Ludwigshafen Die Türen sind immer offen
«Mundenheim.» In Ludwigshafen gibt es einen buddhistischen Tempel, der regelmäßigen S-Bahn-Nutzern zumindest von außen bekannt sein dürfte. Vor etwa zehn Jahren wurde aus einem vernachlässigten ehemaligen Gastwirtschaftsgebäude direkt an den Gleisen Richtung Hauptbahnhof ein bunter, exotisch anmutender Blickfang. In dem hat dieses Wochenende ein bedeutendes Treffen thailändischer Mönche aus ganz Europa stattgefunden.
Der Wat Thai Buddha Apa, wie der Ludwigshafener Tempel vollständig heißt, ist einer der wenigen Tempel, die von thailändischen Einwanderern in Deutschland gegründet wurden. Deshalb ist er auch weit über die Grenzen Ludwigshafens hinaus bekannt und besitzt Strahlkraft für die thailändische Gemeinde in ganz Südwestdeutschland. Am Sonntagvormittag fand just in diesem Tempel eine besondere Veranstaltung statt: Eine Konferenz, zu der Äbte und Mönche thailändischer Tempel aus ganz Europa anreisten. Drumherum gab es einen kleinen Festakt mit Bewirtung, und auch viele Gemeindemitglieder kamen nach Ludwigshafen. Grußworte an die Mönchsversammlung richtete Pfarrer Stefan Bauer von der Jona-Gemeinde der Apostelkirche im Hemshof. Er ist Mitinitiator des Forums der Religionen, das seit 2016 den Dialog zwischen Christen, Juden, Moslems und Buddhisten in Ludwigshafen begleitet. Dieses interreligiöse Forum ist Bauer ein besonderes Anliegen. Das wurde nicht nur in seinem Grußwort spürbar, sondern er verschob für den Termin im Tempel auch den Besuch eines Treffen mit ehemaligen Vikarskollegen auf den Nachmittag. Suthiya Schaich vom Förderverein des Tempels übersetzte für die thailändische Versammlung und bemühte sich auch, anwesenden „Farang“, also nicht thailändisch sprechenden Ausländern, die Antwort des Abts zu übermitteln. Trotz der Sprachbarrieren wurde schnell klar, dass die Delegation in Ludwigshafen Spaß hatte. Schaich berichtete, dass die buddhistischen Mönche einen kurzen Bummel durch die Rhein-Galerie genossen und Ludwigshafen hinterher als sehr schön gelobt hätten. Das dürfte der geschundenen Seele der Stadt guttun, die kürzlich vom Satiremagazin extra3 zur „hässlichsten Stadt Deutschlands“ gekürt wurde. Leider war die Zeit der Delegation in Ludwigshafen knapp bemessen. Die vierte Versammlung der „Botschaftermönche“ bestand aus etwa 40 Mönchen von den rund 60 Tempeln, die europaweit existieren. Der Ludwigshafener Abt Phra Chatchawan Sarakhan war sichtlich stolz, der Gastgeber dieser Runde zu sein. Inhaltlich ging es um die „Seelenpflege“ der thailändischen Auslandsgemeinde, aber auch um die Deutschen und darum, wie sie zu Thailand beziehungsweise dem Buddhismus stehen. Wie können Meditation und Religion den Menschen helfen? Wie können sie mit den Ängsten und Schwierigkeiten fertigwerden, die auf sie einstürzen? So fasste Suthiya Schaich die Tagesordnung zusammen. Um das Zusammenleben zu fördern, veranstaltet der Förderverein des Tempels jährlich Begegnungen, zum Beispiel im Wilhelm-Hack-Museum. Besonders lobte Schaich die gemeinsame Arbeit mit dem Forum der Religionen. Wat Thai Buddha Apa stehe jedem Gast offen, und auch zu den „heiligen Tagen“ im buddhistischen Kalender seien Besucher und Interessierte willkommen. Feste wie der thailändische Muttertag oder das Wasserfest Songkran werden in Ludwigshafen gefeiert. Eine wichtige Rolle spielt in Thailand auch die Königsfamilie. Wer das Land schon mal besucht hat, kennt die allgegenwärtigen Bilder und Statuen des Königs, der trotz seiner rein repräsentativen Funktion von seinem Volk sehr verehrt wird. Seit 2016 amtiert Rama X., und weil der Muttertag erst vor Kurzem – am 12. August nämlich – gefeiert wurde, erwiesen die Besucher und die Mönchsdelegation des Tempels auch der Königinmutter, der Ehefrau des verstorbenen Rama IX. die Ehre mit zwei Lobgesängen vor dem Bildnis der Monarchin.