Ludwigshafen Ein fröhlich kunterbunter Iran
Bereits vor 50 Jahren spielte Günther Maria Halmer am Bayerischen Staatsschauspiel München. 1974 erlebte er seinen Durchbruch als windiger „Tscharlie“ in Helmut Dietls TV-Kult-Serie „Münchner Geschichten“. Jetzt hat der Schauspieler zum ersten Mal das Ludwigshafener Filmfestival besucht, um die deutsch-iranische Fernseh-Romanze „Liebe auf Persisch“ vorzustellen. Laut Produzent Ivo-Alexander Beck handelt es sich um die erste deutsche Produktion, die seit der Islamischen Revolution 1979 im Iran gedreht werden konnte.
„Das sind ja Dimensionen wie in Hollywood hier!“ Halmer zeigte sich beeindruckt, als er vor 1200 Zuschauern im vollbesetzten Kinozelt stand. „Das habe ich nicht erwartet. Ich kenne das Münchner Filmfest, aber da sind immer nur so 300 bis 400 Leute im Kino. Das hier ist ja unglaublich!“ Als er gehört habe, dass er in den Iran fahren dürfe, nach Persien, betonte er, da sei er schon sehr gespannt gewesen. Eine Ursache hierfür sieht der 75-Jährige in seiner Schulbildung in den 60er Jahren. „Ich war auf einem humanistischen Gymnasium“, erinnerte er sich, und dass man sich dort in den Fächern Altgriechisch und Geschichte sehr intensiv mit Alexander dem Großen und den Perserkriegen befasst habe. Wiederholt habe er etwa Texte, die sich um die persischen Großkönige Darius und Xerxes rankten, zu übersetzen gehabt: „Das war furchtbar schwer.“ Während der gebürtige Heidelberger Felix Klare und die Deutsch-Iranerin Mona Pirzad die Hauptrollen in „Liebe auf Persisch“ haben, spielt Halmer lediglich eine Nebenrolle. „Ich hatte also ein bisschen Zeit und die Möglichkeit, im Land herumzufahren“, berichtete er von den angenehmen Seiten der Dreharbeiten. Das sei eben der klare Vorteil einer Nebenrolle. Es sei ein großartiges Gefühl gewesen, die antiken Stätten, etwa Persepolis oder die Felsengräber von Darius und Xerxes zu besichtigen. Auch die Iraner und ihre Freundlichkeit lobte er: „Jetzt habe ich natürlich ein bisschen mein Herz an diese Menschen verloren und bin ein bisschen verärgert über die Amerikaner, die ihnen so Schwierigkeiten machen.“ Gewisse Restriktionen seien freilich deutlich spürbar gewesen. „Wir durften keinen Alkohol trinken, kein Bier, nichts!“ stöhnte der Bayer. „Das war schon gewöhnungsbedürftig.“ Seine Frau, die mitgereist sei, habe sich beständig „einwickeln“ und unter anderem einen Tschador tragen müssen. „Da durfte man keine Rundungen sehen!“ Im Film verliebt sich Robert (Felix Klare) in die Iranerin Shirin (Mona Pirzad), die allerdings ihr Tuch nur locker um den Kopf geschlungen trägt. Die Deutschlehrerin ist seine Dolmetscherin, als er sich von München nach Teheran aufgemacht hat, um dort nach seinem bankrotten Vater Achim (Günther Maria Halmer) zu suchen. Der hat hier früher nicht nur Textilmaschinen verkauft, sondern offenbar ein Doppelleben geführt, wie Robert erstaunt feststellt. „Liebe auf Persisch“, geschrieben von Sebastian Orlac und inszeniert von Florian Baxmeyer, präsentiert einen fröhlich kunterbunten Iran, den wir mit Robert, Shirin und Achim gleichsam touristisch durchreisen. Scheinbar ein Wohlfühl-Staat, in dem man die meisten herrschenden Regeln und Gesetze ignorieren und brechen kann, solange niemand in der Nähe ist, der sich daran stört. Tatsächlich gab es jedoch verschiedene Einschränkungen bei den Dreharbeiten, wie Ivo-Alexander Beck berichtete. Männer und Frauen dürften sich in einem iranischen Film körperlich nicht berühren, erklärte der Berliner Produzent. Eine entsprechende Szene zwischen Robert und Shirin habe daher nur in Deutschland gedreht werden können. Ebenso sei eine Einstellung, die Shirin in Unterwäsche zeige, an einem bayerischen See nachgedreht worden. Am 19. Oktober wird die Degeto-Schnulze im Ersten Programm zu sehen sein. Im Iran möchte Siamak Poursharif, der Leiter eines iranischen Filmfestivals in Berlin, eine zensierte Fassung in die Kinos bringen. Termine —4. September, 19 Uhr im Festivalkino 2 —6. September, 20 Uhr im Festivalkino 1