Interview
Deutsche Glasfaser: Wie es um das schnelle Internet in Ludwigshafen steht
Wenn sich bis 24. Februar mindestens 33 Prozent der Haushalte für einen Vertrag bei Deutsche Glasfaser entscheiden, wird Ihr Unternehmen in Maudach, Rheingönheim und in der Gartenstadt mit den Planungen für den Glasfaserausbau beginnen. Was ist der derzeitige Stand der Nachfrage?
Zunächst einmal vorab: Wir müssen 33 Prozent der Haushalte gewinnen, weil nur dann ein eigenwirtschaftlicher Ausbau für uns sinnvoll ist. Noch haben wir in den drei Stadtteilen diese Quote aber nicht erreicht. Das heißt, derzeit besteht tatsächlich noch Bedarf, dass wir weitere Verträge generieren.
Woran liegt das? Schnelles Internet ist doch etwas, das im heutigen Digitalzeitalter eigentlich enorm nachgefragt sein müsste.
Das ist der Tatsache geschuldet, dass viele Anwohner bereits einen in ihren Augen ausreichend guten Anschluss zur Verfügung haben. Durch den sogenannten FTTC-Ausbau – also Glasfaser bis zum Verteilerkasten, danach Kupferleitung bis ins Gebäude – wurden die Kupfernetze noch mal gepusht. Und vielen Menschen reicht diese Bandbreite derzeit, um zum Beispiel Netflix zu gucken oder Musik zu streamen.
Warum sollte man sich also jetzt für einen Glasfaseranschluss entscheiden?
Weil der Anspruch an die Datenübertragung in Zukunft immer größer werden wird. Das ist vielen Menschen heute allerdings nicht bewusst. Hausüberwachungssysteme zum Beispiel, die von Senioren genutzt werden, um im Notfall Alarm zu schlagen, die werden in Zukunft sprachgesteuert funktionieren. Man braucht dafür allerdings eine stabile Internetverbindung, bei der ein Upload – also das Hochladen von Daten ins Internet – mit ebenso hoher Geschwindigkeit funktioniert wie ein Download. Und das ist mit einem Glasfaserkabel, im Gegensatz zum herkömmlichen Kupferkabel, möglich. Über kurz oder lang ist deshalb Glasfaser das Mittel der Wahl.
Was passiert, wenn die Deutsche Glasfaser die 33 Prozent auch Ende Februar nicht erreicht? Ist der Ausbau in den drei Stadtteilen dann gestorben?
Wir würden das Projekt dann sozusagen parken. Aus den Augen verlieren wollen wir es keinesfalls, möglicherweise würden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen, die Projekte anzugehen. Was wir als Deutsche Glasfaser an dieser Stelle natürlich nicht wissen, ist, was die Mitbewerber dann machen.
Wie kommt denn dieses Aufteilen von Stadtteilen eigentlich zustande? In Ruchheim, Notwende-Melm, Oppau, Edigheim und der Pfingstweide ist in Sachen Glasfaserausbau ja zum Beispiel die Deutsche Giga-Netz-GmbH aktiv.
Es gibt Kommunen, wie in diesem Fall auch Ludwigshafen, die Marktoffenheit schätzen und Gebiete unter den verschiedenen Telekommunikationsunternehmen aufteilen möchten. Unter anderem ist das dann mein Job als Manager im kommunalen Bereich, Kooperationsverträge für bestimmte Gebiete zu schließen.
Gesetzt den Fall, dass Sie mit dem Projekt Glasfaser-Netzausbau starten: Wie lange wird das dauern in so einem Stadtteil?
Da spielen ganz viele Faktoren eine Rolle. Es gibt zum Beispiel fast 20 Instanzen, die in einem Genehmigungsverfahren beteiligt sein könnten. Allein, wenn wir bei der Deutschen Bahn einen Antrag auf Bahnquerung stellen müssen, reden wir von einer Genehmigungszeit von bis zu einem halben Jahr. Und solche Anträge kann man auch erst nach der Feinplanung stellen, denn die Bahn möchte relativ genau wissen, wo eine Querung stattfindet. Was wir aber sagen können: Ein Bautrupp wird zwischen 50 und 100 Metern pro Tag arbeiten – je nach Oberflächenbeschaffenheit des Gehwegs oder der Straße. Immer mit der klaren Prämisse: Das, was wir morgens aufbrechen, möchten wir abends auch wieder verschließen, zumindest provisorisch.
Es gibt auch viel Kritik am Unternehmen Deutsche Glasfaser. Sie reicht von schlechter Erreichbarkeit bis zu Mitarbeitern vor Ort, die kein Deutsch sprechen, langen Verzögerungen oder auch schlechter Qualität beim Wiederherstellen von Bürgersteigen. Wie wollen Sie an diesen Stellen Verbesserung erreichen?
Grundsätzlich ist der noch zu stemmende Teil des Glasfaserausbaus in Deutschland sehr hoch. Es gibt deshalb eine Ressourcenknappheit bei jenen Firmen, die diesen Ausbau überhaupt umsetzen können. Es muss ja jeder Gehweg geöffnet werden und wir müssen an jedes Haus. Insgesamt ist es schlichtweg eine riesige Baumaßnahme, die relativ schnell einen zweistelligen Millionenbetrag hervorruft – der uns auch auferlegt, das Ganze europaweit ausschreiben zu müssen. Das wiederum heißt, es kommen am Ende auch europäische Firmen hierher, deren Mitarbeiter kein oder wenig Deutsch sprechen. Und an dieser Stelle müssen wir wirklich froh sein, dass überhaupt jemand kommt.
Und wie gehen Sie die bestehenden Schwierigkeiten dann an?
Wir versuchen, mit unserem Qualitätsmanagement Bau – das wir seit zirka anderthalb Jahren stetig verbessern – diese Firmen kontinuierlich weiterzuentwickeln und die Probleme damit an der Wurzel zu packen. Das gelingt uns auch gut. Natürlich gibt es in manchen Fällen berechtigte Kritik an der Deutschen Glasfaser, und das wird dann meist sehr öffentlichkeitswirksam diskutiert. Aber de facto hören wir zu rund 94 Prozent unserer Projekte keine Kritik, weil unserer Projekte eben gut laufen.
Wie lösen Sie das Sprachproblem für die Bürger vor Ort, wenn ausländische Firmen beauftragt werden?
Unsere Generalunternehmer sind vertraglich dazu verpflichtet, dass auf jeder Baustelle ein deutschsprachiger Ansprechpartner vertreten ist. Das Problem bei einer Wanderbaustelle ist allerdings: Manchmal ist der Lagerplatz acht Kilometer weit weg. Und tatsächlich passiert es immer mal wieder, dass da zum Beispiel ein Bautrupp aus Moldawien steht und der deutschsprachige Bauleiter ist gerade mit dem Lieferwagen unterwegs, um Material zu besorgen. Eine Stunde später ist der dann aber wieder da. Wir schaffen es mitunter also vielleicht nicht, über den ganzen Arbeitstag hinweg einen deutschsprachigen Ansprechpartner direkt vor Ort zu haben. Aber Erzählungen, dass „nie jemand da ist, der Deutsch spricht“, das ist eine verfremdete Wahrnehmung unserer Baustellen.
Und wenn es zu Schäden kommt?
Die Botschaft, die wir den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder nur aussenden können lautet: Das Projekt ist beendet, wenn die Genehmigungsbehörde – in der Regel das Tiefbauamt – die Wiederherstellung der Oberfläche endabnimmt. Erst wenn das passiert ist, gehen wir als Unternehmen aus dem Dorf oder dem Stadtteil raus. Dass auf dem Weg dorthin vielleicht nicht alles zu 100 Prozent rund läuft, das können wir, glaube ich, ehrlicherweise so eingestehen. Denn noch mal: Wir machen wirklich jeden Gehweg auf.
Müssen die Bürger sich jetzt definitiv bis zum 24. Februar gemeldet haben für einen Glasfaservertrag? Oder geht das auch später noch – sofern Ihr Unternehmen mit dem Ausbau startet?
Selbstverständlich ist es möglich, sich auch später noch zu melden. Wir bauen sogenannte passive Hausanschlüsse und verlegen auch Leerrohre, durch die im Nachhinein noch Kabel „eingeblasen“ werden können. Allerdings sind solche Nachanschlussverfahren natürlich immer mit zusätzlichen Kosten für die Anwohner verbunden. Es muss ja wieder ein Baupartner beauftragt werden, der den Gehweg aufmacht und das Ganze umsetzt.
Muss man als Kunde bei der Deutschen Glasfaser bleiben? Ihrem Unternehmen wird das Glasfasernetz in Maudach, Rheingönheim und der Gartenstadt dann ja gehören.
Das Netz gehört am Ende natürlich der Deutschen Glasfaser. Aber alle Anschlussnehmer haben nach zwei Jahren Vertragslaufzeit die Möglichkeit, sich über andere Telekommunikationsunternehmen einen Vertrag anbieten zu lassen. Deshalb benötigen wir jetzt zum Start auch 33 Prozent der Haushalte, die bei uns einen zunächst zweijährigen Vertrag abschließen. Nur so rechnet sich der Glasfaserausbau als solcher.
Zur Person
Benjamin Staudt ist Pflasterer und Straßenbaumeister. 2018 startete der 39-Jährige im Unternehmen Inexio als Projektmanager Bau. Seit knapp zwei Jahren ist er „Manager für kommunale Kooperation“ beim Unternehmen Deutsche Glasfaser und betreut Städte und Kommunen über den gesamten Projektablauf des Glasfaserausbaus hinweg.