Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein monumentales Geschenk

Der Monumentalbrunnen auf dem Ludwigsplatz vor der Restaurierung um 1900.
Der Monumentalbrunnen auf dem Ludwigsplatz vor der Restaurierung um 1900.

Besondere historische Gebäude aus vergangenen Zeiten besitzt eine vergleichsweise „junge“ Großstadt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wie Ludwigshafen nicht. Was einst als besonderes künstlerisches Werk der Öffentlichkeit präsentiert worden war, fiel schon nach wenigen Jahrzehnten auf Beschluss der Kommunalpolitik der Spitzhacke zum Opfer: Der „Ludwigsbrunnen“, der einst auf dem Ludwigsplatz an der Stelle des heutigen „Café Laul“ dem Stadtgründer König Ludwig I. von Bayern gewidmet war.

Da der im Stil des späten 19. Jahrhunderts konzipierte Monumentalbrunnen 1938 im Zuge der „Stadtverschönerung“ einer Umgestaltung des Ludwigsplatzes weichen musste, verschwand das damals allerdings ohnehin etwas umstrittene Kunstwerk aus dem Blickfeld – heute wäre es ein echter „Hingucker“. Wie er einmal aussah, zeigt das 110 Zentimeter hohe Modell des Brunnens in Silber, das mittlerweile auf dem bayerischen Schloss Hohenschwangau aufbewahrt wird – und eine alte Fotografie aus dem Ludwigshafener Stadtarchiv.

Das Brunnen-Monument sollte ursprünglich gar nicht in Ludwigshafen aufgestellt werden. Das Riesenteil war nach den Plänen des Architekten als Brunnen für die Industrie- und Gewerbeausstellung 1896 in Nürnberg vorgesehen. Dort wurde es auch für diese Ausstellung installiert. Doch hinterher wollten die Nürnberger das Kunstwerk schnell wieder los werden, weil es nicht in ihr städtebauliches Konzept passte. Davon hörte Jakob Ritter von Lavalle, der umtriebige Direktor der Pfälzischen Eisenbahnen. Dem kam die Idee, das überlebensgroße Werk aus Franken nach Ludwigshafen zu holen.

Dort stieß der mit seinem Vorhaben auf offene Ohren, denn ein Kreis von Wittelsbach-Verehrern hatte sich schon längst zusammen gefunden, um mit eigenen Mitteln ein Denkmal zu Ehren des Namensgebers der Stadt, dem Bayern-König Ludwig I., zu schaffen.

Mit der kostenlosen Überlassung des Brunnen-Denkmals aus Nürnberg schlugen die cleveren Ludwigshafener zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Monument, für das nur der Transport aus Franken in die Pfalz zu zahlen war, war gleichzeitig ein Geburtstagsgeschenk der Stadt Ludwigshafen für den bayerischen Prinzregenten Luitpold, der damals Regierungschef auch der Pfalz war und – so die Dokumente aus dieser Zeit - „hierzulande sehr beliebt“ war. Der Prinzregent spielte mit und gab seine Zustimmung auch für „Korrekturen“ an dem Brunnen wie eine Änderung der Inschriften und der auf die Stadt zugeschnittenen Darstellungen an dem Kunstwerk.

1938 abgetragen

Am 6. September 1897 kam er sogar höchstpersönlich an den Rhein zur feierlichen Einweihung dieses Erinnerungswerks für seinen Vater. Doch der Brunnen auf dem Ludwigsplatz war damals nicht unbedingt jedermanns Geschmack. So „moserte“ der in Ludwigshafen geborene Philosoph Ernst Bloch humorlos: „Männerköpfe, Wappensprüche, Säulen, Nischen, Urnen, Kränze, Schiffchen, Kronen, Bronze, Becken, Obelisk - alles im mickrigsten Ausmaß...“ Obendrein sei das Kunstwerk grau, gelb, weiß, rot, weil es sämtliche Sorten des pfälzischen Sandsteins erhalten sollte.

Wie dem auch sei: Das etwa sechs Meter hohe Monument stand über 40 Jahre lang auf dem Nordteil des Ludwigsplatzes mit Blick zum nahen Hauptbahnhof, ehe es 1938 abgetragen wurde. Heute wäre es – so es den Zweiten Weltkrieg überstanden hätte – ein interessanter Blick in die künstlerische Vergangenheit der Stadt.

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