Ludwigshafen Ein Berliner in Lu: Tschüss Ludwigshafen!
Hartmut Rodenwoldts Tour de Vorderpfalz ist zu Ende. Für den Berlin-Korrespondenten haben sich die Gespräche mit den Vorderpfälzern gelohnt.
Das muss jetzt mal gesagt werden (es tut ja sonst keiner!): Journalisten sind vergleichende Wesen. Sie sind ausgestattet mit einer bemerkenswerten Gabe. Überall schauen sie hin, sie sehen alles – und erkennen natürlich alles. Sofort, auf den ersten Blick. Danach wissen sie alles, und das vor allem besser. Das musste jetzt wirklich mal gesagt werden. So viel vorweg. Eine Woche Frankenthal, eine Woche Ludwigshafen und Region – meine Tour de Vorderpfalz ist zu Ende. Gestern war ich ein letztes Mal in Mutterstadt auf dem Wochenmarkt. Ungezwungene Gespräche mit Bürgern, unkomplizierter Austausch mit Bürgermeister Hans-Dieter Schneider, eine kleine Plauderei am Stand der örtlichen SPD.
Dank an alle Gesprächspartner
Ich wollte einen Eindruck gewinnen von den Befindlichkeiten. Was treibt die Vorderpfälzer um? Dazu habe ich viele Gespräche geführt. Mit Bürgern, mit Amtsträgern. Manchmal habe ich den Menschen einfach nur schweigend zugehört. Ich bin in unterschiedliche Erfahrungswelten eingetaucht. Ich habe versucht, Stimmungen aufzusaugen. Es hat sich gelohnt. Ich möchte mich bei allen meinen Gesprächspartnern bedanken. Ach ja, … das wollte ich noch sagen, Gerhard Fuchs in Mutterstadt: Es war sehr angenehm auf der Terrasse beim morgendlichen Kaffee. Helmut Schmidt, Angela Merkel, Julia Klöckner, die örtlichen Bundestagsabgeordneten (wir verraten nicht welche!), die Flüchtlinge, die Medien – kaum ein Thema haben wir ausgelassen bei der zweistündigen Tour d’Horizon. Aber, was hat das mit den vergleichenden Wesen Journalisten zu tun? Dazu muss ich ausholen: Unmittelbar vor meiner Zeit in der Vorderpfalz war ich ein paar Tage in Chemnitz. Das war kurz nach dem Todesfall und den anschließenden Demonstrationen. Die Stimmung dort war, zurückhaltend formuliert, bedenklich. Offenbar stellen dort immer mehr kaum verhohlen die Systemfrage. In Berlin ist ohnehin so gut wie alles anders. Eine tolle Stadt – wenn sie funktioniert. Und wenn sie nicht funktioniert, also meistens, macht das nix! Man gewöhnt sich an fast alles. Verglichen damit ist die Vorderpfalz – bei allen Problemen – irgendwie noch eine Insel der Glückseligkeit. Tschüss Ludwigshafen! Die Kolumne Hartmut Rodenwoldt, 60, ist Leiter der Berliner Redaktion der RHEINPFALZ. In der abgelaufenen Woche war er in Ludwigshafen und im Rhein-Pfalz-Kreis unterwegs: Er wollte mit möglichst vielen Bürgern ins Gespräch kommen. Seine Eindrücke hat er in dieser täglichen Kolumne verarbeitet .