Ludwigshafen Ein Waschbrett an Karfreitag?
«Mutterstadt.» Sonntage und Feiertage sind prima, man hat einen Tag frei. Was an einem Feiertag aber gefeiert wird, das wissen heute immer weniger Menschen. Bernd Mikoteit von der Evangelischen Freikirche Mutterstadt findet das schade. Zusammen mit der protestantischen und der katholischen Kirchengemeinde hat er deshalb vom 15. bis 19. November im Pfarrer-Jakob-Fuchs-Haus der Gemeinde eine Ausstellung über Feiertage organisiert: „Goldene Zeiten – die Wiederentdeckung der kirchlichen Feiertage“.
Bei der Schau geht es nicht um trockene Wissensvermittlung. Ein bisschen Rätselraten und interessante Mitmach-Aktionen machen die Ausstellung vielmehr äußerst spannend. Die Besucher bekommen eine Broschüre, in der sie Wissenswertes zu den neun Stationen nachlesen können und machen sich dann auf den Weg durch die Schau. Da ist beispielsweise eine Tafel mit einem Dosenöffner und dem Wort „Angerichtet“. Am dazu gehörigen Stand kann man heimische und exotische Früchte zuordnen und probieren. Welcher Feiertag könnte das wohl sein? Das ist eine der leichteren Übungen. Erntedank liegt da nahe. Aber wofür bitte steht das Bild eines Waschbretts mit dem Wort „Geschrubbt“? Was hat Uromas Waschbrett mit Karfreitag zu tun? Was wird da denn gewaschen? Oder warum wird Ostern mit einem Nussknacker und der Aufschrift „Geknackt“ auf einem der Ausstellungsplakate dargestellt? Das gilt es herauszufinden. Viele interessante Aktionen und Spiele helfen dabei. Auch der Sonntag wird zum Thema einer Station. Für Deutsche ist es selbstverständlich, dass dieser Tag frei ist. Aber warum eigentlich? In der Ausstellung wird er durch einen Kopfhörer und das Schlagwort „Ausgeschaltet“ symbolisiert. Teilnehmer können sich an der dazugehörigen Station auf eine Liege legen, einen Kopfhörer und eine Augenmaske aufsetzen und mal so richtig entspannen. „Versuchen Sie mal so abzuschätzen, wann zwei Minuten um sind. Das ist gar nicht einfach“, sagt Bernd Mikoteit. An jeder der Stationen hängt eine Beschreibung, wie der Feiertag entstanden ist und was er bedeutet. Mitglieder der Kirchengemeinden stehen für Erklärungen und Fragen zur Verfügung. Das Ausstellungsmaterial kommt von der Arbeitsgemeinschaft „Aktion: In jedes Haus“ aus Radevormwald. „Ich hatte schon lange die Idee für eine solche Ausstellung“, erzählt Mikoteit. Im Jubiläumsjahr – 1250 Jahre Mutterstadt, 500 Jahre Kirchturm der protestantischen Kirche und 30 Jahre evangelische Freikirche in Mutterstadt – habe es sich angeboten, das als ökumenische Veranstaltung zu organisieren. Immer wieder erlebe er, wie Leute in Fernsehumfragen nicht mehr erklären können, was an kirchlichen Feiertagen eigentlich gefeiert wird. Weihnachten und Ostern bekämen viele ja noch irgendwie hin, aber mit Pfingsten oder gar dem Buß- und Bettag könnten die meisten nichts mehr anfangen, erzählt Mikoteit. „Unser Grundgesetz beruht auf dem christlichen Glauben. Feiertage sind ein Bestandteil davon und gehören dazu. Es ist wichtig, dass die Leute das wissen, und zwar alle Leute, die bei uns leben“, sagt er. Dazu soll die Ausstellung beitragen. Mikoteit freut sich besonders, dass sich auch einige Schulklassen angesagt haben. Öffnungszeiten Ausstellung „Goldene Zeiten“ im Pfarrer-Jakob-Fuchs-Haus, Untere Kirchstraße 7, Mutterstadt. Öffnungszeiten: Mittwoch, 15., und Freitag, 17. November, 14 bis 18 Uhr, Donnerstag, 16. November, 14 bis 20 Uhr, Samstag, 18. November, 10 bis 16 Uhr, und Sonntag, 19. November, 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.