Ludwigshafen Ein Garten für den Unterricht
Gartenstadt. In der Niederfeld-Grundschule ist am Samstag in einer fröhlichen Feierstunde der neue Lern- und Lebensgarten eingeweiht worden. Der Garten zeigte sich in der Sonne von seiner schönsten Seite. Bienen und Schmetterlinge umschwirrten die Blüten, und die Kinder hatten zur Einweihung kleine Theaterstücke vorbereitet, in denen sie von ihrem Garten erzählten.
Alles begann im Sommer 2015, berichtete Schulleiterin Nicola Heinemann. Die Schule bewarb sich für die Jubiläumsspende der BASF mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Konzept für einen Lehr- und Lebensgarten, dessen Ziele und Aufgaben über die des herkömmlichen Schulgartens hinausgehen: Er sollte einen ganzheitlichen Ansatz haben und in möglichst viele Schulfächer eingebunden sein – von Sachkunde bis Mathematik Das Konzept entstand in Teamarbeit: Schulleiterin Heinemann war für den pädagogischen Teil zuständig, die gärtnerischen Aspekte steuerte die gelernte und erfahrenen Gärtnerin Doris Wambsganß bei. Sie und ihr Ehemann Wolfgang haben ehrenamtlich auch einen Großteil der praktischen Arbeit bei Aufbau des Gartens übernommen, natürlich zusammen mit den Kindern. Sie seien auch sonst „nahezu unentbehrliche ehrenamtliche Stützen unserer Schule“, sagte Heinemann. Das Preisgeld, das ihnen mit diesem Konzept sicher war, bildete die Anschub-Finanzierung. Auch vom Peterhof in Hanhofen kamen viele Pflanzenspenden. Noch im Herbst ging es los: Das Areal musste aufgeräumt und gesäubert werden, ein großer, mehrteiliger Komposthaufen wurde nach allen Regeln der Gärtnerkunst angelegt und eingeweiht. Im Winter bauten die Kinder Vogelhäuschen und stellten für die Vögel Meisenknödel nach Rezept her, mit denen sie den Geschmack der gefiederten Gäste getroffen haben. Denn sie wurden laut Doris Wambsganß gut angenommen. Dann kam der Frühling und damit die Hauptarbeitszeit: Hochbeete wurden gebaut, ein Gartenhaus errichtet. Beides ging nicht ohne genaue Berechnungen, die die Kinder selbst gemacht hatten. Die vier Hochbeete sind gefüllt mit Erdaushub, der vor Ort angefallen war, denn auch die Verwendung von allem, was auf dem Grundstück anfällt, gehört zum Konzept dazu. Gemischte Pflanzengesellschaften wachsen in den Hochbeeten und zeigen, was sich miteinander verträgt und was nicht. Gelernt haben die Schüler: Lässt man Nutzpflanzen, die nicht geerntet wurden, in Ruhe, wachsen sie weiter und blühen – Salat etwa. Im nächsten Schuljahr sollen Bienen einziehen. Am Zaun stehen vertikale Gärten, selbst gefertigt aus Euro-Paletten, bestückt mit Blumenkästen mit Kräutern. Für die Ferien haben die Kinder einen Gießplan erarbeitet, damit ihre Pflanzen nicht verdursten. Alev Gök, die zuständige Lehrerin für den Garten, habe auch schon einiges gelernt: Geduld, von der sie früher wenig hatte. „Es macht soviel Spaß mit den Kindern“ sagt Doris Wambsganß. „Am Anfang haben sie sich geekelt, die Erde war für sie Dreck. Jetzt wissen sie, die Erde ist Leben. Und was die Kinder, vor allem die mit Migrationshintergrund, alles an neuen Begriffen lernen mussten: Rindenmulch, Häcksel, Regenwurm.“ Nahezu kein Fach komme ohne den Gartenbezug aus, und sogar Schulhund Paul darf mit in den Garten.