Ludwigshafen Der nächste Schock

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Noch immer sind nicht alle Details der Gasexplosion von vor zwei Jahren geklärt, da erschüttert den Norden der Stadt das nächste Unglück, das Tote und Verletzte fordert. Gestern Vormittag bricht am BASF-Nordhafen ein Großbrand aus. Die Rauchsäule ist über die Grenzen der Stadt hinaus zu sehen. Reaktionen von Politikern und Augenzeugen.

Gegen 11.30 Uhr ist eine Explosion in weiten Teilen Ludwigshafens zu hören. Ein dumpfer Knall. Kurz darauf folgt eine Druckwelle, die auch im Stadtzentrum Fensterscheiben erzittern lässt. Schnell macht die Nachricht die Runde: Bei der BASF ist etwas passiert. Über dem Norden der Stadt, wo das Kombiverkehrsterminal und der Landeshafen Nord liegen, steht schwarzer Qualm in einer gigantischen Rauchsäule. Die sieht auch Oppaus Ortsvorsteher Udo Scheuermann aus seinem Rathaus-Büro. Später sagt er: „Da wusste ich, dass etwas Schlimmeres passiert ist.“ (siehe Interview) Um 12.20 Uhr heulen Luftschutzsirenen. Gleichzeitig geht eine Warnung über die App Katwarn heraus: Großbrand bei der BASF. Anwohner sollen Türen und Fenster geschlossen halten, Klimaanlagen ausschalten. Martinshörner heulen. Feuerwehren und Rettungsdienste bahnen sich ihren Weg ins Gewerbegebiet Nachtweide und zum Industriehafen. In Oppau und Edigheim werden bei den Einwohnern sofort Erinnerungen an die verheerende Gasexplosion von vor zwei Jahren wach. Schnell werden Straßen gesperrt, die zum Gewerbegebiet Nachtweide und zum Kombiterminal der BASF führen, dann auch die Wirtschafts- und Radwege dorthin. Polizisten winken die Autofahrer energisch weiter. Sofort staut sich der Lkw-Verkehr weit zurück. Einige Schaulustige machen sich zu Fuß oder mit dem Rad auf den Weg, bis auch sie von Polizisten gestoppt werden. Um den Industriehafen ist in einem 300-Meter-Radius eine Sperrzone eingerichtet worden. „Eine große Stichflamme habe ich gesehen“, sagt ein 60-jähriger Oppauer, der gerade im Rewe-Markt am Rande Edigheims einkaufen war und schnell nach Hause radelt. Er ist frisch verrenteter Aniliner, erzählt er, und dass jetzt bestimmt wieder über die Einsparungen bei der BASF geredet werde. Als die Luftschutzsirenen aufheulen, eilen die Passanten davon, die eben noch beisammen standen und diskutierten. Immer wieder gibt es offenbar kleinere Verpuffungen am Unglücksort. Die Rauchsäule ist weithin zu sehen. Am Sonntag jährt sich die Gasexplosion zwischen Oppau und Edigheim zum zweiten Mal. „Und jetzt schon wieder das“, sagt ein Oppauer, der als Anwohner der Max-Planck-Straße damals zu den zahlreichen Geschädigten zählte. Noch immer seien nicht alle Schäden reguliert, sagt er. Und nun habe es schon wieder gekracht, wenn auch nicht mitten im Ort. Auf dem Radweg auf der Brücke der L 523 gegenüber vom Unglücksort sind Radfahrer stehengeblieben, schauen hinüber, wo der schwarze Qualm über den riesigen Containerbrücken des Kombiterminals aufsteigt. Ein Polizeihubschrauber kreist über der Unglücksstelle, immer wieder rasen Kranken- und Polizeiwagen vorbei. Die Menschen sind verunsichert. Kita-Kinder in Edigheim und der Pfingstweide müssen zunächst in den Einrichtungen bleiben, dürfen nicht ins Freie. Grund dafür ist, dass laut Stadtverwaltung mehrere Personen in Edigheim über Atemwegsbeschwerden geklagt haben. Ein Erkundungswagen der Feuerwehr ist zusätzlich zu den BASF-Umweltmesswagen unterwegs. Auch im Mannheimer Stadtteil Sandhofen sind Messfahrzeuge unterwegs, denn der Qualm zieht einige Zeit über den Rhein hinweg. Die Einsatzkräfte melden schließlich, dass bei den Messungen keine Schadstoffe in der Luft festgestellt worden sind. Gegen 15.40 Uhr können Eltern ihre Kinder abholen. Den ganzen Tag über sind BASF-Werkfeuerwehr und die Feuerwehren aus Ludwigshafen, Frankenthal und Mannheim im Einsatz, um den Großbrand in den Griff zu bekommen. Das Feuer brennt in einem Rohrgraben, in dem sich mehrere Leitungen befinden. In den Rohrleitungen werden verflüssigte Gase transportiert. Gegen 16 Uhr informieren Stadt, Feuerwehr und BASF über die aktuelle Lage. Niemand kann sagen, welche Stoffe in Brand gerieten und weshalb der Brand überhaupt ausgelöst wurde. Später am Abend heißt es: Es hat zwei Tote und sechs Schwerverletzte gegeben. Zwei Feuerwehrleute werden vermisst. Laut BASF wurde an den Rohrleitungen gearbeitet, als es zur Explosion mit den Folgebränden kam. Feuerwehrdezernent Dieter Feid (SPD) sagt: „Das ist ein trauriges und einschneidendes Erlebnis.“ Politik Im Blickpunkt, Lokalseite 6

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