Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein warmer Abend mit Gregor Meyle im BASF-Feierabendhaus

Hat das Lagerfeuer-Diplom: Gregor Meyle.
Hat das Lagerfeuer-Diplom: Gregor Meyle.

Kaum ein Popkonzert passt so gut in die Adventszeit wie das von Gregor Meyle: Alles ist warm und kuschelig, alle haben sich lieb. Auch im ausverkauften BASF-Feierabendhaus.

„So schää“ findet Gregor Meyle den Pfälzer Dialekt, und die Menschen sind alle so freundlich. Vielleicht gibt es ohnehin eine Seelenverwandtschaft mit der Pfalz: Meyle hat einen Weinberg gepachtet, vertreibt dessen Erzeugnisse, und er hat Kochbücher geschrieben. So jemand muss einfach sympathisch sein! Und sein Konzert wirkt wärmend für das Gemüt der vielen Fans, deren Begeisterung ihn durch das ganze Konzert trägt.

Es ist die „unplugged“-Tour, mit der Meyle in Ludwigshafen Station macht. Christian Herzberger setzt mit seiner Geige einige Akzente in Intros und schönen Soli, Meyle selber spielt akustische Gitarre, nicht virtuos, aber das Lagerfeuer-Diplom hat er sicher. Gitarrist Markus Vollmer spielt hauptsächlich elektrisch, aber es macht sich sehr gut, wenn er zum Beispiel zur Mandoline greift. Und es wird auch ein Kontrabass gezupft, das Keyboard klingt gerne mal nach akustischem Klavier. Alles zusammen ergibt einen mehr oder minder elektro-akustischen Pop-Sound, aber der wirkt besonders gut, wenn die Arrangements ein bisschen nach Folk klingen. Handwerklich ist das alles sehr gut gemacht, der Sound ist eher wuchtig als filigran, aber das ist man als Pop-Hörer so gewohnt. Und nicht zuletzt braucht man auch einen gewissen Druck, um den ganzen Saal zum Aufstehen zu bringen.

Große Gefühle

Wer zu einem Meyle-Konzert kommt, weiß schon, dass das nicht durchgängig eine Rock ’n’ Roll-Party wird. Gewünscht und auch geboten wird Singer-Songwriter-Pop, der vor allem gefühlig und authentisch sein soll. „Authentisch“ ist im ganzen Pop ein Zauberwort, das schon der Praktikant der popeligsten Presseagentur am ersten Tag lernt, zusammen mit „charismatisch“. Musik verkaufen kann jeder – man muss Gefühle verkaufen, um es zu etwas zu bringen.

Und Gregor Meyle hat das zu seinem Motto gemacht: „Ein guter Musiker fühlt, was er spielt“ ist der erste Satz seiner ersten offiziellen Künstlerbiografie. Und Gregor Meyle fühlt ganz viel und gießt seine Gefühle in seine Lieder und Texte. „Ich habe 120 Songs in 17 Jahren geschrieben, ich weiß gar nicht, wie das passiert ist“, sagt er in Ludwigshafen. Er plaudert viel mit dem Publikum, das macht ihn nahbar und sympathisch. Er wirkt wie ein Kumpel, der von sich erzählt und im Lauf des Abends auch wie ein Kumpel nach der zweiten kräftigen Weinschorle: Er redet manchmal auch ein bisschen viel. Von einer Verflossenen, der er selbstverständlich ein Lied gewidmet hat, von seiner Tochter, die so schnell so groß geworden ist, von seinem Auftritt im Drachenkostüm bei „The Masked Singer“ und immer wieder mal von seiner Mama, die er jedes Mal mit Fingerzeig himmelwärts „da oben“ verortet, wo seine Hippie-Mama „den Laden schmeißt und Konzerte mit Hendrix, Lennon und Bowie“ organisiert.

Jede Pfarrgemeinde wäre neidisch

Ob diese drei dereinst eines hoffentlich fernen Tages Gregor Meyle als ihresgleichen ansehen und mitsingen lassen, können wir natürlich nicht wissen. Bis dahin haben aber, wie in Ludwigshafen, ganz viele Fans mitgesungen, textsicher und mit lodernder Begeisterung. Da wird aufgestanden auf Wunsch, mitgeklatscht, mitgesungen, dass jede Pfarrgemeinde neidisch wäre. Und es gibt auch Momente der Besinnung. „Jetzt denken wir bitte mal an alle Menschen, denen es nicht so gut geht“, bittet Meister Meyle. Und alle senken kurz die Köpfe, bis es nach kaum zehn Sekunden mit einem fröhlichen Liedchen weitergeht – ohne Fürbitten. Das Programm geht ohne Pause über zwei Stunden durch, zwischendurch immer mit ein bisschen Stehgymnastik, was den Kreislauf in Schwung hält. Der Künstler und seine bestens aufgelegte Band werden geradezu frenetisch gefeiert, und es geht selbstverständlich in die Zugaben.

Der Abend hat etwas von Glühwein: sehr warm, sehr süß, und wer es nicht gewohnt ist, fühlt sich hinterher ein bisschen benommen.

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