Ludwigshafen Der Weg der Mutter Gottes

In der Otterstadter Kirche ist Maria in einem Altar, mit einer Ikone, einer Pieta-Figur und auf einer Rosette gegenwärtig.
In der Otterstadter Kirche ist Maria in einem Altar, mit einer Ikone, einer Pieta-Figur und auf einer Rosette gegenwärtig.

«Otterstadt». In unserer Heiligenserie stellen wir eigentlich die Namenspatronen der Kirchen im Umkreis vor. Manchmal jedoch werden Kirchen nicht nach Schutzheiligen, sondern nach Hochfesten oder einem Glaubensgeheimnis benannt, wie in Otterstadt „Mariä Himmelfahrt“.

Die Tradition, eine Kirche unter den Schutz eines Heiligen zu stellen, gibt es seit dem 4. Jahrhundert. Später wurde Kirchen stattdessen auch ein „Titel“ gegeben, der an ein Hochfest oder ein Glaubensgeheimnis erinnert. In Otterstadt ist es das Hochfest Mariä Himmelfahrt, das am 15. August gefeiert wird. Es erinnert an den Tag, an dem die Gottesmutter in den Himmel aufgenommen wurde. Nach dem katholischen Glauben ist Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Daher heißt es streng genommen auch nicht Mariä Himmelfahrt, sondern Aufnahme Mariens in den Himmel, im Gegensatz zu Christi Himmelfahrt. Christus ist nach dem Glauben selbst in den Himmel aufgestiegen. Über Maria gibt es einige Überlieferungen aus der Bibel. Im Alter von etwa 15 Jahren hat ihr der Erzengel Gabriel verkündet, dass sie Jesus, den Sohn Gottes, zur Welt bringen würde (Mariä Verkündigung). Auch ihrem Verlobten Joseph sei der Engel im Traum erschienen und habe ihm aufgetragen, die schwangere Maria nicht zu verlassen. Wie aus der Weihnachtsgeschichte bekannt, hat Maria ihren Sohn Jesus in Bethlehem zur Welt gebracht. Nach dem Besuch der Weisen aus dem Morgenland ist die junge Familie nach Ägypten geflohen, um den Mördern des Herodes zu entkommen. Dann verliert sich die Spur zunächst, über die nächsten Jahre ist nicht viel bekannt. Nach dem Tod Jesu ging Maria der Überlieferung zufolge mit dem Jünger Johannes nach Ephesus. Ob Maria letztlich dort oder doch in Jerusalem gestorben ist, ist nicht klar. Das Grab Mariens wird in Jerusalem verehrt. In Ephesus steht das Haus, in dem Maria gelebt haben soll. Eine Legende besagt, dass Maria vor den Augen der Jünger bildlich in den Himmel aufgenommen wurde. In einer anderen Legende wird berichtet, dass die Jünger nach dem Tod Mariens im Grab anstelle des Leichnams duftende Blumen und Kräuter fanden. Deswegen wird zum Fest Mariä Himmelfahrt in vielen Gegenden noch der Würzwisch gebunden und geweiht. Ein Kräuterstrauß, der Familie und Tiere gesund halten soll. Auch in Otterstadt wird jedes Jahr ein Würzwisch gebunden und der Feiertag mit einem Festgottesdienst gefeiert. Zudem ist Maria, die Mutter Gottes, in der Otterstadter Kirche an vielen Stellen gegenwärtig: Das Fenster hinter dem Hochaltar zeigt Szenen aus ihrem Leben: Mariä Verkündigung, Mariä Himmelfahrt und die anschließende Krönung im Himmel. Ein weiteres Glasfenster in der Sakristei zeigt Mariä Heimsuchung. Im linken Teil der Kirche, der traditionellen „Frauenseite“, gibt es weitere Marienfiguren: Den Marienaltar, eine Marienikone und gleich am Eingang eine Pieta-Figur, also eine Maria, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält. Eigentlich hätte auch die Glasrosette über der Eingangstür eine Mariendarstellung sein sollen, wäre es vor rund 130 Jahren nach den Wünschen des Architekten Franz Schöberl gegangen. Der fand, eine Marienkirche müsse auch eine Marienrosette haben. Der damalige junge Pfarrer Georg Konrad Schneider wollte aber eine Jesus-Abbildung in der Rosette – und als Pfarrer hatte er das Sagen. Architekt Schöberl hat seinen Willen dann aber noch durchgesetzt und gegenüber der Glasrosette eine gleichgroße Marienrosette an die Wand über den Durchgang zum Kirchenschiff malen lassen.

Mit der an die Wand gemalten Marienrosette gegenüber der Glasrosette über dem Durchgang zum Kirchenschiff hat Architekt Franz Sc
Mit der an die Wand gemalten Marienrosette gegenüber der Glasrosette über dem Durchgang zum Kirchenschiff hat Architekt Franz Schöberl vor rund 130 Jahren seinen Willen gegen den des damaligen Pfarrers durchgesetzt.
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