Ludwigshafen Die Idylle trügt
Die Realität, in der er lebt, spiegelt sich in seinen Bildern wider: Der Künstler Volker Bringfried stellt unter dem Titel „Unterwegs – Ansichten und Einsichten“ im Soziale Stadt Büro Oggersheim-West noch bis Ende Dezember aus. Bei der Vernissage am Freitag beschrieb er seinen Stil als „skeptischen Realismus“.
Oggersheim. Die idyllische Natur findet sich in seinen Bildern nur vordergründig: Der Betrachter sieht zunächst einen Feldweg durch eine üppige gründe Landschaft aus Wiesen, Hecken und Bäumen. In einer Bildecke, wie nebensächlich, fällt eine vor sich hin rostende Landmaschine auf: „Wer meine Bilder betrachtet, wird etwas entdecken, was nicht auf den erste Blick ins Auge springt“, sagt Volker Bringfried. Der 72-Jährige, der mehrere Jahre in Oggersheim lebte und inzwischen nach Frankenthal gezogen ist, verbindet mit seiner Kunst immer einen kritischen Ansatz, sei es die Umwelt oder die Gesellschaft. Bilder mit kräftigen Farben und starkem Ausdruck sind zum einen „Der Weg von Jericho nach Jerusalem“: „Eine 6000 Jahre alte Straße, auf der die Heerscharen bei ihren Kriegszügen hin und her gezogen sind – und diese Straße ist rot wie Blut“, beschreibt Bringfried das Bild. Unmittelbar daneben hängt ein Bild, in dem der Künstler gesellschaftskritische Töne anschlägt: Auf dem „Platz des Geldes“ vor der Kulisse der Geschäftswelt mit ihren Wolkenkratzer „steht das Volk und schaut und kann nichts tun“, fasst Bringfried die Aussage des Bildes zusammen. Die Kunst begleite ihn seit der Kindheit. Großgeworden in Amsterdam, einer Stadt mit an die 60 Museen, die er als Kind auch oft besucht hat, hat Volker Bringfried später Kunst studiert. Dieses Studium ebenso wie ein Ingenieurstudium habe er nicht beendet, sondern mit 25 Jahren seine eigene Siebdruckwerkstatt eröffnet. Seit 2004 wirkt er als freischaffender Künstler im Raum Ludwigshafen. In der Ausstellung zeigt Bringfried Acrylbilder. Die Farben sind teilweise durch Spachtel aufgetragen. Dabei verwendet er Vinylpapier als Grundlage und zieht die Bilder dann auf Sperrholz auf. Die Ausstellung sei Teil der Reihe „Kunst im Quartier“, welche Kunst aus dem Quartier in Oggersheim zeige oder Kunst ins Quartier bringe, sagte Quartiersmanager Reimar Seid. Viele der Werke, die in der Ausstellung zu sehen sind, seien in der Zeit entstanden, als Volker Bringfried noch in Oggersheim gelebt hat: „Sie zeigen die Auseinandersetzung mit der Umwelt und der Landschaft hier in Oggersheim.“ Die Bilder von Volker Bringfried zeichnen sich durch ein Spannungsfeld aus – „zwischen der schönen Landschaft und einem kleinen, aber wesentlichen Detail – und dann kippt die Idylle“, lobte Beate Steeg von der Stadtverwaltung bei der Vernissage. In ihren Verantwortungsbereich als Bereichsleiterin Steuerung fallen die Büros Soziale Stadt, welche die Quartiere durch zahlreiche Aktivitäten beleben und aufwerten. Noch Fragen? Kunst im Quartier: Ausstellung „Unterwegs – Ansichten und Einsichten“, Soziale Stadt Büro Oggersheim-West, Comeniusstraße 10-16, Öffnungszeiten: werktags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 15 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen nach Vereinbarung unter Telefon 6719794 und 6719795.