Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ehre für Organspende-Netzwerk: Vier Kliniken sind dabei

Rund 8150 Menschen warten aktuell in Deutschland auf ein Spenderorgan.
Rund 8150 Menschen warten aktuell in Deutschland auf ein Spenderorgan.

Rund 8150 Menschen warten aktuell in Deutschland auf ein Spenderorgan. In Ludwigshafen engagiert sich ein ungewöhnliches Netzwerk, das nun ausgezeichnet wurde.

„Es ist zum ersten Mal, dass wir ein ganzes Netzwerk auszeichnen“, betonte Ana Paula Barreiros, Geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) – Region Mitte. Dabei handelt es sich um das „Netzwerk Organspende Ludwigshafen – wir helfen Leben“. Sie hofft, dass dieses Modell zahlreiche Nachahmer findet, und spricht von einer „Ludwigshafener Nachbarschaftshilfe“. Patienten in Deutschland warten je nach Blutgruppe bis zu zehn Jahre auf eine Spenderniere. „Ich danke deshalb auch stellvertretend im Namen der Wartepatienten.“

„Das Ungewöhnliche ist, dass in diesem Netzwerk vier große Kliniken an einem Strang ziehen“, erklärte Professor Markus Müller, Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen (KliLU). Außer dem KliLU, wo 2008 die Arbeitsgruppe Organtransplantation gegründet wurde, sind seit 2017 auch das St. Marienkrankenhaus, das Krankenhaus „Zum Guten Hirten“ und die BG Unfallklinik Teil des Netzwerks. Einzigartig seien auch die drei Säulen des Netzwerks: Außer den Transplantationsbeauftragten der vier Kliniken sind muslimische Seelsorger eingebunden, und jährlich werden 1000 Auszubildende der Berufsbildenden Schulen zum Thema Organspende geschult.

Wichtig: Schulung des Pflegepersonals

Besonders wichtig sei die Schulung des Pflegepersonals, erinnerte Barreiros. „Das sind die Personen, die mit den Angehörigen in Kontakt stehen, und in 70 Prozent der Fälle entscheiden diese Angehörigen über eine Organtransplantation.“ Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) würdigte deren Rolle: „Es ist eine schwere Entscheidung, in dieser schweren Stunde noch an andere Menschen zu denken.“ Diese Menschen könnten durch eine Transplantation gerettet werden oder zumindest mehr Lebenszeit gewinnen. „Immerhin ist eine Organspende nicht nur ein medizinischer Eingriff, sondern eine Entscheidung, die das Leben eines Menschen verändert.“ Ludwigshafen sei ein herausragender Standort für Organspenden in Deutschland.

Hoffnung auf Nachahmer

Staatssekretärin Nicole Steingaß vom Landesgesundheitsministerium lobte das Netzwerk. Aufklärung, Sensibilisierung und Vertrauen seien Grundlage dafür, möglichst viele Menschen von diesem Schritt zu überzeugen. „Jeder kann betroffen sein, und jeder ist froh, wenn ihm geholfen werden kann.“ Sie hofft, dass die Zusammenarbeit der vier Kliniken zunächst in Rheinland-Pfalz und später bundesweit Nachahmer findet. „Denn die bisher niedrige Spendenbereitschaft können wir uns als Gesellschaft überhaupt nicht leisten.“

„Für uns ist es eine große Freude, dass wir gemeinsam etwas in Deutschland Einmaliges geschaffen haben“, sagte KliLU-Geschäftsführer Jan Stanslowski bei der Entgegennahme der Ehrung. Er dankte allen Beteiligten, insbesondere Kerstin Koch-Bitsch, die im „Hauptamt“ Referentin der Ärztlichen Direktion ist und im „Nebenberuf“ als die gute Seele des Netzwerks gilt. „Sie ist es, die alles zusammenhält“, ergänzte Barreiros.

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