Josef D. Szuba
Josef D. Szuba

Lichter werden angezündet, Geschenke verteilt. Es wird gesungen und gebetet. Die Kinder spielen. Es herrscht eine fröhliche Stimmung. Wir verbinden diese Beschreibung mit dem Heiligen Abend in der Familie. Doch ganz ähnlich läuft das Fest ab, das die Juden in der kommenden Woche weltweit begehen. „Chanukka“ – so heißt dieses Lichterfest, das acht Tage lang gefeiert wird.

Dramatisches Ereignis

Es erinnert an ein dramatisches Ereignis der Geschichte. Im dritten Jahrhundert vor Christus droht dem jüdischen Volk – wie später noch so oft – die Auslöschung. Sie sollen ihre alte Religion aufgeben und sich den modernen Zeiten anpassen, dem sogenannten Hellenismus.

Das Land wird mit Krieg überzogen. Jerusalem belagert, der Tempel entweiht, der Sabbat verboten. Aber die Juden wissen sich zu wehren. Sie erobern Jerusalem zurück und reinigen den Tempel, um wieder Gottesdienst zu feiern.

Siebenarmiger Leuchter

Als sie den siebenarmigen Leuchter anzünden wollen, finden sie in einem Krug aber nur noch eine geringe Menge Öl. Es reicht kaum für einen Tag. Trotzdem entzünden sie das erste Licht und siehe – das Wunder geschieht! Das wenige Öl reicht für ganze acht Tage, bis wieder genug frisches Öl zubereitet und geweiht worden ist.

Bis heute feiern die Juden die Erinnerung an die Tempelweihe. Jeden Tag zünden sie am Chanukka-Leuchter eine weitere Kerze an. Die acht Kerzen verweisen auf die göttliche Befreiung. In einer schier aussichtslosen Situation hat Gott sein Volk vor der Auslöschung bewahrt. Die wachsende Flamme der Hoffnung besiegt die Dunkelheit.

In den kommenden Wochen entzünden wir nacheinander die Kerzen am Adventskranz. Wir freuen uns an ihrem Schein und können in den Psalm 27 einstimmen, den wir – wie so vieles andere – der jüdischen Tradition verdanken: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens. Vor wem sollte mir bangen?“

Der Autor

Josef D. Szuba (60) ist Pfarrer in der Pfarrei Hl. Katharina von Siena.

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