Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Die Kinderbuchautorin Paula Schwanitz

„Sehr viele Geschichten im Kopf“: Paula Schwanitz im Café Alex.
»Sehr viele Geschichten im Kopf«: Paula Schwanitz im Café Alex.

„Moses, das Mondschweinchen“ und „Ein Schiff aus Mut“ – das sind die ersten beiden veröffentlichten Kinderbücher der Ludwigshafener Autorin Paula Schwanitz. Geht es nach der 47-Jährigen, werden möglichst bald noch viele weitere folgen. An Ideen für Geschichten mangelt es ihr jedenfalls nicht.

Als wäre es gestern gewesen, erinnert sich Paula Schwanitz an den 17. Februar 2010. Ein kalter Wintertag, früh dunkel und ein Wetter, das man mit dem schönen Wort „unwirtlich“ beschreiben könnte. In der Waltraudenstraße im Ludwigshafener Stadtteil West lebte Paula Schwanitz damals. „Ich hatte mich abends noch einmal aufgerafft und war vor die Tür gegangen“, blickt sie mehr als 13 Jahre zurück. „Und auf einmal hörte ich in einer Hecke ein Quietschen.“ Huch, dachte sie zunächst, das ist aber eine große Ratte. Um dann festzustellen: Nein, das ist ein Meerschweinchen. Sie nahm es in ihrer Handtasche mit nach Hause, fütterte es und taufte es Moses. Wie der kleine Junge im Körbchen aus der biblischen Geschichte.

Fünf Jahre lang, bis zu seinem Tod, lebte das Meerschweinchen bei Paula Schwanitz. Und so wie sie dem Tier mutmaßlich das Leben gerettet hat, so hat auch er der jungen Frau, die damals durch eine schwierige Lebensphase ging, Halt gegeben. „In Gedenken an Moses, der mein Leben für immer verändert hat“, heißt, begleitet von einem großen Herz, die Widmung in ihrem literarischen Debüt „Moses, das Mondschweinchen“. Das Buch ist im Oktober 2022 erschienen, und Paula Schwanitz erzählt darin die Geschichte eines kleinen Meerschweinchens, das in einer Vollmondnacht zur Welt kommt und sich fortan wundert, dass dieser prächtige Schein nicht von Dauer ist und es fortan verschiedene Mondphasen gibt.

Tierliebe trifft Literaturliebe

Mit der Veröffentlichung dieses Buches hat Schwanitz, die inzwischen im Stadtteil Süd lebt, ein Projekt verwirklicht, das ihr schon lange am Herzen lag und das zwei Dinge vereint: ihre Liebe zur Literatur und ihre große Liebe zu Tieren. Beruflich hat sie zunächst allerdings einen völlig anderen Weg eingeschlagen: Geboren und aufgewachsen in Bad Dürkheim, absolvierte sie nach der Schule eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der VR-Bank in der Ludwigshafener Kaiser-Wilhelm-Straße – allerdings weniger aus eigenem Interesse als ihren Eltern zuliebe, wie sie selbst sagt. Danach arbeitete sie in verschiedenen Bereichen und ist heute unter anderem als freiberufliche Fotografin tätig. Sie liebt nicht nur das Schreiben, sondern auch das Lesen. „Ich interessiere mich für Technik und Physik, eigentlich für alle Arten von Naturwissenschaften“, erzählt sie bei einem Treffen im Café Alex am Berliner Platz. Und eben vor allem und immer wieder: für Tiere.

Der Fund einer verletzten Taube auf einem Oggersheimer Parkplatz – und die für sie verstörende Erfahrung, dass viele Menschen nicht nur vorbeigingen, sondern den Zustand des Tieres auch noch als „eklig“ bezeichneten – inspirierte Paula Schwanitz 2012 zu ihrer ersten Geschichte „Tobi Täubchen“. Sie habe sich darin vorgestellt, was die Taube erlebt hätte, wenn sie es geschafft hätte zu überleben – was in Wahrheit trotz Schwanitz’ sofortigen Gangs zum Tierarzt nicht geglückt war. „In meiner Welt hat sie weitergelebt“, sagt sie 47-Jährige und ist heute noch sichtlich berührt davon.

Bisher zwei Bücher erschienen

Um ihre unter Mitwirkung einer Lektorin und einer Illustratorin entstandenen Bücher zu veröffentlichen, hat Paula Schwanitz einen eigenen Verlag gegründet, den Biehl-Verlag. Nach „Moses, das Mondschweinchen“ ist im April 2023 „Ein Schiff aus Mut“ erschienen, ein Buch, in dessen Zentrum ebenfalls ein Meerschweinchen steht: Marlenchen, das die Erfahrung macht, anders zu sein als alle anderen. Eine Fortsetzung ist für 2025 geplant. Zuvor möchte sich Paula Schwanitz, die ganz unterschiedliche Interessen pflegt, auf ein komplett anderes Genre konzentrieren: Horrorthriller. Sie möchte, allerdings unter einem wieder anderen Pseudonym – auch Paula Schwanitz ist nicht ihr richtiger Name – Romane und Kurzgeschichten veröffentlichen und hofft auf die Anerkennung von Leserinnen und Lesern. „Ich habe noch sehr viele Geschichten im Kopf“, sagt sie. „Ich muss nur etwas sehen, und mir fällt sofort etwas dazu ein.“

Im Netz

www.biehl-verlag.de

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