Ludwigshafen Die Wucht der Bilder

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Die Augen und Kameras der 100 Journalisten bei der gestrigen BASF-Herbstkonferenz sind fast alle auf Kurt Bock gerichtet. Zehn Tage nach dem Unglück im Landeshafen Nord äußert sich der Vorstandsvorsitzende erstmals öffentlich dazu – und versucht, sein Verhalten zu rechtfertigen.

Nein, es ist kein BASF-Termin wie jeder andere. Im ersten Stock des Gebäudes D 105 dreht sich nicht wie sonst alles um Umsätze, Gewinne oder Verluste. Im Zentrum steht die Explosion vom 17. Oktober mit drei Todesopfern und zahlreichen Verletzten. Es geht um die Aufarbeitung einer Katastrophe – und um die Rolle von Kurt Bock. Über eine Woche hat er sich nur intern dazu geäußert. Ein Fehler, wie viele außer-, aber auch innerhalb des Konzerns finden. Nach anderthalb Stunden mit bohrenden Fragen und nicht durchweg befriedigenden Antworten bleibt besonders ein Satz Bocks im Gedächtnis: „Ich wurde intern gebraucht.“ Der führende Mann des Chemieriesen will damit erklären, welche Prioritäten er gesetzt hat. Vielleicht verrät der Satz auch, wie der 58-Jährige tickt: eher rational als emotional. Er ist mehr Technokrat und Firmenlenker als fürsorglicher Mentor der „Mutter“, wie Aniliner das Stammwerk liebevoll nennen. In erster Linie geht es ihm um reibungslose Arbeitsabläufe. Womöglich hat er die Symbolkraft eines medienwirksamen Auftritts unmittelbar nach dem Unglück unterschätzt, obwohl er es doch besser wissen müsste, wenn er mit Blick auf das Ereignis sagt: „Die Wucht der Bilder spricht eine ganz eigene Sprache.“ Die Chance, auch den Betroffenen vor den Werkstoren Trost zu spenden und ihnen sein Mitgefühl auszudrücken, hat er mehrfach verstreichen lassen. Bei der gestern live im Internet übertragenen Konferenz sagt er: „Die BASF trauert, wir trauern alle weltweit. Unsere tiefe Anteilnahme gilt den Familien und Angehörigen der Verstorbenen.“ Als der obligatorische Gong die Konferenz um 10.25 Uhr einläutet, betritt Kurt Bock mit Standortleiterin Margret Suckale und Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel durch eine Seitentür den Saal. Der Druck, der auf dem Top-Manager lastet, ist ihm anzumerken. Bock wirkt ernst und nachdenklich. Er lässt den Blick über den sterilen Raum schweifen, von der einen zur anderen Seite und wieder zurück. Das Trio aus der Vorstandsetage versammelt sich zum Gruppenbild. Fotoapparate klicken, Kameraleute postieren sich neu. Trocken, nüchtern, sachlich – so kennt man Bock. Und so schildert er auch im Anschluss seine Sicht der Dinge. Er spricht klar und ist gefasst – bis auf eine Ausnahme. Als er an „die bewegende Trauerfeier“ der Feuerwehr erinnert, versagt ihm kurz die Stimme. Da ahnt man, wie nahe ihm das Geschehen geht. Der Mensch hinter dem Manager blitzt hervor. Transparenz und Sicherheit sind die Begriffe, die ihm am häufigsten über die Lippen kommen. Sie seien Bestandteil der Unternehmenskultur, betont der BASF-Boss. Vorwürfe, Einsparungen und der Einsatz externer Betriebe gingen zu Lasten des Werks, weist er zurück. In den vergangenen zehn Jahren sei mehr in den Standort investiert als abgeschrieben worden. Die Anlagen würden regelmäßig kontrolliert. Das dokumentierten die jährlich rund 300 Termine mit Überwachungsbehörden, darunter 160 unangekündigte. Im Nordhafen habe es keine Beanstandungen gegeben. Fremdfirmen würden sorgfältig ausgewählt und müssten höchste Standards erfüllen. Mit dem Mittelständler, dessen Beschäftigter am Unglückstag ein falsches Rohr angeschnitten und damit die Explosion ausgelöst hat, arbeite die BASF seit 25 Jahren vertrauensvoll zusammen, sagt Margret Suckale. Wie Bock betont sie das ungetrübte Verhältnis zur Stadt. Dass Feuerwehrdezernent Dieter Feid (SPD) den Vertrauensvorschuss der BASF „in Teilen erschüttert“ sieht, lassen sie unkommentiert. Suckale lobt den Job der Einsatzkräfte: „Ihre Leistung ist kaum in Worte zu fassen.“ Mit dem Unglück beschäftigen wird sich ihren Angaben zufolge auch das nächste BASF-Nachbarschaftsforum am 7. November mit 20 geladenen Bürgern. Gastgeber ist dann Werksleiter Uwe Liebelt, der gestern nicht auf dem Podium sitzt – anders als in den turbulenten Tagen nach der Explosion, als vor allem er den Kopf hinhalten musste. Auf die Lehren angesprochen, die er aus den Ereignissen für sich gezogen hat, sagt Bock übrigens: „Man macht sich ständig Gedanken, wie man es besser machen kann. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch."

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